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Zentrumsprojekt: Kriens verschätzt sich um Millionen

Weil die Neuüberbauung im Krienser Zentrum teurer wird als erwartet, muss das Parlament einen Zusatzkredit bewilligen. Der Gemeinderat räumt ein, dass man von unrealistischen Zahlen ausgegangen war.
Robert Knobel
Das Zentrum Pilatus in Kriens setzt neue Massstäbe – auch bei den Kosten. (Bild: Nadia Schärli, 16. Februar 2018)

Das Zentrum Pilatus in Kriens setzt neue Massstäbe – auch bei den Kosten. (Bild: Nadia Schärli, 16. Februar 2018)

Wer derzeit im Krienser Zentrum unterwegs ist, sieht Erfreuliches: Die Totalerneuerung des Ortskerns ist auf Kurs. Das Kulturzentrum Schappe ist bereits in Betrieb, und auch das «Herzstück» des Zentrumsprojekts, das Zentrum Pilatus, nimmt immer deutlichere Formen an.

Weniger erfreulich sieht hingegen die finanzielle Situation des Jahrhundertprojekts aus. Der Baukredit von rund 61,4 Millionen Franken, der 2014 vom Volk genehmigt wurde, reicht nicht aus. Dies teilt der Gemeinderat mit. Deshalb habe er diverse Zusatzkredite mit einer Gesamtsumme von 1,13 Millionen Franken bewilligt. Doch auch dieser Zustupf reicht noch nicht, um die Baukosten zu bezahlen. Deshalb braucht es einen weiteren Zusatzkredit in der Höhe von 3,55 Millionen Franken (siehe Tabelle). Da dieser Betrag die Kompetenz des Gemeinderats sprengt, muss das Parlament seinen Segen dazu geben. Im Bericht und Antrag an den Einwohnerrat erklärt der Gemeinderat ausführlich, wie es zur Kostenüberschreitung kam.

Kosten Zentrumsprojekt

Baukredit von 2013 61,37 Mio.
Zusatzkredit bewilligt +1,13 Mio.
Neuer Zusatzkredit beantragt +3,55 Mio.

Quelle: Gemeinde Kriens

Schwierigkeiten beim Schappe-Bau

Verantwortlich für die Mehrkosten sind in erster Linie die beiden Teilprojekte Schappe und Zentrum Pilatus. Die Umnutzung des früheren Feuerwehrlokals zum neuen Kulturzentrum Schappe war viel schwieriger als gedacht. So machte die schlechte Bausubstanz zusätzliche, kostenintensive Eingriffe nötig. Auch bei der Ausstattung kam es zu ungeplanten Kosten. So musste etwa die Schalldämmung verbessert werden, um mehrere Anlässe gleichzeitig zu ermöglichen. Zudem wurde das Gebäude auf Minergie-Standard aufgerüstet und ein Treppenlift eingebaut.

Auch beim Zentrum Pilatus sind die Ausbaukosten viel höher als budgetiert. Grund: Die Gemeindeverwaltung, die 2019 dort einzieht, braucht deutlich mehr Platz. Dies einerseits, weil die Gemeinde mehr Personal beschäftigt – die Zahl der Arbeitsplätze ist seit 2016 von 143 auf 152 gestiegen, und ein weiterer Anstieg absehbar. Andererseits benötigt der Publikumsbereich der Einwohnerdienste mehr Platz als angenommen. Da kommt es der Gemeinde gelegen, dass der Polizeiposten nicht wie ursprünglich geplant im Zentrum Pilatus eingemietet wird. Doch durch diese 700 zusätzlichen Quadratmeter erhöhen sich die Kosten für die Gemeinde. Weitere 27 Quadratmeter sollen zudem im 4. OG zugemietet werden.

Nun stellt sich die Frage nach den Gründen dieser Diskrepanz zwischen Budget und tatsächlichen Kosten. Wurden die Bauten mit einem höheren Ausbaustandard nachträglich vergoldet? Oder wurde bei der Planung mit unrealistischen Zahlen operiert, um das Projekt an der Urne nicht zu gefährden? Zumal man denken müsste, dass Schallschutzmassnahmen oder die Grösse der Büros verlässlich planbar sind. Tatsächlich lässt der Gemeinderat durchblicken, dass die Kostenplanung nicht optimal war. «Das Projekt konnte unter dem damals auferlegten Spardruck letztendlich nicht standhalten», schreibt er in der Botschaft ans Parlament. Das Kulturzentrum Schappe bezeichnet er gar als «kostenminimiertes Low-Cost-Projekt», bei dem schnell klar geworden sei, dass es technisch und betrieblich an Grenzen stiesse.

Ein Glück, ist ein anderes Projekt günstiger als geplant

Deutliche Worte wählt auch die Zentrumskommission, welche das Projekt begleitet und überwacht. «In wenigen Fällen hat sich im Nachhinein herausgestellt, dass der Kostendruck zu einem Budget-Fehlentscheid geführt hatte, der dann in der Bauphase korrigiert werden musste.» Der Gemeinderat räumt generell ein, dass die Detailplanung zum Zeitpunkt der Volksabstimmung noch zu wenig ausgereift war, um die Kosten präzise zu berechnen. Gleichzeitig betont er, dass sich die Mehrkosten alle «begründen und rechtfertigen» lassen.

Die 4,7 Millionen Franken Mehrkosten werden die Gemeindekasse noch länger belasten. Denn durch die höheren Baukosten erhöhen sich auch die Folgekosten (u.a. Zinsen und Wegfall der Mieteinnahmen des Polizeipostens). Gemäss Gemeinderat betragen die zusätzlichen Folgekosten 336000 Franken pro Jahr. Da kann Kriens von Glück reden, dass wenigstens der Bau des neuen Werkhofs Eichenspes deutlich billiger zu stehen kam als budgetiert. Die Abweichung nach unten beträgt 2 Millionen Franken.

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