Zentralschweizer Kantone weibeln für Berufsmatura

Die Berufsmaturität war in der Zentralschweiz schon beliebter. In einzelnen Kantonen stagniert die Anzahl Abgänger, in Luzern liegt sie unter dem Schweizer Durchschnitt. Eine Charmeoffensive soll das ändern.

Simon Mathis
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Büffeln für die Hochschule: Berufsmaturanden steht nach erfolgreichem Abschluss die Tür für eine höhere Weiterbildung offen. (Archivbild: Pius Amrein/Luzerner Zeitung)

Büffeln für die Hochschule: Berufsmaturanden steht nach erfolgreichem Abschluss die Tür für eine höhere Weiterbildung offen. (Archivbild: Pius Amrein/Luzerner Zeitung)

Die Bildungsdirektoren-Konferenz der Zentralschweiz (BKZ) will den Bildungsweg der Berufsmaturität sichtbarer machen. Zu diesem Zweck hat sie eine Informationsoffensive gestartet – sie soll die Berufsmatura bei Jugendlichen, Eltern und Lehrbetrieben bewerben. Zielgruppe der Kampagne seien insbesondere Lehrpersonen und Eltern, die sich im Berufswahlverfahren befinden, teilt die BKZ mit. Die Kampagne ist Teil einer schweizweiten Initiative, lanciert vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI).

«In einigen Zentralschweizer Kantonen steigt die Quote der gymnasialen Matura ständig», sagt Michael Stähli (CVP), Präsident der BKZ und Schwyzer Bildungsdirektor. «Die Zahlen bei der Berufsmatura gehen dagegen zurück.» Die Informationskampagne soll da Abhilfe schaffen. «Sie ist nötig, um die Berufsmaturität noch stärker bekannt zu machen», so Stähli. Allerdings wolle man mit der Kampagne nicht einzelne Angebote gegeneinander ausspielen. «Für viele Jugendliche ist auch die Lehre oder die Matura genau das Richtige.»

Gegen Fachkräftemangel

Das Problem: Vielen Lernenden und Eltern sei nicht klar, dass ein späteres Studium auch über den Weg der Berufsbildung mit integrierter Berufsmaturität möglich ist. Das sei vor allem bei Eltern aus anderen Ländern und insbesondere bei Expats der Fall. «Die Berufsmaturität hat sowohl für die Stärkung der Berufsbildung als auch zur Deckung des Fachkräftemangels einen hohen Stellenwert», sagt Stähli.

Denn: «Die Berufsmatura ist der ideale Zugangsweg zu den Fachhochschulen.» Gerade in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) sei es wichtig, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Dabei soll die Kampagne mithelfen.

Zu wenige Berufsmaturanden im Kanton Luzern

Die Zahl derer, die im Kanton Luzern die Berufsmatura absolvieren, steigt zwar stetig (wir berichteten am 11. September 2018). Im September schlossen 717 Personen diesen Bildungsweg ab. Trotzdem: Laut Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, sind das noch zu wenig.

«Es braucht noch mehr Leute, die die Berufsmatura absolvieren», sagte Spöring im September gegenüber unserer Zeitung. «Im Durchschnitt haben wir in Luzern nach wie vor weniger Berufsmaturanden als in der Restschweiz. Es braucht tertiär Gebildete, die das Arbeitsleben durch die Lehre kennen – und dann weiter studieren.»

Charmeoffensive an der Zebi

An der Bildungsmesse Zebi, die vom 8. bis 11. November 2018 in der Messe Luzern stattfindet, soll die Berufsmatura präsenter werden: Die BKZ organisiert dort einen so genannten «BM-Parcours», bei dem Absolventen der Berufsmatura sowie Berufsbildner Rede und Antwort zum Thema stehen.

Im November will die BKZ auch Plakate aufhängen und Flyer in Umlauf bringen: Sie sollen an die Zentralschweizer Lehrbetriebe, Berufsverbände, Berufsinformationszentren, Sekundar- und Berufsfachschulen verteilt werden. Ein Podiumsgespräch an der Zebi soll die Charmeoffensive abrunden.

Türöffner für Weiterbildung an Hochschulen

Nach Abschluss der Berufsmatura ist ein nahtloser Übergang ins Berufsleben möglich, aber auch ein Studium an einer Fachhochschule. Mit einer Ergänzungsprüfung öffnen sich auch die Türen bei einer Universität oder ETH. Informationen zur Berufsmaturität finden sich auf dem Webportal www.berufsmaturitaet.ch, das der Bund diesen Sommer lanciert hat.