Zersiedelung
Brisante Gemeindeversammlung: Entlebucher entscheiden über die Rückzonungen

Die Luzerner Gemeinde Entlebuch muss rund 5,8 Hektaren Bauland rückzonen. Nächstens befindet die Gemeindeversammlung darüber. Definitiv entschieden wird an der Urne.

Reto Bieri
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Im Kanton Luzern müssen 21 Gemeinden insgesamt 67 Hektaren überdimensionierte Baulandreserven zu Landwirtschaftsland rückzonen. Damit soll der Zersiedelung Einhalt geboten werden. Eine stark betroffene Gemeinde im Kanton Luzern ist Entlebuch. Die Überkapazität beträgt dort rund 5,8 Hektaren, 46 Grundstücke sind betroffen.

Die Gemeinde Entlebuch muss knapp 6 Hektaren Bauland rückzonen.

Die Gemeinde Entlebuch muss knapp 6 Hektaren Bauland rückzonen.

Bild: Pius Amrein (Entlebuch, 31. Juli 2020)

Der Prozess ist mittlerweile weit fortgeschritten. Die Gemeindeversammlung stimmt am 14. September über die Rückzonungen ab, konkret über die betroffenen Zonenpläne sowie die unerledigten Einsprachen. Danach erfolgt noch eine Schlussabstimmung voraussichtlich am 28. November. Diese ist nötig, weil laut Gemeindeordnung über Sachgeschäfte von grosser Tragweite an der Urne abgestimmt werden muss.

Öffentlich aufgelegen sind die Rückzonungen Anfang Jahr in einer Teilrevision der Ortsplanung. 17 Einsprachen gingen ein. Davon wurden fünf nach den Einspracheverhandlungen zurückgezogen. Bei vier weiteren hat man laut Abstimmungsbotschaft eine einvernehmliche Lösung mit geringfügigen Änderungen gefunden, sie wurden von den Antragstellern zurückgezogen. Über die verbleibenden acht Einsprachen muss die Gemeindeversammlung beschliessen.

Gfellen und Entlebuch am stärksten betroffen

Sieben empfiehlt die Gemeinde zur Ablehnung. Eine hingegen heisst sie gut, weil es sich um einen Härtefall handelt. Grund: Dem Verkäufer und dem Käufer der entsprechenden Parzelle – beide wohnen nicht im Kanton Luzern – sei zum Zeitpunkt der Handänderung 2018 nicht bewusst gewesen, dass Entlebuch eine Rückzonungsgemeinde ist.

Am stärksten von den Rückzonungen betroffen sind der Ortsteil Gfellen sowie das Dorf Entlebuch. So wird in Gfellen eine rund 10'000 Quadratmeter grosse Fläche rückgezont, das sind fast eineinhalb Fussballfelder. 17 Ferienhäuser wollte ein Surseer Unternehmer dort realisieren (wir berichteten). Doch der Kanton hat den 2018 eingereichten Gestaltungsplan sistiert. Die Initianten der Ferienhaussiedlung haben diesen Entscheid offensichtlich akzeptiert, denn sie haben im Frühling keine Einsprache eingereicht. Ebenfalls verzichtet haben die Besitzer einer weiteren grossen, rund 8000 Quadratmeter grossen Fläche beim Schlössli im Dorf Entlebuch.

Neue Arbeitsplätze sind möglich

In Zusammenarbeit mit dem Kanton habe man erreicht, dass die Rückzonungsfläche minim reduziert und Umzonungen berücksichtigt wurden, sagt Gemeindepräsidentin Vreni Schmidlin-Brun (FDP) auf Anfrage. Eine Fläche im Gebiet Lehn bleibe eingezont. «Der Kanton wollte sie aus der gemischten Wohn- und Arbeitszone in die Landwirtschaftszone rückzonen. Wir konnten darlegen, dass Entlebuch fast keine Arbeitszonen mehr hat und haben erreicht, dass die Parzellen als Arbeitszone mit kleinem Wohnanteil erhalten bleiben. Dort können nun neue Arbeitsplätze entstehen.»

An der Gemeindeversammlung werde die Stimmung wohl angespannt sein, sagt Schmidlin weiter. «Es sind sehr viele Grundstücke betroffen und wir müssen zudem über acht Einsprachen entscheiden.» Die Pfarrkirche habe man nicht wegen des erwarteten grossen Andrangs als Veranstaltungsort ausgewählt, sondern um die Coronavorgaben einhalten zu können, sagt Schmidlin weiter.

Früher wurde zu viel Land eingezont

Auch wenn allenfalls die Wogen hochgehen: «Der Gemeinderat hofft sehr, dass die Mehrheit einsieht, dass Entlebuch die Rückzonungen vornehmen muss», sagt Vreni Schmidlin. Sie hofft, «dass das Gesamtpaket angenommen wird, damit wir diese Geschichte abschliessen können.»

Doch warum gibt es in Entlebuch zu viele Baulandreserven? «Die Gemeinde hat früher zu viel eingezont», sagt Schmidlin. Hinzu komme, dass in den letzten zwei Jahrzehnten fast keine Bautätigkeit stattgefunden habe. Schmidlin:

«Hätte man früher mehr gebaut, sähe unsere Situation heute anders aus.»

Immerhin, die Nachfrage nach neuem Wohnraum sei in Entlebuch derzeit gross. Neu erstellte Wohnungen konnten laut Schmidlin rasch besetzt werden. Auch finde bei den Einfamilienhausbesitzenden ein Generationenwechsel statt. «Junge Entlebucherinnen und Entlebucher können durch die guten Verkehrsanschlüsse hier wohnen bleiben und müssen nicht abwandern.»

Hinweis: Die Gemeindeversammlung findet am 14. September, 20 Uhr, in der Pfarrkirche St. Martin in Entlebuch statt.

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