Serie

Zentralschweizer erzählen aus dem Corona-Alltag: Wochen 1 und 2

Das Coronavirus betrifft die Zentralschweizer Bevölkerung. In unserer Serie liessen wir sie ihren Alltag beleuchten.

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Dies ist eine Sammlung von älteren Porträts. >>> Hier geht's zu den neusten Texten.

Woche 2: Eine Tänzerin, ein Koch, eine Historikerin und ein FCL-Spieler


Jacqueline Heutschi (40), Selbstständige Choreografin, Tänzerin, Pädagogin

«Meine Tanzkurse in den Studios in Luzern und in Basel fallen aus. Der Outdoor-Fitnesskurs liesse sich mit maximal fünf Personen theoretisch noch anbieten, wenn Abstand- und Hygienevorschriften eingehalten würden. Das ist aber knifflig, und es würde sich in der momentanen Situation auch falsch anfühlen. Jetzt biete ich die Fitnesskurse als Online-Livestream an. Dabei kam ich mir zunächst schon schräg vor. Da zählte ich einen Countdown runter oder schrie in meiner Wohnung vor dem Bildschirm motivierende Parolen, dabei war physisch niemand anwesend. Mittlerweile kann ich dank einer Kooperation mit der Musical Factory Luzern deren Studio für die Online-Fitnesskurse nutzen:

Jacqueline Heutschi unterrichtet zur Zeit via Bildschirm im Live-Stream.

Jacqueline Heutschi unterrichtet zur Zeit via Bildschirm im Live-Stream.

Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 1. April 2020

Es ist gerade in einer solchen Zeit wichtiger denn je, körperlich und auch mental gesund zu bleiben. Erste Feedbacks zeigen, dass viele eine Verabredung zum Training und Unterstützung schätzen. Es hilft, die Work-outs auch tatsächlich durchzuziehen. Es geht darum, zu coachen und dass sich die Leute hinter dem Bildschirm nicht alleingelassen fühlen. Meine Tanzkurse kann ich mir momentan noch nicht via Stream vorstellen. Denn beim Tanzen machen der persönliche Kontakt zu den Menschen im Raum, die Energie, die direkte Interaktion einen noch grösseren Unterschied als im Fitnessbereich. Ich hoffe, dass meine Leute mir treu bleiben und wieder einsteigen, sobald das wieder möglich ist. Falls die Situation länger anhält, werde ich mir vielleicht aber auch dafür etwas Neues überlegen.

Zu Beginn der Krise war ich blockiert. Ich wollte zwar Dinge anpacken, organisieren, aufgleisen. Ich habe das aber nicht hingekriegt und ging alle 15 Minuten online, um auf dem Laufenden zu sein und um herauszufinden, was gilt. Ich checkte alles, von Pontius bis Pilatus. Anfangs war das sehr verwirrend und nicht fassbar, vor allem in der ersten Woche. Dann habe ich mir die Zeit für Social Media und Nachrichten portioniert und konzentriere mich nun wieder auf meinen Alltag. Weil ich aktuell arbeitstechnisch nicht ausgelastet bin, hüte ich zeitweise die Kinder meiner Freundinnen.

Da ich schon lange selbstständig arbeite, bin ich es gewohnt, meinem Tag selber eine Struktur zu verleihen. Das ist nichts Neues. Auch mit Existenzängsten und finanziellen Sorgen ist man als Selbstständige im künstlerischen Bereich oft konfrontiert. Ich bin froh, dass ich nicht noch für Angestellte oder Kinder sorgen muss. Dennoch ist die aktuelle Situation eine besondere Herausforderung und die Ungewissheit verunsichert. Alle Aufträge, etwa für Workshops oder Veranstaltungen, fallen für unbestimmte Zeit aus. Ich reiche auf jeden Fall das Formular für Erwerbsersatzentschädigung infolge des Coronavirus ein. Ich bin auch ausgebildete Primarlehrerin und übernehme ab und zu Stellvertretungen. Demnächst hätte ich eine solche Stelle angetreten. Da ist nun aber ebenfalls offen, wie es weitergeht. Wenn es hart auf hart kommen sollte, müsste ich Unterstützung von meiner Familie annehmen.

Ich mache mir natürlich Gedanken, welchen Einfluss die Coronakrise langfristig auf die Gesellschaft und den Einzelnen hat. Ich hoffe, dass Menschen, die jetzt an ihre Grenzen stossen, sich nicht scheuen, Hilfe anzunehmen. Egal, in welchem Bereich. Mehr zur Verfügung stehende Zeit kann aber für jeden auch eine Chance sein. Zeit bedeutet Musse, um etwas entstehen zu lassen, Ideen zu verfolgen, neue Konzepte zu entwickeln, kreative Lösungen zu finden. Dies kann man schon jetzt in vielen Lebensbereichen beobachten, was mich sehr inspiriert. Eine Krise bedeutet auch Wachstum. Oft entsteht Schönes und Berührendes in Extremsituationen – und dies ist definitiv eine.»

Aufgezeichnet von Sandra Peter

Zur Person: Jacqueline Heutschi (40) aus Luzern ist als selbstständige Choreografin und Tänzerin tätig und leitet Tanz- sowie Fitnesskurse, teilweise inspiriert von Yoga. Sie ist zudem ausgebildete Primarlehrerin. www.jaheutschi.com @jh_dancer_choreographer

Lino Martschini (27), Eishockeyspieler EV Zug

Lino Martschini und sein Töchterchen Riley Rose.

Lino Martschini und sein Töchterchen Riley Rose.

Bild: PD

Seit knapp zwei Wochen befinde ich mich mit meiner Frau Cynthia und Tochter Riley Rose im kanadischen Peterborough. Dort habe ich auch Cynthia früher kennen gelernt. In der Schweiz erhaschten wir gerade noch einen der letzten Flüge nach Nordamerika. Seitdem dürfen nur noch kanadische Staatsbürger oder Familienangehörige einreisen. Das Flugzeug war fast leer, eine spezielle Situation. Wir sind in Selbst-Quarantäne, aber vollkommen gesund. Man muss die Gefahr ernst nehmen, die Gesundheit hat oberste Priorität. Mit einem Kind verhält man sich noch vorsichtiger, deshalb gehen wir kein Risiko ein.

Da wir das Haus vorerst nicht verlassen dürfen, kauft für uns die Familie meiner Frau Lebensmittel ein. Das klappt prima, uns fehlt es an nichts. Via Medien verfolge ich auch die Situation in der Schweiz. Sie ähnelt der hiesigen Lage: Das öffentliche Leben ist lahmgelegt: Restaurants, Bars, Geschäfte, Schulen, Freizeit- und Sportanlagen: Alles hat geschlossen. Auf den Strassen halten sich nur noch wenige Menschen auf. Nichts ist wie vorher. Es beschäftigt mich. Es führt uns alle vor Augen, wie gut es uns eigentlich geht. Manchmal schätzen wir unsere Privilegien zu wenig.

Das Coronavirus hat unser alltägliches Leben komplett auf den Kopf gestellt. Nun gilt es, damit umzugehen und geduldig zu bleiben. Das Positive an der aktuellen Situation: Wir können viel Zeit als Familie verbringen. Ich spiele oft mit meinem Töchterchen, das in diesen Tagen fünf Monate alt wird. Verbarrikadiert sind wir nicht. Wir haben eine Terrasse und einen Garten und können dort ab und zu frische Luft schnappen. Die Zeit bis zum Sommer verbringe ich hier.

Es ist unklar, wann wir mit der Vorbereitung für die neue Saison beginnen können. Momentan halte ich mit Home-Workouts meinen Körper auf Betriebstemperatur. Natürlich vermisse ich Eishockey. Normalerweise wäre jetzt Playoff-Zeit, das Saison-Highlight für jeden Spieler. Ich freue mich darauf, meine Teamkollegen hoffentlich bald wieder zu sehen.

Aufgezeichnet von Philipp Zurfluh

Zur Person: Lino Martschini (27) ist in Luzern aufgewachsen und steht seit 2012 beim EV Zug unter Vertrag.


Irene Uhlmann (41), Projektleiterin IT-Support, aus Cham

Irene Uhlmann (links) holt nicht mehr verkaufbare Brötchen bei der Bäckerei ab und verteilt sie später an Obdachlose. Ihr helfen Dunja Egli (2.v.l.), Carlo Reinhardt (Mitte) und Eveline Agic (2.v.r.) und Beat Kohler von Emmas Bäckerei (rechts).

Irene Uhlmann (links) holt nicht mehr verkaufbare Brötchen bei der Bäckerei ab und verteilt sie später an Obdachlose. Ihr helfen Dunja Egli (2.v.l.), Carlo Reinhardt (Mitte) und Eveline Agic (2.v.r.) und Beat Kohler von Emmas Bäckerei (rechts).

Foto: Roger Grütter, Emmenbrücke, 28. März 2020

«Ich verfolge die Coronakrise von Anfang an: Den Hotels geht es schlecht, auch den Restaurants und den Läden, aber niemand spricht von den Obdachlosen. Sind das nicht diejenigen, die extrem hart getroffen werden? Ich und meine Lebenspartnerin Dunja Egli haben den Aufruf #DaFürDich bei Radio Pilatus gesehen.

Unsere Idee: Brötchen, die nicht mehr verkauft werden können, sollen an Obdachlose verteilt werden. Davon haben wir in den sozialen Medien erzählt und ein grandioses Echo erhalten.

Viele freiwillige Helfer haben sich gemeldet, darunter auch Eveline Agic und der 14-jährige Carlo Reinhardt. Seit dem 21. März treffen wir uns jeden Abend kurz vor Ladenschluss bei Emma’s Bäckerei in Emmenbrücke. Diese Bäckerei hat sich anerboten, uns zu helfen. Zu viert nehmen wir Sandwich, Gipfeli und weitere Gebäcke in Empfang, welche die Bäckerei nicht mehr verkaufen kann. Dann fahren wir nach Luzern.

Im Vögeligärtli, auf dem Bahnhofplatz und vor der Gassechuchi verteilen wir die Gebäcke an die Obdachlosen. Das hat sich unter den Obdachlosen schnell herumgesprochen. Sie schätzen das sehr. Und weil Essen auch durstig macht, macht auch die Bösch-Getränkehandels AG aus Baar mit: Sie hat uns Eistee zum Selbstkostenpreis zur Verfügung gestellt. Finanziert wird das durch Spenden, die wir aus unserem Umfeld erhalten haben. Aktiv sind wir seit dem 21. März.

Wie lange wir das machen werden, weiss ich noch nicht. Toll wäre es, dies auch nach der Coronakrise weiterführen zu können. Die soziale Komponente ist mir sehr wichtig. Wenn irgendwo Hilfe gefragt ist, helfe ich gern. Lieber verteile ich Gebäcke an Obdachlose, als dass sie weggeworfen werden.»

Aufgezeichnet von René Meier

Zur Person: Irene Uhlmann (41) ist Projektleiterin eines Software-Unternehmens im Bereich Spitex. Sie ist in Willisau geboren und Jüngste von Drillingen.

Dunja Bulinsky (53), Historikerin aus Luzern

Für die Historikerin Dunja Bulinsky ist es aktuell nicht einfach, an neue Aufträge zu kommen.

Für die Historikerin Dunja Bulinsky ist es aktuell nicht einfach, an neue Aufträge zu kommen.

PD

«Homeoffice ist nichts Neues für mich, denn als selbständige Historikerin arbeite ich für gewöhnlich von Zuhause aus. Dennoch hat sich mein Arbeitsalltag stark verändert. Auch meine Familienmitglieder arbeiten jetzt grösstenteils von Zuhause aus und wir müssen uns deshalb anders arrangieren. In all den Jahren Homeoffice habe ich gelernt, Privates und Arbeit in den eigenen vier Wänden gut voneinander zu trennen. Momentan ist es jedoch schwierig, die Grenze beizubehalten.

Ausserdem bin ich auf Aufträge angewiesen. Meine letzte Arbeit, meine Dissertation über den Schweizer Naturforscher und Arzt Johann Jakob Scheuchzer, habe ich diese Woche in den Druck gegeben. Dass die Museen aktuell geschlossen sind und auch andere Auftraggeber angesichts der aktuellen Lage Zurückhaltung zeigen, macht es für mich nicht einfach an neue Arbeit zu kommen.

Manchmal scheint es, als wäre die Zeit stehen geblieben. Mir fehlt zwar Vieles, zum Beispiel das Treffen von Freunden und der Tanzunterricht, der jetzt ins Digitale verlegt wurde. Trotzdem finde ich in dieser stillen Zeit neue Inspiration. So finde ich es sehr interessant, wie unterschiedlich die Menschen auf die Pandemie reagieren – manche ganz anders als erwartet. Wer weiss, vielleicht schreibe ich mein nächstes Buch darüber, wie sich die Gesellschaft in Zeiten einer Pandemie verändert. Ein Vergleich der gesellschaftlichen Folgen der Coronakrise mit denjenigen zu Pestzeiten wäre sicherlich spannend.

Zum Glück muss ich nicht auf alles verzichten. Ich gehe seit drei Jahren wöchentlich Winterschwimmen. Dies habe ich beibehalten. Ich werde zwar immer begleitet, denn alleine wäre dies zu gefährlich, genügend sozialer Abstand ist aber immer gewährleistet. Denn wer folgt mir schon in den eiskalten Vierwaldstättersee? Winterschwimmen bietet mir nicht nur den passenden Ausgleich, es stärkt auch das Immunsystem. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist der Unterhaltungswert. Wenn ich mich ins kalte Wasser stürze, gibt es immer neugierige Zuschauer. So zaubere ich Menschen, auch in Zeiten des Coronavirus, ein Lächeln ins Gesicht.»

Zur Person: Dunja Bulinsky (54) ist selbständige Historikerin aus Luzern. In ihrer letzten Arbeit beschäftigte sie sich mit Johann Jakob Scheuchzer (1672-1733), ein Schweizer Naturforscher und Arzt. Ihren Ausgleich zur Arbeiten findet sie beim Schwimmen, was sie auch im kalten Winter tut.

Aufgezeichnet von Raissa Bulinsky

Die Weltenbummler Barbara Baumgartner (38) und André Wechsler (39) aus Hergiswil

Barbara Baumgartner und André Wechsler stecken zurzeit in Bolivien fest.

Barbara Baumgartner und André Wechsler stecken zurzeit in Bolivien fest.

PD

«Auf unserer Reise-Webseite heisst es ‹Abenteuer beginnen da, wo Pläne enden›: Nun sitzen wir beide in Quarantäne in La Paz, der Coronavirus hat auch Bolivien erreicht.

Es ist bereits das zweite Jahr – mit Unterbruch – in welchem wir in ganz Südamerika unterwegs sind. Mit unserem 34-jährigen umgebauten Armeelastwagen sind wir sogar über den Atlantik gereist, doch nun steht er für unbekannte Zeit sicher parkiert im Hotel Oberland. In der Anlage des Hotels, welches ehemals einem Schweizer gehörte und momentan geschlossen ist, sind wir nun für einige Wochen untergekommen. Ein weiteres Pärchen aus dem Kanton Luzern hat sich aufgrund der unerwartet schnellen Quarantäne-Anordnung ebenfalls auf diesem Hotelgelände niedergelassen: Zum Glück sind wir zu viert. Dieser Zusammenhalt macht alles viel einfacher.

Vor wenigen Wochen haben wir uns noch wenig Gedanken zum Virus gemacht. Klar haben wir den ersten Fall in Südamerika mitverfolgt. Anfangs haben wir uns aber nichts dabei gedacht. Dann sind am 18. März plötzlich die Grenzen zugegangen, zwei Tage später folgte die Ausgangssperre. Bolivien hat schnell reagiert. Viel schneller als Europa und viel zu schnell, als dass wir mit unserem Fahrzeug das Land hätten verlassen können.

Das Verlassen der Häuser ist in Bolivien momentan streng verboten: Nicht einmal Taxis fahren. Wer ohne Bewilligung Auto fährt, dem wird das Fahrzeug beschlagnahmt, wer krank das Haus verlässt, dem drohen zehn Jahre Gefängnis. Mithilfe der Endziffern der Passnummern versucht die bolivianische Regierung Ordnung ins Chaos zu bringen: Jede Endziffer darf einmal pro Woche für den Einkauf das Haus verlassen.

Die Entwicklung in diesem unsicheren Land macht uns zu schaffen. Gerade, weil wir hier die Ausländer sind. In den Augen der Einheimischen sind wir als Europäer für die Verbreitung des Coronavirus mitverantwortlich. Wir befürchten deshalb Neid oder Benachteiligungen, sobald erste Lagervorräte im Land zu Neige gehen.

Nun wurden wir von der EDA über die Botschaft in La Paz kontaktiert. Es heisst für uns Koffer packen und mit dem Bus 17 Stunden nach Santa Cruz fahren. Am Donnerstag wird ein Flug nach Deutschland organisiert. Vielleicht haben wir da noch Platz - sicher ist aber nichts.

Die Abreise bedeutet für uns gleichzeitig auch Abschied von unserem mobilen Zuhause, welches uns so lange begleitet hat. Dieses Auto ist gefüllt mit unserem ganzen Haushalt. Keine Ahnung, wann wir wieder nach Bolivien fahren, um unser eingewintertes Fahrzeug abzuholen. So war das definitiv nicht geplant.»

Zu den Personen: André Wechsler (39) lebt mit seiner Lebenspartnerin Barbara Baumgartner (38) in Hergiswil. Insgesamt sind sie seit mehr als einem Jahr mit ihrem Armeelastwagen in Südamerika unterwegs. Geplant war ihre Rückkehr in die Schweiz im Juni. Nun sind sie mit ihrem Expeditionsmobil in Bolivien in Quarantäne. Wie und wann es weitergeht, weiss niemand so genau.

Aufgezeichnet von Marielle Heeb

Antje Doether (44), Juristin und Pilates-Instruktorin

Der Alltag von Vielfliegerin Antje Doether hat sich komplett verändert.

Der Alltag von Vielfliegerin Antje Doether hat sich komplett verändert.

PD

«Normalerweise sitze ich berufsbedingt mindestens einmal die Woche im Flieger. Denn ich bin Juristin bei einem globalen Medizintechnik-Unternehmen mit einem Team, welches in den verschiedensten Ländern zu Hause ist. Ich habe mir mittlerweile an vielen Flecken dieser Welt ein berufliches, aber auch freundschaftliches Netzwerk aufgebaut. Deshalb sind meine Reisen für mich nicht nur beruflich, sondern auch privat von grosser Bedeutung. Durch meinen 180%-Job und meiner Nebentätigkeit als Pilates-Instruktorin bin ich eigentlich immer unter Menschen.

Mit den Reisen und dem Pilates ist es momentan natürlich vorbei – ich arbeite im Homeoffice. Um meine Berufskollegen nicht nur geschäftlich, sondern auch menschlich und emotional abzuholen, habe ich eine digitale Kaffeepause eingeführt. Alle acht Teamkollegen sitzen dann einmal die Woche mit ihrem Kaffee oder Tee vor dem Bildschirm, in Spanien, Russland oder den USA. Dann plaudern wir und tauschen uns aus. Ab und zu gesellt sich auch ein neugieriges Familienmitglied dazu.

Meine Familie lebt in Deutschland. Deshalb fühle ich mich doch ab und zu ‹abgeschnitten› von meiner mir sehr vertrauten familiären Umgebung. Es ist ein ganz neues Gefühl. Auch wenn ich bedauere, all die tollen Menschen nicht mehr zu sehen, komme ich nun mehr zur Ruhe und nutze diese, um nachzudenken. Ich nehme mir bewusst Zeit für Dinge, die ich sonst eher schnell abhandle. Man kann sagen, dass ich in einem positiven Sinne rückschrittlich werde, dadurch neue Kreativität und Innovation an den Tag lege.

Auch beschäftige ich mich mehr mit meinem direkten Umfeld: meinen Nachbarn. Wir verstanden uns schon immer sehr gut, aber jetzt kann ich mir viel Zeit für sie nehmen. Die Nachbarskinder sorgen sich rührend um mich, auch wenn ich eine Person bin, die nicht zeigt, dass man sich um sie kümmern muss. Die Kinder haben zum Beispiel eine Gondel gebaut, von ihrem zu meinem Fenster, und schicken mir Schoggi oder andere kleine Köstlichkeiten.

Ich habe in dieser Zeit schon einiges gelernt und hoffe, dass ich einiges davon beibehalte, wenn die ‹normalen› Zeit wieder eintrifft. Aber wer weiss, vielleicht falle ich auch wieder in mein altes Muster zurück.»

Zur Person: Antje Doether (44) ist in Deutschland aufgewachsen und lebt seit 12 Jahren in Luzern. Sie ist Juristin in einem Medizintechnik-Unternehmen und berufsbedingt wöchentlich im Ausland. Ausserdem unterrichtet sie Pilates im Sportzentrum Allmend.

Aufgezeichnet von Raissa Bulinsky


Janis Kathriner (23), Koch im Jugendkulturhaus Treibhaus

Die Arbeit von Janis Kathriner beschränkt sich derzeit auf Wartungs- und Aufräumarbeiten.

Die Arbeit von Janis Kathriner beschränkt sich derzeit auf Wartungs- und Aufräumarbeiten.

PD

«Das Jugendkulturhaus Treibhaus ist für mich nicht nur ein Ort, an dem ich arbeite, sondern fast schon ein zweites Zuhause. Ich war hier einige Zeit als Veranstalter tätig und seit rund zwei Jahren bekoche ich unsere Gäste mit feinen Menus. Doch nicht nur die Arbeit am Herd macht mir Freude. Was das Treibhaus für mich wertvoll macht, sind die Menschen hier. Unser junges Team sorgt dafür, dass selbst die stressigen Schichten Spass machen können. Angesichts der aktuellen Lage ist der Betrieb des Treibhauses natürlich geschlossen und meine Arbeit beschränkt sich auf Wartungs- und Aufräumarbeiten, bei denen wir natürlich alle notwendigen Massnahmen einhalten.

Was ich am meisten am gewöhnlichen Arbeitsalltag vermisse? Natürlich die Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen, interessante Gespräche nach Feierabend und natürlich das Kochen. Auch privat hat sich einiges geändert. Viele Menschen, die mir wichtig sind, kann ich momentan nicht mehr sehen. Dementsprechend verbringe ich, wie viele andere, mehr Zeit mit mir selbst.

Ganz besonders ist die Stille im Treibhaus – jetzt wo wir keine Gäste empfangen. Normalerweise laufen hier ganz unterschiedliche Typen von Menschen ein und aus. Da haben wir jede Menge Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schüler, die bei uns Zmittag essen. Am Abend ist das Publikum so unterschiedlich, wie das Programm: Von übermütigen Jugendlichen an der Ü16-Party zu Vollblutrockern bei einem Metalkonzert oder Theatergästen des Theaterpavillons nebenan, die sich bei uns mit Speis und Trank auftanken.

Manchmal geniesse ich aber die Ruhe. Ich sehe darin die Chance, mich anderen Dingen zu widmen wie zu lesen oder alleine in der Natur spazieren zu gehen. Ich beschäftige mich auch mehr mit meinem direkten Umfeld. So gehe ich regelmässig für meine Nachbarin, eine ältere Dame, einkaufen. Auch für meine Grosseltern erledige ich allerlei.»

Zur Person: Janis Kathriner (23) ist gelernter Koch und arbeitet seit 2 Jahren im Jugendkulturhaus Treibhaus. Er wohnt in Luzern und ist in der Freiwilligen Feuerwehr.

Aufgezeichnet von Raissa Bulinsky


Tsiy Ndenge (22), Mittelfeldspieler beim FC Luzern

Seiner Arbeit kann er momentan nicht nachgehen: Tsiy William Ndenge.

Seiner Arbeit kann er momentan nicht nachgehen: Tsiy William Ndenge.

Martin Meienberger/Freshfocus

«Seitdem ich mit dem FC Luzern kein offizielles Mannschaftstraining mehr habe, bin ich mehrheitlich zuhause. Ich wohne in Kriens, alleine. Es ist schon hin und wieder etwas langweilig. Am Anfang war die Überlegung da, zurück nach Deutschland zu meiner Familie zu gehen. Das Risiko ist aber einfach zu gross, dass ich beispielsweise meine Eltern anstecken könnte. Der Verein hat uns auch angewiesen, nicht zu viel unterwegs zu sein.

Meine Tage sehen momentan immer etwa gleich aus. Aufstehen, Frühstück, Trainingseinheiten, und dann die freie Zeit nutzen. Ich lese viel, schaue Dokumentationen oder Serien und natürlich telefoniere auch ich mehr als sonst. Ich muss jetzt täglich für mich selber kochen. Obwohl ich nicht unbedingt super gerne koche, ist das für mich kein Problem.

Mit den Teamkollegen bin ich in stetigem Kontakt, sei es über Whatsapp, per Telefon oder bei einem Spiel an der Playstation. Letztes Mal habe ich beim Joggen draussen meine Teamkollegen Eric Tia Chef und Ibrahima Ndiaye getroffen – das war ein schöner Moment und eine Möglichkeit für ein kurzes Gespräch.

Ich mache mir viel Gedanken zu der ganzen Krise. Schaue auf andere Länder, was dort passiert. Ich verstehe alle diese Massnahmen und hoffe einfach, dass sich die Situation sehr bald wieder ändert.»

Zur Person: Tsiy William Ndenge spielt seit Sommer 2018 beim FC Luzern. Zuvor spielte er in Deutschland unter anderem in der Jugend von Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen. Ndenge ist 22 Jahre alt und deutsch-kamerunischer Doppelbürger.

Aufgezeichnet von Janick Wetterwald


Catharina Engel (24), Kindergartenlehrerin in Ebikon

«Ich bin froh, wenn diese Zeit vorbei ist»: Catharina Engel.

«Ich bin froh, wenn diese Zeit vorbei ist»: Catharina Engel.

PD

«Was ich momentan am meisten an meinem Beruf als Kindergartenlehrerin vermisse ist das Lachen, Spielen und Entdecken mit den Kindern, am liebsten draussen. Denn in der Natur gibt es immer wieder etwas Neues zu lernen, egal zu welcher Jahreszeit oder Witterung. Seien es erdige Regenwürmer nach einem verregneten Tag, ein Teppich aus Laub im Herbst oder schöne Blumen beim naheliegenden Rotsee. Doch egal, ob draussen oder drinnen, mit den 17 quirligen Kindergärtlern läuft immer etwas. Jetzt sieht alles etwas anders aus. Nur einem Teil meiner Arbeit kann ich im Homeoffice nachgehen.

Da der Kindergarten bis mindestens nach den Osterferien geschlossen bleibt, sind die Eltern oder andere Erziehungsberechtigte der Kindergärtler jetzt besonders gefordert. Um sie in dieser intensiven Zeit zu unterstützen stellen wir – ein Team aus verschiedenen Kindergartenlehrpersonen – ihnen selbstgedrehte Videos zur Verfügung. Dort erklären wir, was sie basteln, spielen oder sonst so tun können, um den Alltag der Kinder zu bereichern. Ob das Hilfsmittel eingesetzt wird oder nicht, ist freiwillig. Einige Eltern gehen nun in ihrer Rolle als «Kindergarten-Ersatzlehrperson» auf und schicken mir Fotos oder Videos von ihren Erlebnissen. Für viele, vor allem die berufstätigen Eltern, ist es dennoch eine Herausforderung, Homeoffice und den Unterricht ihrer Kinder unter einen Hut zu bringen.

Das bedeutet aber nicht, dass jetzt jemand anderes meinen Job übernimmt. Seit kurzem telefoniere ich einmal in der Woche mit jedem Kind. So verliere ich nicht die Bindung zu ihnen, ich kann mit ihnen plaudern, sie ausfragen oder mit ihnen singen. Manchmal steht hier auch meine beliebte Handpuppe im Rampenlicht. In der restlichen Zeit erledige ich andere Arbeiten, die anfallen. So miste ich beispielsweise den Keller des Kindergartens aus oder bereite Stoff für das nächste Schuljahr vor. Auf jeden Fall bin ich froh, wenn diese Zeit vorbei ist und ich wieder mit den Kindern rausgehen kann.»

Zur Person: Catharina Engel ist 24 Jahre alt, wohnt in Luzern und absolvierte letzten Sommer ihren Bachelor an der Pädagogischen Hochschule Luzern. Seither arbeitet sie als Kindergartenlehrerin in einem Kindergarten in Ebikon.

Aufgezeichnet von Raissa Bulinsky


Woche 1: Ein Rektor, Linienpilot, TV-Korrespondent und eine Stationsmitarbeiterin der Pilatus Bahnen


Céline Estermann (29), Leiterin Small World Sprachaufenthalte

Céline Estermann in ihrer Agentur am Hirschengraben in Luzern.

Céline Estermann in ihrer Agentur am Hirschengraben in Luzern.

Bild: PD

Seit der Coronakrise sind meine Arbeitstage um einiges länger geworden. In absehbarer Zeit werden sie jedoch sehr kurz sein. Als Leiterin von Small World, eine Agentur für Sprachaufenthalte, bin ich dafür verantwortlich, meine Kunden sicher zurück nach Hause zu bringen und Problemlösungen für nicht wie geplant durchführbare Aufenthalte zu finden. Da ich selbständig bin und keine Mitarbeiter habe, habe ich jetzt jede Menge Arbeit. Doch das nehme ich gerne in Kauf, denn das Wohlergehen meiner Kundschaft liegt mir sehr am Herzen. Diese Woche sind zum Glück die letzten Reisenden heil daheim angekommen.

Normalerweise ist im Winter Hochsaison für Buchungen und ich berate die unterschiedlichsten Menschen zu ihren Wunsch-Sprachaufenthalten. Dies fällt nun weg und ich habe momentan keine Einnahmen. Ich versuche der Kundschaft so gut und flexibel wie möglich entgegenzukommen, um möglichst wenig Kosten für sie zu verursachen. Aber ich muss auch ans Geschäft denken, denn trotz der Krise muss zum Beispiel die Büromiete bezahlt werden. Es fühlt sich an, als würde ich gleichzeitig in zwei Richtungen gezogen. Das Gute ist: Vieles davon passiert in Zusammenarbeit mit meinen Partnerschulen. Wir sitzen alle im gleichen Boot.

Trotzdem ist jetzt Kreativität gefragt. Sobald ich mehr Zeit zum Atmen habe, lege ich mir Strategien zurecht. Zum Beispiel den Verkauf von Gutscheinen. Ich plane ausserdem das Angebot mit Online-Sprachkursen meiner Partnerschulen zu erweitern. Es stellt nicht nur in der reisefreienZeit eine kostengünstige Lösung für Menschen dar, die sich einen Sprachaufenthalt nicht leisten können, dennoch nicht auf eine Lehrperson im Ausland und Gruppenunterricht verzichten wollen.

Nicht nur neue Strategien, auch neue Lebensweisen möchte ich für die Zukunft finden. Es ist wichtig, dass wir jetzt Solidarität zeigen. Diesen Gedanken sollten wir beibehalten, auch wenn die Normalität wieder einkehrt. Wieso nicht auch in Zukunft bei den Nachbarn nachfragen, ob sie Hilfe benötigen oder das Geschäft von nebenan unterstützen?

Zur Person: Céline Estermann (29) ist seit 2016 selbständige Leiterin von Small World, einer Agentur für Sprachaufenthalte. Sie ist ursprünglich aus Oberkirch, lebt aber seit 7 Jahren in Luzern.

Aufgezeichnet von Raissa Bulinsky


Silvia Olbrich (55), Pfarrerin in der Kirche Weinbergli Luzern

Was mir in meinem Beruf als Pfarrerin am meisten am Herz liegt, ist der persönliche Austausch mit Menschen. Ich schätze direkte Gespräche, zu fühlen, wie es dem Gegenüber geht, ihm mit Rat und Tat zur Seite zu stehen oder einfach ein wenig zu plaudern. Zwar fällt der persönliche Kontakt von Angesicht zu Angesicht nun weg, trotzdem kann ich dieser wichtigen Aufgabe, stets ein offenes Ohr zu bieten, immer noch nachkommen. Ich führe täglich viele Telefonate, die von 5 bis 50 Minuten dauern. Vor allem bei alleinstehenden, älteren Menschen erkundige ich mich, wie es geht, ob sie Hilfe brauchen oder bin einfach eine Gesprächspartnerin.

Weil der Gottesdienst nun ausfällt, bieten wir Pfarrpersonen der reformierten Kirche Luzern nun verschiedene Alternativen an. Zum Beispiel Podcasts oder digitale Übertragungen von Gottesdiensten – alles im Lichte von der Botschafts Gottes. Mit dem Versenden von Briefen tragen auch ich meinen Beitrag dazu bei. Besonders ältere Menschen oder Menschen, die keine Freude an digitalen Medien haben, schätzen dies sehr. Wer es wünscht, dem sende ich regelmässig eine Andacht per Post, jeweils mit einem kurzen personalisierten und aufmunternden Text, einem Foto und einem kleinen Bibeltext oder Gebet. Wir wollen den Leuten einen Lichtblick in schweren Zeiten bieten. Dafür erhalten wir viele Rückmeldungen. Eine ältere Dame bestätigte den Wert unserer Arbeit mit den Worten: «Das ist genau das, was ich jetzt brauche.»

Natürlich bedauere ich, dass ich die Leute nicht mehr persönlich sehen kann und auch Anderes aus dem Berufsalltag fehlt mir, wie die Gottesdienste, Sitzungen und der Kontakt mit Kollegen. Auch der Konfirmationsunterricht fällt momentan leider aus. Es ist toll mit jungen Menschen zu diskutieren, ihre Weltsicht kennen zu lernen und sich darauf einzulassen.

Ich sehe aber auch Vorteile in dieser Zeit. Ich versuche das Beste aus dieser Situation zu machen und meinen Alltag zu entschleunigen. Meine Zeit für Dinge nutzen, die zuvor im Alltags- oder Berufsstress untergegangen sind. Sich Vergessenem widmen wie dem Briefeschreiben und alte Kontakte zu pflegen.

Zur Person: Silvia Olbrich (55) kommt ursprünglich aus Nordwestdeutschland und lebt seit 30 Jahren in der Schweiz. Seit 10 Jahren lebt sie zusammen mit ihrem Schweizer Mann und ihren beiden 15-jährigen Zwillingstöchtern im Kanton Luzern. 2014 übernahm sie das Pfarramt im Weinbergli.

Aufgezeichnet von Raissa Bulinsky


Rahel Sager (29), Fussballerin und Ärztin aus Luzern

Rahel Sager: Fussball ist aktuell nicht an erster Stelle.

Rahel Sager: Fussball ist aktuell nicht an erster Stelle.

Bild: topsportfotografie.ch

In den letzten Monaten hat sich für mich relativ viel verändert. Im Januar habe ich in Tel Aviv begonnen bei einer Mannschaft professionell Fussball zu spielen. Eigentlich hätte ich die ganze Saison bis im Sommer dortbleiben sollen. Als ich für einen Besuch Ende Februar in die Schweiz zurückgekehrt bin, musste ich mir plötzlich überlegen, ob es Sinn macht nach Israel zurückzukehren. Es hat mir dort sehr gut gefallen. Ich wollte noch vieles vom Land sehen, die Sprache besser kennen lernen, meinen Horizont erweitern und diese fremde Kultur entdecken. Bis vor eineinhalb Wochen, hätte ich mit meiner Bestätigung des israelischen Gesundheitsamts zurückgekonnt. Doch in Israel gibt es noch strengere Massnahmen als hier, ein völliger Lockdown. Deshalb habe ich mich dagegen entschieden.

Rahel Sager auf Entdeckungstour in Israel.

Rahel Sager auf Entdeckungstour in Israel.

Bild: PD

Jetzt spiele ich wieder bei meinem damaligen Team, den FC Luzern Spitzenfussball Frauen in der Nationalliga A. Auch übe ich wieder meinen vorherigen Job aus. Seit ich 2018 das Medizinstudium abgeschlossen habe, arbeite ich im Nachtdienst im Luzerner Kantonsspital. Einerseits sind das administrative Arbeiten im Kinderspital-Notfall, andererseits betreue ich die Patienten in der Nacht eins zu eins. Am Tag ist bei mir Training angesagt, in der Nacht die Arbeit im Spital.

In Luzern wohne ich nun wieder in meiner WG, und bin froh darum. Weil nun alle im Home Office sind, sehe ich wenigsten meine Mitbewohnerinnen, wenn ich schon meine Familie, Freunde und Teamkolleginnen vom FCL nicht treffen kann. Denn seit dem 13. März können wir nicht mehr zusammen trainieren. Gut, dass unser Trainer Glenn Meier sehr engagiert ist und ein Programm zusammengestellt hat, welches nun jede vom Team für sich alleine machen kann. Und zum Glück darf man noch nach draussen und joggen gehen. Es braucht momentan einfach viel Eigendisziplin. Aber die haben wir, denn unser Team ist sehr professionell aufgestellt.

Rahel Sager aus Luzern hat sich für den medizinischen Hilfspool in Luzern angemeldet.

Rahel Sager aus Luzern hat sich für den medizinischen Hilfspool in Luzern angemeldet.

Bild: PD

Unser ganzes soziales Leben wurde auf den Kopf gestellt. Ich sehe das aber auch als Chance für viele Menschen, mal aus dem Arbeitsalltag rauszukommen, sich Gedanken zu anderen Sachen und zum eigenen Leben zu machen. Man kann jeder Situation etwas Positives abgewinnen. Solidarität zu zeigen, erachte ich derzeit als sehr wichtig. Der Kanton beispielsweise sucht jetzt medizinisches Personal für einen Hilfspool. Da habe ich mich bereits gemeldet und werde bald erfahren, wo ich zusätzlich aushelfen kann. Für mich ist das selbstverständlich, denn ich habe genügend Kapazitäten und ich habe keine Angst mit Leuten in Kontakt zu kommen, die krank sind. Im Spital arbeiten wir mit den grösstmöglichen Sicherheitsmassnahmen, um die Gefahr einer Ansteckung zu minimieren.

Zur Person: Rahel Sager (29) ist Fussballerin und Ärztin aus Luzern. Sie spielt seit zwölf Jahren in der Nationalliga A für den FC Luzern (ehemaliger SC Kriens). Sie arbeitet zurzeit auf dem Kinderspital-Notfall und in der Patientenbetreuung im Kantonsspital Luzern.

Aufgezeichnet von Zéline Odermatt


Werner Scheuber (69), Raumgestalter im Familienunternehmen in Ennetbürgen

Ich dachte, dass mir schneller langweilig wird. Doch die viele Zeit in den eigenen vier Wänden inspiriert dazu, alte Hobbys wieder aufblühen zu lassen. Da ist zum Beispiel meine Bassgeige, welche die letzten 35 Jahre im Estrich ihre Zeit absass. Jetzt habe ich wieder angefangen zu üben. Auch mein Hometrainer hat es vom Keller zurück in die Wohnung geschafft. In früheren Jahren verbrachte ich zusammen mit meiner Frau so einige Sprachaufenthalte im Ausland. Jetzt haben wir wieder Zeit unser Englisch aufzufrischen und in Erinnerungen zu schwelgen. Jedoch vermissen wir unsere Enkelkinder enorm.

Werner Scheuber, ein pensionierter Unternehmer, dem es nie langweilig wird.

Werner Scheuber, ein pensionierter Unternehmer, dem es nie langweilig wird.

Bild: PD

Ich bin seit zwei Jahren pensioniert und habe das Glück, dass unser Familienunternehmen für Inneneinrichtung und Innenarchitektur seither in den Händen meiner beiden Töchter Katja Amstalden-Scheuber und Franziska Scheuber ist. Ich helfe in einem Teilpensum mit, berate langjährige Kunden und kümmere mich um spezifische Anfragen. Angesichts der aktuellen Lage tue ich dies von Zuhause aus.

Ich erinnere mich an das Jahr 2005. Auch dort befanden wir uns aufgrund eines Hochwassers in einem Ausnahmezustand. Damals ging es vorwiegend um Sachschäden. Eine Situation, wie wir sie heute erleben, habe ich in meiner ganzen Geschäftszeit nicht erlebt. Es ist etwas ganz Anderes, denn es geht um die Gesundheit aller und wir halten uns strikt an die Weisungen und Empfehlungen des Bundes.

Wir konnten schon früh einen Rückgang der Kundschaft beobachten. Um auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden eingehen zu können, ist eine persönliche Beratung sehr wichtig. So beraten und bedienen wir Interessenten in unserer Ausstellung jeweils mehrere Stunden. Ausserdem ist es wichtig, dass der Kunde die Produkte sieht und anfassen kann. Die veränderte Situation erfordert hier Kreativität. Wir telefonieren mit den Kunden und stellen beispielsweise ein Bemusterungspaket per Post zu. Unter Einhaltung der Sicherheitsmassnahmen bieten wir weiterhin Heimberatungen bei den Kunden zu Hause an.

Welche längerfristigen Folgen diese Ausnahmesituation für unseren Betrieb hat, ist momentan noch nicht absehbar. Dankbar sind wir für unser engagiertes Team und unsere treuen Kunden. Ihnen liegt es genauso am Herzen wie uns, dass wir diese Zeit so gut wie möglich überstehen.

Aufgezeichnet von Raissa Bulinsky

Zur Person: Werner Scheuber (69) übernahm 1981 das Ennetbürger Unternehmen seines Vaters Scheuber AG Raumgestaltung. Mittlerweile haben es seine Töchter, Katja Amstalden-Scheuber und Franziska Scheuber, übernommen. Werner Scheuber ist pensioniert, hilft aber in einem Teilpensum weiter mit.


Natalia Perego (36), Stationsmitarbeiterin im Bereich Technik und Betrieb bei den Pilatus-Bahnen

Natalia Perego zu Hause auf ihrem Balkon

Natalia Perego zu Hause auf ihrem Balkon

PD

«Die Pilatus-Bahnen stehen still. Ich habe Kurzarbeit angemeldet und bleibe mit meinen beiden Kindern zu Hause. Mein älterer Sohn besucht die Primarschule und muss jetzt von zu Hause aus Aufgaben lösen. Normalerweise übernehmen die Grosseltern das Kinderhüten, doch das geht jetzt nicht, weil sie zur Risikogruppe gehören. Deshalb ist es eigentlich gut, dass ich zu Hause bleiben muss. Mir fehlen meine Arbeit und die Pilatus-Leute jedoch sehr, wir sind wie eine grosse Familie.

Als am Freitag vor einer Woche die Nachricht kam, dass alle Bergbahnen schliessen müssen, wussten wir zuerst nicht so recht, was passiert. Am Samstag liessen wir den Betrieb ganz normal weiterlaufen. Es war nicht klar, ab wann die Regelung gelten soll. Später erfuhren wir, dass wir das nicht hätten machen dürfen. Am Sonntag waren die Bahnen für Besucherinnen und Besucher geschlossen, liefen aber noch, weil wir Hotelgäste und Lebensmittel ins Tal bringen mussten. Ein älterer Herr, welcher auf den Berg hochgewandert war, wollte mit seiner Jahreskarte die Talfahrt in Angriff nehmen. Doch wir durften ihn nicht mitnehmen. Er war nicht sehr erfreut, aber wir blieben streng.

Natalia Perego, als sie noch bei der Arbeit sein durfte.

Natalia Perego, als sie noch bei der Arbeit sein durfte.

Bild: PD

Als ich mich am Dienstag vor einer Woche das letzte Mal ausstempelte, war mir komisch zumute. Ich verabschiedete mich von meinen Mitarbeitern, ohne zu wissen, wann ich sie das nächste Mal sehen werde. Das war traurig.»

Aufgezeichnet von Elena Oberholzer

Zur Person: Natalia Perego (36) arbeitet seit drei Jahren in einem 50-Prozent-Pensum bei den Pilatus Bahnen als Stationsmitarbeiterin im Bereich Technik und Betrieb. Sie wohnt mit ihren zwei Kindern in der Stadt Luzern.


Raphael Prinz (42), SRF-Korrespondent aus Kriens

Raphael Prinz bei seiner täglichen Arbeit vor der Fernsehkamera.

Raphael Prinz bei seiner täglichen Arbeit vor der Fernsehkamera.

PD

«Als Zentralschweizer Korrespondent für das Schweizer Fernsehen bin ich in diesen Tagen permanent unterwegs. Schritt für Schritt spitzt sich die Situation zu und die Massnahmen gegen eine Ausbreitung des Coronavirus betreffen alle. Wir versuchen in der Berichterstattung möglichst viele Aspekte zu berücksichtigen und berichten über die Situation im Gesundheitswesen, an den Schulen, über die Auswirkungen für die Wirtschaft, über die Massnahmen der Kantone und so weiter. Das führt zu langen Arbeitstagen und zur recht widersprüchlichen Situation: die Schweiz bleibt daheim und fährt runter. Wir fahren die Informationssendungen hoch.

Das Informationsbedürfnis der Leute ist derzeit enorm gross und die Menschen sind viel zu Hause. Das führt dazu, dass beispielsweise die Tagesschau Einschaltquoten hat wie seit 20 Jahren nicht mehr. Beinahe täglich gibt es Sondersendungen und wir spüren ein grosses Interesse an unserer Arbeit. So gehörten die letzten Wochen für mich wohl zu den strengsten, seit ich als Korrespondent tätig bin. Das hat auch zu Hause Auswirkungen. Mit der derzeitigen Betreuung unserer beiden Söhne ist vor allem meine Frau sehr gefordert, denn es fällt ja nicht nur der Kindergarten und die Spielgruppe aus, auch die Grosseltern dürfen nicht mehr übernehmen. Und ich bin eben viel unterwegs.

Denn neben den täglichen Terminen, müssen wir uns bei der Arbeit auch überlegen, wo und wie wir die Interviews überhaupt durchführen können. Wenn wir an einen Drehort kommen, waschen und desinfizieren wir uns zuerst alle die Hände. Dann kommt ein Mikrofon an einer langen Stange zum Einsatz, um die zwei Meter Abstand einhalten zu können. Um keine Viren übers Mikrofon zu übertragen, haben wir dieses auch schon in einen Plastiksack gesteckt. Man wird erfinderisch. Glücklicherweise haben die meisten Leute Verständnis für die Umstände und dass wir jeweils etwas länger brauchen, um den Dreh vorzubereiten. Man merkt allgemein ein grosses Wohlwollen und die Bereitschaft, die Arbeit miteinander auszuführen. Man hilft sich gegenseitig.

Zwei Momente der letzten Woche fand ich besonders eindrücklich. Eines war ein Interview mit einer älteren Person in Uri nach der Verkündung der kantonalen Ausgangssperre. Die Frau blieb dafür auf ihrem Balkon – der Kameramann und ich hielten das lange Mikrofon vom Garten her hoch. Ebenfalls beeindruckt haben mich die einrückenden Spitalsoldaten am Europaplatz in Luzern. Junge Frauen und Männer, die nicht wissen, wie lange sie im Einsatz sein werden und wann sie ihre Familie und Bekannten wiedersehen werden. Ein Schritt ins Ungewisse.»

Zur Person: Der Krienser Raphael Prinz (42) arbeitet seit fünf Jahren als TV-Korrespondent Zentralschweiz vom Büro am Inseliquai aus. Sein Team macht Beiträge für die Tagesschau, 10vor10, Schweiz Aktuell und ist auch für Sondersendungen beispielsweise bei Wahlen verantwortlich.

Aufgezeichnet von Zéline Odermatt


Charlotte Germann (31), Geschäftsführerin einer Kommunikationsagentur in Uri

«In unserer Kommunikationsagentur Tinto AG sind wir drei Geschäftsleiterinnen mit drei Mitarbeiterinnen – hier herrscht also richtige Frauenpower. Unser gewöhnlicher Berufsalltag spielt sich im Büro ab. Die Arbeit beinhaltet sowohl Einzelarbeit am Bildschirm als auch den Austausch in den Projektteams. In der Teamsitzung oder auch ganz locker in der Kaffeepause tauschen wir uns aus, sei es über Ideen, Ratschläge oder Privates. Jetzt ist dies nicht mehr möglich. Nun sitzt jede zu Hause und arbeitet im Homeoffice.

Grafikerin Charlotte Germann im Büro zu Hause.

Grafikerin Charlotte Germann im Büro zu Hause.

Grundsätzlich ist Homeoffice kein Problem für uns, denn die Gestaltungs- und Textarbeit lässt sich gut von zu Hause aus machen, sofern die Internetverbindung nicht streikt. Mir fehlt jedoch der Austausch übers Pult hinweg. Auch meine Weiterbildung, der ich berufsbegleitend nachgehe, wurde ins Digitale verlegt. Die Arbeit daheim ist dennoch nicht immer einfach – gerade bei einem kreativen Beruf. Denn die eigenen vier Wände sind nicht sehr inspirierend. Normalerweise verlasse ich gerne mein Pult, um in die Natur oder auf kulturelle Veranstaltungen zu gehen und voller Ideen zurückzukehren.

Auch die notwendige Disziplin nicht zu verlieren, ist nicht immer einfach, wenn man die Arbeit nach Hause bringt. Deshalb habe ich mir selbst klare Richtlinien aufgestellt, zum Beispiel, dass ich mich morgens so zurechtmache, als würde ich ins Büro gehen und nicht direkt vom Bett an den Schreibtisch springe.

Wie es in unserem Unternehmen weitergeht, ist schwer zu sagen. Momentan haben wir noch Aufträge und auch unsere Mitarbeiter sind gut beschäftigt. Aber wir werden wohl zu spüren bekommen, dass Werbung in Zeiten des Coronavirus nicht an erster Stelle steht. Zum Glück liegt der Fokus unserer Arbeit auf Kommunikationsdienstleistungen, da entstehen durch die Krise eventuell auch Chancen. Wir versuchen das Beste aus unserer Situation zu machen und sind für unsere Kunden da.

Zur Person: Charlotte Germann (31) ist gebürtige Urnerin, Grafikerin und Designerin. Sie ist eine von drei Geschäftsleiterinnen der Werbeagentur Tinto AG mit Sitz in Altdorf. Berufsbegleitend absolviert sie eine Weiterbildung in «Interaction Design» an der Schule für Gestaltung in Bern.

Aufgezeichnet von Raissa Bulinsky


Denise Suter (54), Geschäftsführerin von Blumen Suter in Emmenbrücke

Denise Suter ist Geschäftsführerin von Blumen Suter.

Denise Suter ist Geschäftsführerin von Blumen Suter.

Bild: PD

«Wir haben damit gerechnet, dass wir schliessen müssen. Und waren schlussendlich doch überrumpelt. Am Anfang war das Problem vor allem, dass wir gar nicht genau wussten, was jetzt noch erlaubt ist – und was nicht. Auch unsere Kundschaft war mit der neuen Situation noch nicht vertraut. Wir haben schnell damit begonnen, die Pflanzen online oder per Telefon zu verkaufen. Zu Beginn haben wir eine Selbstbedienung eingerichtet, nach aktuellen Vorschriften ist dies nun aber nicht mehr gestattet. Voraus bestellte Blumen und Pflanzen können weiterhin in einer speziell eingerichteten Aussenzone abgeholt werden. Viele Kunden nutzen unseren Lieferservice sowie auch die Bestellung per Fleurop oder Mail. Den Laden müssen wir geschlossen halten, direkter Kundenkontakt ist nicht erlaubt.

Das Schöne ist, dass wir von unserer Kundschaft sehr viel Verständnis und positives Feedback erhalten. Dies hilft uns, weiter zu machen. Viele wollen gerade in dieser Zeit umso mehr Blumen kaufen, um jemandem eine Freude zu bereiten. Zum Beispiel schicken sie der Grossmutter einen Strauss zum Geburtstag, weil sie nicht mit ihr feiern können.

Während der letzten Woche hatten wir einige Lieferschwierigkeiten mit Blumen aus Italien und Holland. Nun verkaufen wir vor allem, was hier in der Schweiz wächst. Das Positive daran ist, dass die Leute somit wieder auf die schweizerischen und saisonalen Produkte aufmerksam gemacht werden.

Wir sind natürlich sehr froh über die finanziellen Unterstützungsmassnahmen des Bundesrates. Sollte die Situation jedoch noch lange so bleiben, wird es trotzdem schwierig. Unsere Gewächshäuser sind bereits voller Sommerpflanzen, welche in einigen Wochen für den Verkauf bereit sind. Falls die Ausgangssperre kommt und wir diese Blumen nicht auf dem Wochenmarkt in der Stadt Luzern verkaufen oder an die grossen Gartencenter liefern können, wandern einige davon auf den Kompost. Wir versuchen aber, das Beste aus der Situation zu machen, schliesslich haben wir einen wunderbaren Beruf: Blumen bereiten auch in diesen Zeiten Freude!»

Zur Person: Denise Suter (54) ist Geschäftsführerin von Blumen Suter und wohnt in Emmenbrücke. Sie führt den Blumenladen, ihr Bruder die Gärtnerei. Der Familienbetrieb besteht seit 1924.

Aufgezeichnet von Elena Oberholzer


Ramona Zimmermann (34), Inhaberin von zwei Coiffeursalons in Luzern

Coiffeur Salon Inhaberin Ramona Zimmermann (Mitte) mit ihrem Team.

Coiffeur Salon Inhaberin Ramona Zimmermann (Mitte) mit ihrem Team.

Bild: Rico Thali, 2017.

«Am 16. März kam die bereits absehbare Nachricht: «Betriebe, bei denen das Abstand halten nicht eingehalten werden kann wie Coiffeursalons (…) müssen schliessen.» Dies trifft mich als Inhaberin eines Coiffeursalons natürlich besonders. Ich bin verantwortlich für 5 ausgelernte Coiffeure, habe noch kürzlich ein neues Teammitglied eingestellt und begleite 3 Lernende und einen Praktikanten in ihrer Ausbildung», sagt Zimmermann. Sofort haben wir unsere Kundinnen und Kunden informiert, dass wir alle Termine absagen müssen und neu planen, sobald die Situation etwas klarer wird.

Zum Zeitpunkt der Ankündigung waren wohl viele geblendet von der noch niedrigen Anzahl Fälle oder auch nicht vertraut mit dem wahren Ausmass – sodass halt trotzdem Anfragen kamen wie: «Chönnti ned no schnell …» Da muss ich als Verantwortliche hart bleiben. Ich muss meine Mitarbeitenden schützen und glaube daran, dass der Bund diese einschneidenden Entscheidungen nicht leichtfertig getroffen hat.

Finanziell ist das natürlich fatal. Wir haben gerade erst im Januar noch unser zweites Lokal an der Habsburgerstrasse 36 eröffnet. Von heute auf morgen 0 Umsatz, aber die Kosten bleiben. Lohnkosten, Miete, sonstige offene Rechnungen… Da bin ich sehr froh, dass so viele offen für Lösungsvorschläge sind und wir auch Kurzarbeit anmelden konnten.

Ich versuche in solchen Zeiten positiv zu bleiben. Wir kreieren als Team Inhalte für unsere Follower auf unserer Webseite (ramonaz.ch) und in den Sozialen Medien. Wir zeigen dort zum Beispiel, wie man eine Haarmaske einfach und günstig zu Hause machen kann. Dass man jetzt nicht Panik kriegen muss, wenn man halt mal einen kleinen Ansatz hat oder die grauen Haare hervorstechen. Denn hey, seien wir ehrlich: alle stecken in derselben Lage, wir sollten ohnehin möglichst zu Hause bleiben und Abstand halten – was uns dann natürlich gelegen kommt. Und sonst gilt der alte Trick: Hut oder Mütze drauf.

Da unsere Serviceleistung auf einer persönlichen Bedienung und Beratung beruht, sehe ich es jetzt nicht als notwendig an, noch einen separaten Online Shop oder Ähnliches aufzubauen. Denn solche gibt es ja schon genug. Mir ist es wichtig diese persönliche Komponente zu behalten. So bieten wir kostenlose Fragestunden zu Produkten auf Social Media an und da können diese auch bestellt werden. Ausserdem kann eine Beratung gebucht werden für 15 Franken. Es ist schön zu sehen, dass viele diese Angebote wahrnehmen und schätzen. Und wir freuen uns, dass wir trotzdem etwas zu tun haben in dieser Zeit.

Also ganz im Sinne von «support your local business»: nutzt Angebote von den Kleinen in eurer Nähe, wenn sie für euch passen. Schreibt Ratings auf Google oder Social Media, das kann helfen. Ich freue mich, wenn ich dann hoffentlich bald wieder meine Kundinnen und Kunden gesund und munter im Salon persönlich begrüssen darf.»

Zur Person: Ramona Zimmermann ist 34 Jahre alt und führt seit bald 6 Jahren den gleichnamigen Coiffeur Salon (www.ramonaz.ch) an der Habsburgerstrasse 32 und neu auch 36 in Luzern. Als auf den Sozialen Medien aktiver Coiffeur informiert und kommuniziert sie seit den ersten Stunden, als bekannt wurde, dass sie den Salon schliessen müssen.

Aufgezeichnet von Janick Wetterwald


Eduard Lang (80), Pensionär aus Horw

Ehemaliger Schulleiter Eduard Lang zählt wegen seiner 80 Jahre zur Risikogruppe.

Ehemaliger Schulleiter Eduard Lang zählt wegen seiner 80 Jahre zur Risikogruppe.

Bild: PD, 2019

«Ich bin einer der vielen Menschen, der trotz der schwierigen Umweltsituation in einer privilegierten Lage ist. Mir geht es so, wie vielen Pensionierten, dass wir uns natürlich Sorgen machen um unsere Mitmenschen, die im Arbeitsprozess sind. Besonders betroffen machen die vielen Unternehmerinnen und Unternehmer, die fast nicht mehr weiter wissen und bei denen ihr ganzer Lebensinhalt auf dem Spiel steht. Auch die Mütter und Väter, die sich Sorgen machen um ihre Arbeitsstelle und die nun zusätzlich gefordert werden mit der 24 Stunden–Kinderbetreuung, stehen in unserem Fokus. Als pensionierter Rektor der Gemeindeschulen Horw denke ich selbstverständlich auch an all die ehemaligen Kollegen, die in dieser besonderen Schulsituation alle Kräfte einsetzen, damit die Schüler Strukturen in ihren Alltag zu Hause bekommen.

Strukturen brauche auch ich für meinen Alltag, denn einfach so in den Tag hinein zu leben ist für mich und mein persönliches Befinden keine Option. Meine Frau und ich, wir stehen jeden Tag um sechs Uhr auf. Nach einem ausgiebigen Frühstück ist Bewegung angesagt. Vor der Corona-Krise hielt ich mich im Fitness-Center für gut eine Stunde auf Trab. Jetzt ist dies nicht mehr möglich, deshalb steht ein ausgiebiger Marsch auf dem Programm, und zwar zu zweit. Zu dieser frühen Morgenstunde sind noch nicht viele Mitmenschen unterwegs und sollte es doch einmal zu Begegnungen kommen, kann der gebührende Abstand immer gewahrt werden.

Als Grosseltern war es uns die letzten Jahre vergönnt, uns in verschiedenen Situationen für die Enkelkinder einzusetzen. Dies ist nun auf brutale Art und Weise, aber auch verständlich, ausser Kraft gesetzt worden. Wir hoffen natürlich, dass unser Rückzug begrenzt ist und wir dafür später unsere Betreuungsfunktionen wieder wahrnehmen können. Da ich jetzt ohne Zweifel zur «Risikogruppe» gehöre, ist es manchmal recht schwierig, Hilfe einfach so anzunehmen. Bis anhin waren wir eher bei den «Gebenden», bzw. bei den «Freiwilligen», die sich für die Allgemeinheit eingesetzt haben. Dass sich sehr viele Personen um uns Ältere Sorgen machen, ist für mich nicht selbstverständlich. Es liegt deshalb an uns «Alten», diese Sorgen ernst zu nehmen.»

Zur Person: Eduard Lang war langjähriger Rektor der Horwer Gemeindeschulen. Mittlerweile ist der 80-Jährige pensioniert und hat mehrere Enkelkinder.

Aufgezeichnet von Julian Spörri


Daniel Schriber (36), Texter und frischgebackener Vater aus Luzern

«Wenn du wüsstest, was damals los war…» So oder ähnlich wird es klingen, wenn ich meiner Tochter irgendwann vom Tag ihrer Geburt erzählen werde. Elin Lina erblickte am 15. März das Licht der Welt. Am Tag danach erklärte der Bundesrat die «ausserordentliche Lage» für das ganze Land. Es sind verrückte Zeiten, um diese Erde zu betreten. Elin tat es trotzdem – und wir, ihre Eltern, sind überglücklich darüber.

Nadine und Daniel Schriber mit ihrer Tochter Elin.

Nadine und Daniel Schriber mit ihrer Tochter Elin.

Bild: PD

Die ersten Tage mit unserem Kind waren irgendwie surreal. Einerseits erlebten wir im Luzerner Kantonsspital die ersten gemeinsamen Stunden als Familie, andererseits herrschte draussen vor der Tür der Ausnahmezustand – die schlimmste Krise seit dem 2. Weltkrieg. Über Zeitungen und Social Media erfuhren wir von den Ereignissen auf der ganzen Welt, so richtig dabei waren wir jedoch nicht. Das lag auch daran, dass wir in der Frauenklinik keinen Besuch empfangen durften. Das Gute daran: Meine Frau und ich hatten drei Tage Zeit, um unsere Kleine in Ruhe zu bestaunen und von Kopf bis Fuss kennenzulernen.

Mittlerweile sind wir seit einigen Tagen zuhause. Unser Baby hält uns ganz schön auf Trab – vor allem aber bereitet uns Elin grosse Freude. Nicht nur uns: Über Whatsapp und Facetime bleiben auch die Grosseltern täglich über die neusten Ereignisse rund um ihre Enkelin informiert. «Dank» Corona dauert zudem auch unsere gemeinsame Elternzeit länger als geplant. Da ich als freischaffender Texter im Zuge der Krise einige Aufträge verloren habe, bleibt mir in den kommenden Wochen unverhofft mehr Zeit, daheim zu sein. Trotz finanzieller Verluste überwiegt die Freude über die geschenkte Zeit. Vielleicht auch, weil man in Zeiten wie diesen seine Prioritäten bewusst hinterfragt?

Niemand weiss heute, wie sich diese Krise entwickeln wird – und wann wir unsere Elin endlich ohne Bedenken unseren Freunden und Verwandten vorstellen dürfen. Wenn es soweit ist, freuen wir uns umso mehr darüber. Natürlich werde ich meiner Tochter in ferner Zukunft auch davon berichten. Hoffentlich wird sie dann sagen: «Ach Papi, langsam ist genug. Diese Corona-Geschichte ist doch schon lange vorbei und überstanden!»

Zur Person: Daniel Schriber (36) ist freischaffender Texter und ehemaliger Redaktor unserer Zeitung. Am 15. März wurde er zum ersten Mal Vater. Er lebt mit seiner Frau Nadine und der kleinen Tochter Elin in der Stadt Luzern.


Sales Wick (33), Linienpilot aus Sarnen

«Als Linienpilot kenne ich grundsätzlich keinen wirklichen Alltag. Ich arbeite auch an Feiertagen, zu unterschiedlichen Tageszeiten und vor jedem Monat erhalte ich einen neuen Einsatzplan. Er führt mich an andere Destinationen und lässt mich mit unterschiedlichen Besatzungen zusammen abheben. Meine abwechslungsreiche Tätigkeit wird durch die momentane Situation mit so etwas wie Alltag ersetzt. Wie die meisten des Fliegenden Personals bin ich derzeit zu Hause und kann meiner Arbeit nicht nachgehen. Naturgemäss sind alternative Arbeitsmodelle wie das «Home Office» in meinem Beruf nicht möglich.

Sales Wick: Der Linienpilot ist aktuell am Boden statt über den Wolken.

Sales Wick: Der Linienpilot ist aktuell am Boden statt über den Wolken.

Bild: PD / Christian Merz

In meiner Tätigkeit als Linienpilot bin ich als Captain auf dem Airbus A220 bei Swiss für die Passagiere, Besatzungen, Fracht und das Flugzeug auf meinen Flügen verantwortlich. Dass ich dabei einen Beitrag leisten darf, die Schweiz mit der Welt zu verbinden und Leute zusammenzubringen ist ein grosses Privileg meines Berufes. Trotz der intensiven Arbeit im Cockpit, gibt es immer wieder Momente, in denen ich die einzigartige Aussicht geniesse und die vorbeiziehende Welt unter mir bestaune.

Da wir die Schweiz mit der Welt verbinden, haben uns die Auswirkungen des Corona-Virus bereits früh getroffen. Aufgrund der drastisch zurückgegangenen Nachfrage nach Flugreisen und die vielen Einreisebeschränkungen musste SWISS in den vergangenen Tagen den Flugbetrieb auf ein Minimum reduzieren. Ich bin froh, dass wir in Einklang mit den jeweiligen Bestimmungen der Länder weiterfliegen. Wir halten mit einem Rumpfflugplan unseren Flugbetrieb aufrecht, um den Menschen, insbesondere Schweizerinnen und Schweizer, so eine Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen. Als Mitarbeiter werde ich täglich über die neusten Entwicklungen informiert und erhalte einen Einblick hinter die Kulissen. Es wurde kommuniziert, dass Swiss mit dem EDA in Gesprächen für mögliche Rückkehrflüge ist und wir dafür jederzeit Besatzungen und Flugzeuge bereithalten. Oder dass wir die Kabine mit besonderen Verfahren reinigen, um so die bestmögliche Hygiene für unsere Passagiere und Besatzungsmitglieder gewährleisten zu können.

Die aktuelle Lage betrifft meine Branche direkt, besonders wenn man bedenkt, dass uns 38% der Touristen per Flugzeug erreichen und gut 40% der Exporte die Schweiz über den Luftweg verlassen. Dabei generiert der Luftverkehr in der Schweiz mit über 190'000 Arbeitsplätzen eine Wertschöpfung von 33.5 Mrd. CHF und damit einen beachtlichen Mehrwert für die Schweizer Gesellschaft, Wirtschaft und den Tourismus.

Die aktuelle Situation ist für uns alle unbekannt und beschäftigt mich ebenso. Umso wichtiger ist es jetzt, dass wir vereint diese Herausforderung bewältigen und uns an die behördlichen Vorgaben halten. Schliesslich wollen wir alle, dass ein normaler Alltag so rasch wie möglich wieder einkehrt.

Wann wird Wick wieder im Cockpit arbeiten?

Wann wird Wick wieder im Cockpit arbeiten?

PD / Christian Merz

Natürlich fehlt mir meine Arbeit über den Wolken. Es ist besonders die Zusammenarbeit mit meinen Besatzungen, die Interaktion mit den Passagieren und die einzigartigen Ausblicke aus dem Cockpit die ich vermisse. Und so freue ich mich schon jetzt, wenn ich hoffentlich bald wieder abheben darf und ich bin sicher, dass ich diese Momente umso mehr schätzen werde.»

Zur Person: Sales Wick ist gebürtiger Obwaldner, 33 Jahre alt und Linienpilot bei SWISS. Er fliegt als Captain auf dem Airbus A220, dem neusten Flugzeugmuster in der Flotte und steuert damit Ziele in Europa und Nordafrika an. Auf seinem Instagram-Profil @sky_trotter teilt er Ein- und Ausblicke in seinen Alltag über den Wolken.


Christian Fürsinger, Inhaber 3Sixty aus Stans

«Ich bin Besitzer des Sportartikel-Ladens 3Sixty in Stans. Ein weiteres Geschäft habe ich in Schwyz. Beide Läden sind derzeit wegen des Corona-Virus geschlossen, der Verkauf an den Standorten ist bis auf Weiteres eingestellt. Wir versuchen, unsere Produkte im Online-Shop zu verkaufen – aber weil derzeit die ganze Wirtschaft Probleme hat, hält sich der Absatz in Grenzen.

Bild: PD

Dennoch verlieren meine vier Mitarbeitenden und ich nicht die Zuversicht. Wir versuchen, uns so gut wie möglich zu arrangieren. Uns ist klar, dass nun jede und jeder gefordert ist. Je besser wir die Massnahmen des Bundes einhalten, desto schneller wird sich die Lage stabilisieren und schliesslich wieder normalisieren.

Derzeit stellt sich bei uns die Frage, was wir mit den frisch gelieferten Produkten machen. Wir waren gerade dabei, auf die Sommerkollektion umzustellen. Die Sportartikel stehen noch frisch verpackt bei uns im Lager. Nun gilt es, eine Lösung mit den Lieferanten zu finden. Hier habe ich gemerkt, dass wir auf sehr viel Verständnis stossen. Vielleicht dürfen wir die Lieferungen zurückschicken, vielleicht erhalten wir einen Zahlungsaufschub – die Lieferanten geben sich kompromissbereit, sind sich natürlich auch über die ausserordentliche Lage bewusst.

Während den letzten Tagen haben wir zudem eine grosse Solidarität unserer Kunden gespürt. Wir haben viele aufmunternde Nachrichten und Zusprüche erhalten, einige haben sogar Gutscheine gekauft. Diese Unterstützung ist sehr schön in diesen schwierigen Zeiten.

Auch wenn die Lage ernst ist: Ich fühle mich privilegiert, in einem Land zu leben, dass in diesen Krisenzeiten Hand bietet. Als der Bundesrat nämlich für die Wirtschaft zusätzlich 32 Milliarden gesprochen hatte, habe auch ich leicht aufgeatmet.»

Zur Person: Christian Fürsinger ist seit sechs Jahren Inhaber des Sportartikel-Ladens 3Sixty in Stans. Neben dem Laden auf dem Stanser Dorfplatz hat Fürsinger zudem eine Filiale in Schwyz.

Aufgezeichnet von Pascal Studer


Remo Krummenacher (38), Rektor der Schule Sachseln

«Das Corona-Virus betrifft mich eigentlich auf drei Ebenen: In meiner beruflichen Tätigkeit als Rektor der Schule Sachseln, in meiner Funktion als Stellvertretender Stabschef des Führungstabes der Gemeinde Sarnen und als dreifacher Familienvater. Als Rektor galt mein Hauptfokus zunächst dem Aufgleisen der sogenannten ersten Phase: Wir mussten den Unterrichtsstil umkrempeln und Informationskanäle aufbauen, damit die Lehrpersonen mit ihren Schülerinnen und Schülern kommunizieren können. Neue Lernziele müssen vorerst warten. Allerdings müssen wir langfristig denken und für eine zweite Phase Online-Plattformen einrichten und den Schülern Unterrichtsmaterial bereitstellen. Mich freut besonders, wie engagiert, kreativ und offen die Lehrpersonen an die Arbeit gehen. Aber auch die Schüler und Eltern sind sehr motiviert. Das erleichtert die Arbeit enorm.

Bild: PD

Weil der Chef des Führungsstabes der Gemeinde Sarnen altersbedingt ebenfalls zur Risikogruppe gehört, habe ich dessen Leitung übernommen. Wir möchten eine Anlaufstelle einrichten für Leute, die sich nicht selber versorgen können oder wollen. Die Situation ist sehr anspruchsvoll – auch für unsere Kinder. Ich bin immer erreichbar. Die Kinder wissen, dass ich weg muss, sobald das Telefon klingelt, auch wenn wir ein Brettspiel spielen.

Meine Frau und ich versuchen aber der ganzen Situation einen Rahmen von Normalität zu geben. Unser Betreuungsnetz ist weggefallen, weswegen wir uns gut koordinieren müssen. Mittlerweile geht es schon besser. Für die Kinder ist die ganze Situation aber noch nicht ganz fassbar. Sie geniessen die Zeit ohne Termine, ohne Schule oder Training. Nun müssen wir aber Strukturen aufbauen, damit unser Alltag einen geregelten Ablauf erhält.

Das klingt jetzt nach einer sehr grossen Belastung, aber ich bekomme genug Schlaf. Ich bin im Krisenmodus. Die Prognosen bereiten mir zugegebenermassen ein wenig Bauchweh, aber die grosse Solidarität und Bereitschaft der Bevölkerung motivieren mich enorm. Ich weiss: Wir müssen für das dankbar sein, was wir haben. Anderen Menschen geht es viel schlechter.»

Zur Person: Remo Krummenacher (38) ist Rektor der Schule Sachseln und Stv. Stabschef des Führungsstabes der Gemeinde Sarnen. Er hat ausserdem drei Kinder im Alter von 8, 10 und 12 Jahren und wohnt in Wilen bei Sarnen.

Aufgezeichnet von Jonas von Flüe


Lea Mathis (29), Musikerin und Musiklehrerin aus Luzern

Bild: PD

«Zurzeit steht die Welt Kopf. Deshalb kann ich mich momentan noch nicht wirklich auf das Musizieren konzentrieren. Wenn ich mich in der neuen Situation etwas mehr zurecht gefunden habe, möchte ich die Möglichkeit aber erst recht nutzen, um kreativ zu sein. Dies gilt vor allem für meine Band Little Fellow. Mein Bandkollege und ich mussten wie so viele andere die nächsten Konzerte absagen. Unser Album will ich gerade aber niemandem aufdrängen. In der Corona-Pandemie geht es um die öffentliche Gesundheit und das Leben der infizierten Patienten. Ich bin aber froh, hat der Bund nun für die Kunstschaffenden einen Betrag gesprochen – das ist richtig und wichtig.

Trotzdem will ich vermeiden, dass meine Schülerinnen und Schüler musikalisch stehen bleiben. Sie sollen weiter die Möglichkeit haben, Lieder zu schreiben, ihre Stimme weiterzuentwickeln – denn in der Langeweile liegt häufig eine grosse Quelle der Inspiration. Ich will sie dazu ermutigen, experimentell zu sein, vielleicht auch einmal etwas Unkonventionelles auszuprobieren, mit Alltagsgegenständen wie Gläser oder Bücher zu musizieren. Sie sollen singen, komponieren – einfach musikalisch sein.

Daher habe ich den Online-Kommunikationsdienst Zoom eingerichtet. So kann ich auch in diesen Zeiten Kontakt mit meinen Schülerinnen und Schülern halten und ihnen helfen, sich musikalisch weiterzuentwickeln. Ich hatte diese Woche mit allen zwölf Kontakt. Auch wenn sie etwas nachdenklich sind, habe ich sie trotzdem als aufgestellt und motiviert empfunden. Mit den Unterrichtslektionen starten wir sofort – es ist nämlich auch für die Kinder und Jugendliche wichtig, sich zu beschäftigen. Und wer weiss: Vielleicht stellen wir am Schluss noch ein Zoom-Konzert auf die Beine.»

Zur Person: Lea Mathis ist eine 29-jährige Musikerin und Musiklehrerin aus Luzern. Sie hat an der Hochschule Luzern Jazzgesang im Bachelor und Vokalpädagogik Jazz im Master studiert. Neben ihrem fixen Pensum an der Musikschule in Horgen ist sie selbständig als Lehrerin tätig. Sie ist Mitglied des Duos «Little Fellow».

Aufgezeichnet von Pascal Studer


Nicolas Bieri (23), Student und Praktikant Sozialpädagogik aus Luzern

Bild: PD

«Ich arbeite 80 Prozent im Kinderheim Compass Hubelmatt als Praktikant. Dort betreue und begleite ich zusammen mit meinen vier Mitarbeitenden Kinder und Jugendliche, welche sich in einer schwierigen familiären Phase befinden. Neben meinem Praktikum studiere ich Soziale Arbeit an der Hochschule Luzern.

Auch bei uns ist das Corona-Virus natürlich ein Thema. Einerseits sind wir daran gehalten, die Hygienevorschriften des Bundesamts für Gesundheit einzuhalten. Andererseits ist es in der derzeitigen Situation aber vor allem wichtig, dass wir unseren Kinder und Jugendlichen helfen, eine neue Struktur in den Alltag zu bringen. Hier spielt vor allem hinein, dass die Schulen seit Montag geschlossen sind. Dies hat einen Einfluss auf unsere Arbeit. Weil das Schulsystem gerade vor einer grossen Herausforderung steht, fasse ich es auch als unseren Auftrag auf, die Kinder und Jugendliche zu beschulen. Sie sind zwischen sechs und dreizehn Jahre alt, die Schulbildung entsprechend unterschiedlich. Wir spüren diese neue Verantwortung – wie alle anderen auch. Doch Solidarität zu zeigen, erachte ich derzeit als sehr wichtig.

Die Schulen haben uns sehr gut und vor allem rasch informiert. Die Abläufe waren sofort klar, einen Auftragsplan haben wir bereits am Mittwoch erhalten. Damit wir aber so schnell wie möglich in den Normalzustand zurückkehren können, ist es nun wichtig, dass wir die Vorschriften des Bundes einhalten. Damit helfen wir auch den Kindern und Jugendlichen, die bei uns im Compass Hubelmatt sind – denn ihnen ist der Ernst der Lage bewusst.»

Zur Person: Nicolas Bieri ist ein 23-jähriger Student an der Hochschule Luzern. Derzeit absolviert er ein Praktikum im Compass Hubelmatt.

Aufgezeichnet von Pascal Studer