Zertifikatspflicht
Luzern: Ungeimpfte Studierende haben nun ein Problem

Präsenzunterricht wird für all jene Studierenden schwierig, die sich bisher nicht impfen liessen – oder wahlweise sehr teuer.

Christian Peter Meier
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Das Departement Design & Kunst der Hochschule Luzern in Emmenbrücke: Hier gilt Zertifikatspflicht.

Das Departement Design & Kunst der Hochschule Luzern in Emmenbrücke: Hier gilt Zertifikatspflicht.

Pius Amrein (28. Juni 2016)

Wenn am nächsten Montag für die Studierenden in Luzern das Wintersemester beginnt, haben Tausende junge Frauen und Männer ein Problem – nämlich alle bisher Ungeimpften, die an der Hochschule Luzern immatrikuliert sind. Denn die HSLU hat schon letzte Woche die Einführung der Zertifikatspflicht an all ihren Standorten beschlossen. Ob die Universität Luzern nachzieht, ist noch unklar. Ein Entscheid wird in Kürze erwartet.

Die Pädagogische Hochschule Luzern wiederum hat ihren Betrieb bereits am Montag aufgenommen – nächste Woche wird auch sie eine Zertifikatspflicht einführen. Für alle Studiengänge der Ausbildung und den Vorbereitungskurs gelte ab dem 20. September die Zertifikatspflicht, heisst es in einer Mail der Hochschulleitung. Studierende müssen für den Zugang zu den Lehrveranstaltungen ein gültiges Covid-Zertifikat besitzen. Auch von Dozierenden in Lehrveranstaltungen wird ein gültiges Zertifikat erwartet.

Zurück zu den ungeimpften HSLU-Studierenden: Ihr Problem besteht darin, dass einerseits eine doppelte Impfung ihre Zeit braucht, andererseits mehrere Tests pro Woche von Personen in Ausbildung kaum zu finanzieren sind. An eine Rückkehr zu einem normalen Studium im Präsenzmodus ist also für die Betroffenen derzeit nicht zu denken – obwohl eigentlich genau dies das Anliegen der HSLU ist, wie sie in einem Mail an die Studierenden schreibt. Man sei indes überzeugt, «dass es wichtig und richtig ist, sich jetzt für eine Lösung zu entscheiden, die längerfristig ausgerichtet ist und eben nicht wieder nach kurzer Zeit aufgrund der pandemischen Entwicklung über Bord geworfen werden muss», argumentiert das Rektorat und verspricht, schnell Klarheit über die Umsetzungsfragen zu liefern.

Die Frage ist: Kapitulieren oder protestieren?

Bei den Ungeimpften sorgt der Entscheid wenig überraschend für Unmut. Einige fügen sich dem Druck des Faktischen und lassen sich eben doch impfen. Yanik M. (Name geändert), Teilzeitstudent am Campus Horw, gehört zu dieser Gruppe. Wie er in einem Mail schreibt, hätte er eigentlich mit dem Piks bis nach der Veröffentlichung von Langzeitstudien warten wollen. Letztlich unfreiwillig habe er sich nun aber dennoch die erste Dosis spritzen lassen.

Einen anderen Weg versuchen Aktivistinnen und Aktivisten zu beschreiten, die in einem Mail Nähe zur nationalen Gruppierung «Zertifikatsfreie Bildung» suggerieren, wobei die Gruppierung selber sich gegenüber unserer Zeitung vom Inhalt des Schreibens distanzierte. Dieses richtet sich an die Studierenden des Departement Design & Kunst und animiert Personen ohne Covidzertifikat dazu, nächste Woche trotzdem im Unterricht zu erscheinen, in der Hoffnung, «ganz normal am Unterricht teilnehmen zu dürfen. Es geht um den freien Zugang zu Schule und Bildung für alle – egal ob arm oder reich, geimpft oder ungeimpft, getestet oder nicht. Eine Zweiklassengesellschaft ist für alle von Nachteil.»

Die HSLU dürfte also schon an den ersten Tagen des Semesters daraufhin geprüft werden, wie ernst sie es meint mit der Zertifikatspflicht.

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