Zentralschweizer Exportfirmen leiden besonders stark unter der Coronakrise

Eine aktuelle Auswertung der IHZ zeigt: Die Coronakrise setzt Zentralschweizer Betrieben weiterhin deutlich zu.

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(cg) Um die Auswirkungen der Coronakrise auf die Zentralschweizer Wirtschaft besser einschätzen zu können, wertet die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ) Umfragen zur aktuellen wirtschaftlichen Situation in der Schweiz in Bezug auf Zentralschweizer Unternehmen aus. Bei den zwei jüngsten Umfragen haben rund hundert Unternehmen aus der Region mitgemacht. Per Ende September haben von diesen nun nur noch 21 Prozent eine wirtschaftliche Negativentwicklung gemeldet. In der letzten Umfrage waren es noch 43 Prozent gewesen. Für 63 Prozent aller befragten Unternehmen der Region hat der Geschäftsbetrieb aber noch nicht zur gewohnten Normalität zurückgefunden.

Die Verbesserungen wurden zudem hauptsächlich von binnenorientierten Unternehmen gemeldet. «Die Situation für exportorientierte Branchen bleibt angespannt», schreibt die IHZ. 81 Prozent würden bezüglich der Absatzmöglichkeiten im Ausland Schwierigkeiten melden, was einem um 3 Prozent höheren Wert als in der letzten Umfrage entspreche. Die Anzahl Exportunternehmen, welche aktuell eine kritische Liquiditätssituation aufweisen, hat sich von 11 Prozent auf 24 Prozent mehr als verdoppelt. Zudem ist dieser Wert doppelt so hoch als in den restlichen Branchen. Was die nahe Zukunft betrifft, schreibt die IHZ, seien drei Hauptproblemfelder zu erkennen. Erstens spitze sich die Liquiditätssituation der Unternehmen weiter zu. Sind es heute im Durchschnitt 12 Prozent aller der Unternehmen, welche Probleme melden, dürfe man davon ausgehen, dass in zwei Monaten rund jedes vierte Unternehmen Liquiditätsengpässe ausweisen wird. Zweitens seien die Absatzschwierigkeiten im Ausland für Unternehmen der Exportbranche weiterhin markant. 81 Prozent vermelden zurzeit Absatzprobleme im Ausland, 76 Prozent erwarten auch bis in zwei Monaten grosse Herausforderungen.

18 Prozent der Unternehmen erwarten einen Stellenabbau

47 Prozent der Unternehmen melden, dass sie in zwei Monaten von einem zu hohen Personalbestand ausgehen. 18 Prozent erwarten gar einen Stellenabbau. Interessant ist diesbezüglich auch der Blick auf die Angestellten, die derzeit in Kurzarbeit sind: Im Durchschnitt rechnen 33 Prozent der teilnehmenden Unternehmen damit, dass jene Arbeitnehmenden wieder ordentlich beschäftigt werden können. In der Exportbranche sind es 38 Prozent. Für das Ende des Jahres 2021 gehen in der Zentralschweiz im Durchschnitt jedoch 35 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, dass lediglich 50 Prozent oder weniger der Mitarbeiter in Kurzarbeit wieder ordentlich angestellt sein werden. Hinsichtlich der zu erwartenden Entlassungen zeigt sich folgendes Bild: 48 Prozent erwarten bis Ende 2020 keine Entlassungen von aktuell in Kurzarbeit stehenden Mitarbeitenden. Bis Ende 2021 sind es 43 Prozent. Rund 40 Prozent der Unternehmen haben zu diesem Thema keine Stellung bezogen.

Nicht mehr thematisiert in der aktuellen Umfrage werden die aktuellen und zu erwartenden Umsatzeinbussen. Denn mit dem nahenden Jahresende stand vielmehr die erwartete Gesamtumsatz-Veränderung im Vergleich zum Vorjahr 2019 im Fokus. Die Ergebnisse zeigen: Die Umsatzeinbussen der Zentralschweizer Unternehmen sind markant. Im Durchschnitt liegt der Gesamtumsatz-Rückgang bei 23 Prozent. Es gilt jedoch die grosse Spannweite der Antworten zu berücksichtigen. Denn einzelne Unternehmen meldeten sogar einen kompletten Umsatzverlust.