Zieht die Stadt die Guugger über den Tisch?

Aufregung bei den Guuggern: Sie dürfen an der Fasnacht keinen Kafi-Schnaps mehr verkaufen. Gewusst hat davon bisher niemand.

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Eine der unzufriedenen Guuggenmusigen: die Schteichocher aus Kriens (hier am Fasnachtsumzug vom Güdismontag 2007 in Luzern). (Bild: Archiv Neue LZ)

Eine der unzufriedenen Guuggenmusigen: die Schteichocher aus Kriens (hier am Fasnachtsumzug vom Güdismontag 2007 in Luzern). (Bild: Archiv Neue LZ)

Verärgert und verwirrt: So reagieren die Guuggenmusigen auf die neuen Regelungen an der Luzerner Fasnacht. Denn neu dürfen sie von ihren Wagen aus ohne Bewilligung keine Getränke mehr verkaufen. Eine solche Bewilligung zu bekommen, ist aber praktisch ausgeschlossen.

«Das gibt einen Tumult»

«Das ist ein riesen Problem, das gibt einen Tumult», sagt Urs Raufer, der mit seinem Team den Barwagen für die Krienser Guuggenmusig Schteichocher gebaut hat. Es sei ein Unding, drei Wochen vor der Fasnacht über eine solche neue Regelung zu informieren. «Die Gruppen haben ihre Barwagen doch alle schon fertig», sagt Raufer. So auch die Schteichocher. 5000 Franken habe die Musig insgesamt in den Wagen investiert. Geld verdienen wolle man zwar nicht mit dem Getränkeverkauf, aber: «Ziel ist es, den Wagen kostendeckend zu betreiben.» Damit die Mitglieder am Ende nicht auf den Kosten sitzenbleiben, wird auch verkauft.

Und das wollen die Schteichocher auch heuer wieder so machen – trotz der Kafi-Schnaps-Kontrolleure, die die Stadtverwaltung an die Fasnacht 2011 schickt. «Es ist zu spät, um noch zu reagieren. Wenn die Stadt so etwas einführen will, dann muss sie ein Jahr vorher darüber informieren, bevor die Vorbereitungen für die nächste Fasnacht beginnen.» Dass dies nicht passiert ist, begreift Raufer nicht – zumal Sicherheitsdirektorin Ursula Stämmer und ihre Mitarbeiter nicht müde werden, zu betonen, dass die Neuerungen im Konsens an einem runden Tisch mit allen Beteiligten ausgearbeitet worden seien. «Ich kenne diesen Tisch nur vom Hörensagen. Uns hat keiner gefragt oder informiert», sagt Raufer. Dementsprechend herrsche nun grosse Verunsicherung darüber, was erlaubt sei und was nicht.

«Das schockiert mich extrem»

Auch Linus Jäck, Präsident der Vereinigten Guuggenmusigen Luzern, sagt: «Unter unseren Mitgliedern herrscht grosse Aufregung.» Ständig klingle bei ihm das Telefon. Dabei bestehe gar kein Grund zur Beunruhigung für die Guuggenmusigen – das dachte er wenigstens bis gestern. Denn er ging davon aus, dass die Guuggenmusigen gar nicht von der neuen Regelung betroffen sind. «Am runden Tisch mit der Stadt ging es immer nur darum, die nicht organisierten, auswärtigen Stände fernzuhalten, die getarnten Discos und Bars, die mit dem Getränkeverkauf 10 000 Franken verdienen», sagt Jäck. Was nun geplant sei, laufe ganz klar gegen das, was am runden Tisch besprochen worden sei. «Das schockiert mich extrem. Wenn ich das Wort Guuggenmusigen im Zusammenhang mit den Kontrollen höre, wird mir schlecht.»

Noch hoffen zahlreiche Guugger, dass die Kafi-Schnaps-Kontrolleure sie verschonen – wohl vergeblich. Arthur Wolfisberg, Chef der kantonalen Gastgewerbe- und Gewerbepolizei erklärt, was Sache ist:

Der direkte Verkauf von Getränken ist für Stände ohne Bewilligung grundsätzlich verboten.

Der Verkauf von Kafi-Schnaps-Pins oder -Pässen am Stand oder der Vorabverkauf von Gönnerpässen schützt ebenfalls nicht vor den Kontrolleuren. Wolfisberg erklärt: «Das Gastgewerbegesetz besagt, dass die Abgabe von Speisen und Getränken gegen Entgelt bewilligungspflichtig ist. Das gilt auch, wenn zur Konsumation eine Pflicht zur Mitgliedschaft oder zu einem Eintrittsgeld besteht.»

Der Gratis-Ausschank in Verbindung mit der Bitte um eine Spende ist ohne Bewilligung ebenfalls verboten. «Wenn eine Kollekte erhoben wird, ist es genau das Gleiche», sagt Wolfisberg.

Das einzige Schlupfloch: Wenn die Getränke gratis abgegeben werden und kein Hut oder Topf für die Kollekte bereitliegt, ist es auch ohne Bewilligung erlaubt, Spenden, die freiwillig offeriert werden, anzunehmen.» Das heisst: Man muss sich darauf verlassen, dass die Leute von sich aus fragen, ob sie spenden dürfen. Ohne Bewilligung ist auch der einmalige Gönnerapéro möglich.

Hat die Stadt die Fasnächtler also über den runden Tisch gezogen? Rico De Bona, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen bei der Stadt Luzern, antwortet auf diese Frage schlichtweg nicht.

«Begrüssen die Massnahmen»

Support für das neue System gibts übrigens von den Kult-Ur-Fasnächtlern. «Uns trifft das nicht, weil wir nichts verkaufen und auch keine Spenden sammeln», sagt Camillo Settele von der Gruppe Hör-Bar. Das gelte für alle Gruppen der Kult-Ur-Fasnächtler. Deshalb sei man sich einig: «Wir begrüssen die Massnahmen. Es geht an der Fasnacht schliesslich um die Tradition und nicht darum, Geld zu generieren.»

Silvia Weigel

 

Reaktionen

«Die JCVP wehrt sich gegen das Verbot der Abgabe von Kafi-Schnaps durch Guuggenmusigen und Fasnachtsvereine. Damit wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, denn den wenigen Missbrauchsfällen stehen unzählige Gruppen gegenüber, die auf diesen finanziellen Zustupf für den Wagenbau substanziell angewiesen sind. Zugleich ist das ein Schlag ins Gesicht für die vielen Freiwilligenarbeit leistenden Helferinnen und Helfer in den Fasnachtsgruppierungen. Die JCVP regt deshalb an, auf diese Regelung für die Fasnacht 2011 zu verzichten und für die Zukunft eine einvernehmliche Lösung zu finden, die im Sinne der Luzerner Fasnacht ist.»

pd