Bezirksgericht Willisau: Zerstörte das Hochwasser oder der Bauer den Biberdamm?

Ein Bauer soll Biberdämme entfernt haben. Er bestreitet dies. Die Anklage fusse lediglich auf Indizien und Traktorspuren.

Roger Rüegger
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Das Werk eines Bibers.

Das Werk eines Bibers.

Bild: Maria Schmid

Der Biber ist ein Sympathieträger. Der Verhandlung am Bezirksgericht Willisau wohnten am Mittwochnachmittag fünf Medienvertreter sowie eine Handvoll weitere Personen bei.

Dabei ging es nicht um den Staatsfeind Nummer eins, sondern um einen Bauern, der auf seinem Land Biberdämme zerstört haben soll. Der verheiratete Mann (56) hat der Richterin geschildert, wie er sich fühlt. «Gesundheitlich geht es gut, aber heute nicht besonders, weil ich antraben muss und für etwas beschuldigt werde, das ich nicht getan habe. Das geht nicht spurlos an mir vorbei.»

Laut Strafbefehl der Staatsanwaltschaft hat er «zwischen 30. Oktober und 6. Dezember 2018 mutmasslich aufgrund festgestellter Traktorspuren an der Rot und am Mühlebach eventualvorsätzlich Biberdämme zerstört, indem er Äste entfernte». Die Richterin fragte den Bauern, ob er wisse, wie ein Biberdamm aussehe. Dieser antwortete erstaunt: «Glaub schon. Ich beobachtete ja vom Hof aus, wie der Damm gebrochen ist, weil die Rot durch den starken Regen grosse Mengen Wasser mitführte. Am anderen Morgen war das Wasser weg, eben weil der Damm gebrochen war.» Er habe dies an Dienststellen im Kanton Luzern und im Kanton Bern telefonisch gemeldet. Der Berner habe gesagt, er solle sich melden, wenn es ein Problem gebe. «Dabei meldete ich doch, dass der Damm gebrochen ist!»

Fast sicher, dass Menschen den Damm zerstörten

Dass er beschuldigt wird, die Dämme zerstört zu haben, befremdet ihn. «Ich habe beim Gewässer Weidezäune für die Rinder erstellt. Dann transportierte ich mit dem Traktor das Getränkefass, deshalb die Spuren.»

Dies ist insofern relevant, als die Anklage auf Aussagen eines Biologen basieren, der den zerstörten Biberdamm zufällig entdeckte und Traktorspuren am Ufer bemerkte. Der Mann wurde an der Verhandlung ebenfalls befragt. «Für mich ist fast sicher, dass der Damm durch Menschen mit Maschinen zerstört wurde. Ich sah über 100 Dämme, die durch Hochwasser zerstört wurden, und ebenso viele, die mutwillig beschädigt wurden.»

In der Anklage steht weiter: «An der Rot zerstörte der Beschuldigte einen grossen Biberdamm und im Mühlebach mehrere kleinere.» Der Bauer betonte, dass es am Mühlebach damals gar keine Dämme gegeben habe. Zudem habe er an einem Programm mitgewirkt, das die Aussiedlung der Biber fördert. Er habe keinen Grund, gegen die Tiere vorzugehen und ihre Dämme zu entfernen.

Die Staatsanwaltschaft beantragt eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 190 Franken; zudem eine Busse von 1600 Franken. Der Verteidiger betonte, die Anklage fusse nur auf Indizien. Der Zeuge habe nichts gesehen, er interpretiere aufgrund von Traktorspuren und zerstörten Dämmen. Seinem Mandanten könne nichts strafrechtlich Relevantes zur Last gelegt werden. Er sei gemäss dem Grundsatz «in dubio pro reo» freizusprechen. Der Beschuldigte: «Ich habe nichts getan, mehr gibt es nicht zu sagen.»