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ZIHLMATT: Die Not-Zimmer sind zu 98 Prozent ausgelastet

Der Betriebsleiter der Pension für Menschen in Not in Luzern blickt auf eine erfolgreiche Startphase zurück. Die Bewohner bleiben im Schnitt fünf Monate – manche von ihnen finden hier sogar ihr neues Wohnglück.
Chiara Stäheli
Sein Angebot ist gefragt: Betriebsleiter Urs Wüest im Gespräch mit einem Zihlmatt-Bewohner. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 23. Februar 2018))

Sein Angebot ist gefragt: Betriebsleiter Urs Wüest im Gespräch mit einem Zihlmatt-Bewohner. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 23. Februar 2018))

Für Menschen in Not bietet die Pension Zihlmatt in der Stadt Luzern seit eineinhalb Jahren vor­übergehenden Wohnraum an – und das mit Erfolg. «Die Zimmer sind zu 98 Prozent ausgelastet und die Bewohner fühlen sich wohl», sagt Betriebsleiter Urs Wüest. «Viele wollen gar nicht mehr gehen oder statten uns nach dem Auszug regelmässig Besuche ab.» So auch H. M. (Name der Redaktion bekannt), der knapp ein Jahr lang in der Pension daheim war: «Hier habe ich neue Freunde gefunden, man lebt wie in einer grossen Familie.» Auch sei das Personal hilfsbereit «und ich habe Disziplin gelernt dank der Regeln.»

Nachdem die Ehe des 50-jährigen Afghanen mit seiner Frau in die Brüche gegangen war, hatte er die gemeinsame Wohnung verlassen müssen. Die Sozialberatungsstelle verwies ihn an die Pension Zihlmatt, wo er innert wenigen Tagen eines der 46 Zimmer erhielt. Diese sind auf 17 Wohnungen verteilt. Rund die Hälfte aller Bewohner stammt aus der Stadt Luzern, etwa 40% aus der Agglomeration und die übrigen rund 10% aus den ländlichen Gemeinden. Nur in Ausnahmefällen werden auch ausserkantonale Personen aufgenommen.

Typischer Bewohner ist 40 bis 50 und männlich

Müsste Wüest einen typischen Bewohner beschreiben, «so wäre dieser wohl zwischen 40 und 50 Jahre alt, männlich und Sozialhilfebezüger – also ähnlich wie H. M.» Viele davon leiden an psychischen oder sozialen Beeinträchtigungen, benötigen aber keine oder nur wenig Betreuung. Auch Personen aus geordneten Verhältnissen sind in der Pension willkommen – sie nutzen das Angebot etwa nach einem Auslandaufenthalt.

Nicht immer verläuft das Gemeinschaftsleben harmonisch: «Jeder Bewohner hat seinen eigenen Rucksack – da ist es unvermeidlich, dass ab und zu die Fetzen fliegen», so Wüest. Sei das Verhalten jedoch für die Mitbewohner nicht mehr zumutbar, werde die Kündigung ausgesprochen. Das kam laut Wüest mehrfach vor – vor allem bei Bewohnern mit Suchtproblemen.

Die Mieter bezahlen für ein Einzelzimmer inklusive Frühstück und Nutzung des Gemeinschaftsbades und der Küche monatlich 1250 Franken. Dieser Betrag wird bei rund der Hälfte aller Bewohner von der Sozialhilfe übernommen – der Rest finanziert sich die Miete mit Invalidengeldern, Ergänzungsleistungen oder Ersparnissen.

Auch bei H. M. wurden die Mietkosten aufgrund seiner langjährigen Arbeitsunfähigkeit von der Sozialhilfe bezahlt. «Ich würde gerne wieder arbeiten, aber ich kann nicht», betont er. Immerhin hat er inzwischen eine eigene Wohnung gefunden. Das ist laut Wüest, der bei der Wohnungssuche hilft, wichtig. Denn in der Pension Zihlmatt kann man maximal ein Jahr wohnen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt aktuell rund fünf Monate.

Betreibungen, kein festes Einkommen

Dass sich die Wohnungssuche für die Pensionsbewohner sehr schwierig gestaltet, führt Wüest auf mehrere Gründe zurück: «Viele Bewohner haben Betreibungen am Hals, kein festes Einkommen, leiden an einem Suchtproblem und verfügen schlichtweg nicht über genügend Geld, um sich eine Wohnung leisten zu können.» Wobei diese Notsituation laut Wüest auch schon eine erfreuliche Wende genommen hat: So gründeten drei Zihlmatt-Bewohner zusammen eine Wohngemeinschaft.

Trotz erfolgreicher Startphase ist derzeit kein Ausbau des Angebots geplant. Priorität hat die Deckung der Gesamtinvestitionen von 2,25 Millionen Franken – davon sind noch 250 000 Franken nicht bezahlt. Der Verein ist also auf weitere Spenden von Stiftungen angewiesen.

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch

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