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ZENTRUM: Kriens soll «Strasse für alle» erhalten

Keine Zebrastreifen mehr – stattdessen sollen sich Fussgänger, Autos und Velos auf der Luzernerstrasse den Platz teilen. In der Sache hat allerdings der Kanton das letzte Wort.
Robert Knobel
Diesen Abschnitt der Luzernerstrasse in Kriens will der Gemeinderat in eine Flaniermeile umgestalten. Hier finden zurzeit Bauarbeiten im Rahmen des Zentrumsprojekts statt. (Bild Dominik Wunderli)

Diesen Abschnitt der Luzernerstrasse in Kriens will der Gemeinderat in eine Flaniermeile umgestalten. Hier finden zurzeit Bauarbeiten im Rahmen des Zentrumsprojekts statt. (Bild Dominik Wunderli)

Robert Knobel

Im Krienser Zentrum bleibt zurzeit kein Stein auf dem anderen. Durch die markanten Neubauten wird das Gebiet zwischen Bellpark und Linde-Pilatus ein völlig neues Gesicht erhalten. Eigentlich war vorgesehen, auch die Luzernerstrasse in diese Umgestaltung einzubeziehen. Die Hauptstrasse, auf der täglich Tausende Autos und Busse unterwegs sind, sollte ihren trennenden Charakter verlieren und neu eine verbindende Funktion für die Ortsteile beidseits der Strasse erhalten.

Der Plan ist folgender: Auf der Seite Bellpark entsteht ein breiter Fussweg, der von einer Baumallee gesäumt ist. In der Mitte der Luzernerstrasse befindet sich ein etwa drei Meter breiter Mittelstreifen, der die beiden Fahrbahnen trennt. Dabei handelt es sich um einen sogenannten «Mehrzweckstreifen». Dieser dient einerseits dazu, dass Fussgänger nicht zwei Fahrspuren auf einmal überqueren müssen. Andererseits können Autos über diesen Streifen ausweichen, wenn es beispielsweise auf der Fahrbahn ein Hindernis zu umfahren gilt.

Man kann überall über die Strasse

Gemäss dem Krienser Gemeindepräsident Cyrill Wiget (Grüne) geht es darum, auf der Luzernerstrasse das «Miteinander der verschiedenen Verkehrsteilnehmer zu fördern». Das bedeutet: Fussgänger sollen dank des Mittelstreifens überall die Strasse überqueren können – Fussgängerstreifen würden überflüssig. Das geht allerdings nur, wenn der Verkehr nicht zu schnell unterwegs ist. Als Beispiel dient das Dorfzentrum in Horw, wo sich Durchgangsverkehr, Velofahrer und Fussgänger denselben Raum teilen. Im Krienser Zentrum soll also eine Art Begegnungszone entstehen – und dies mitten auf der Hauptverkehrsachse. Geht das überhaupt?

Temposenkung nicht nötig

Klar ist, dass der Kanton eine Tempo-30- oder gar Tempo-20-Zone auf der Luzernerstrasse kaum bewilligen würde. Doch gemäss Cyrill Wiget braucht es nicht zwingend eine Senkung des Tempolimits. «Wenn die Strasse so umgestaltet wird, dass sie siedlungs- statt verkehrsorientiert daher kommt, fahren die Autos automatisch langsamer.» Das gilt allerdings auch für die Busse. Sie müssten sich in diesen verlangsamten Strom von Autos, Fussgängern und Velofahrern einfügen. Ist dies nicht ein Widerspruch zur immer wieder betonten Absicht, den Busverkehr zu beschleunigen? Wäre es nicht sinnvoller, den bestehenden Platz auf der Luzernerstrasse für eine separate Busspur zu nutzen? Nein, sagt Cyrill Wiget. «Im Zentrum muss es in erster Linie für Fussgänger attraktiver werden, die Strasse zu überqueren.» Separate Busspuren, Velowege und andere Beschleunigungsmassnahmen würden nur ausserhalb des Dorfzentrums Sinn machen.

Bleibt allerdings die Frage, ob ein verkehrsberuhigtes Krienser Zentrum nicht zum Nadelöhr würde – und sich der Stau noch verschlimmert. Auch ein solches Szenario befürchtet Cyrill Wiget nicht. Im Gegenteil. «Die heutigen Fussgängerstreifen und Rotlichter haben eine enorm blockierende Wirkung. Die Autos müssen ständig anhalten.»

Verkehrsfluss fördern

Tatsächlich gibt es heute zwischen Bellpark und Busschleife nicht weniger als sieben Fussgängerstreifen und mehrere Ampeln. Das Ziel einer Umgestaltung sei deshalb, dass der Verkehr besser fliessen kann – langsam zwar, aber konstant. Die Strassenkapazität, glaubt Cyrill Wiget, werde dadurch nicht sinken. Dafür werde die Lebensqualität im Zentrum deutlich steigen.

Wiget verweist dabei auf Köniz, eine Vorzeigegemeinde in Sachen Verkehrsberuhigung. Dort wurde eine stark befahrene Durchgangsstrasse im Dorfzentrum zu einer Art Begegnungszone ­umgestaltet. Das grosse Verkehrsaufkommen ist zwar geblieben, doch nun teilen sich die Autos den Platz mit Velos und Fussgängern. In Köniz habe man beobachtet, dass seit der Umgestaltung viel mehr Fussgänger die Strasse überqueren. «Es ist einfacher geworden, rasch die Strassenseite zu wechseln. Damit wird das Zentrum belebt, es wird auch mehr eingekauft», sagt Cyrill Wiget.

Es braucht ein Verkehrskonzept

Die Umgestaltung der Luzernerstrasse mit Mittelstreifen ist schon seit Jahren im Richtplan Zentrum Kriens enthalten, der vom Kanton abgesegnet wurde. Doch bisher wurde das Projekt nicht umgesetzt. Im kantonalen Strassenbauprogramm sind dafür 4 Millionen Franken reserviert, das Projekt liegt aber im Topf B – ist also nicht prioritär. «Von Seiten Kanton haben dazu noch keine Projektierungsarbeiten stattgefunden», sagt Daniel Ender, Projektleiter bei der kantonalen Abteilung Verkehr und Infrastruktur (VIF). Über das weitere Vorgehen werde erst entschieden, wenn das Krienser Gesamtverkehrskonzept (GVK) vorliege. Schneller geht es hingegen auf der Kantonsstrasse vor und nach dem Krienser Zentrum. So wird beim Kupferhammer demnächst eine Busspur gebaut, und auf der Obernauerstrasse sind Dosierungsampeln geplant, damit der Bus schneller vorankommt.

Auch von Seiten der Gemeinde Kriens hatte das Projekt bisher nicht erste Priorität. Zuerst müsse das GVK unter Dach und Fach sein, bevor man Änderungen an einem derart wichtigen Ort vornehme, sagt auch Cyrill Wiget. Das GVK soll in einigen Monaten vorliegen. Spätestens dann will man in Kriens in Sachen Luzernerstrasse aber vorwärtsmachen. Anfang September findet eine Sitzung zwischen Gemeinde und Kanton zum Thema Neugestaltung der Luzernerstrasse statt.

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