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ZIMMERBERG: So teuer ist der Billig-Tunnel

Mit einem günstigeren Tunnel zwischen Baar und Thalwil wollen Ständeräte Geld für den Luzerner Durchgangsbahnhof locker machen. Nun kontert der Bund: Der so genannte Zimmerberg light sei doppelt so teuer wie angepriesen.
Christian Glaus
Das Komitee Zimmerberg light will diesen Tunnel durch einen neuen, doppelspurigen ersetzen. (Bild: Werner Schelbert)

Das Komitee Zimmerberg light will diesen Tunnel durch einen neuen, doppelspurigen ersetzen. (Bild: Werner Schelbert)

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch

5,45 Milliarden Franken. So viel muss investiert werden, damit Luzern seinen Durchgangsbahnhof erhält. Mit diesem Geld würde neben dem neuen Bahnhof auch der Zimmerberg-Basistunnel II finanziert werden, welcher als Voraussetzung für das Projekt in Luzern gilt. Allerdings geht kaum jemand davon aus, dass die eidgenössischen Räte der Zentralschweiz mit dem Ausbauschritt 2030/35 ein derart grosses Geschenk machen.

Deshalb brachten die Zentralschweizer Ständeräte unter Federführung des Luzerners Damian Müller (FDP) die Variante Zimmerberg light in Bundesbern aufs Tapet (Ausgabe vom 16. Juni). Der Zimmerberg light soll gemäss dem gleichnamigen Komitee mit einer Milliarde Franken nur etwa halb so viel kosten wie der Basistunnel.

Doch dieser Aussage widerspricht nun das Bundesamt für Verkehr (BAV). Gegenüber unserer Zeitung teilt BAV-Mediensprecherin Olivia Ebinger mit: «Der Basistunnel II schneidet gegenüber der Light-Variante bei gleichen Kosten bezüglich Nutzen besser ab.» Will heissen: Auch beim vermeintlichen Billig-Tunnel rechnet das BAV mit Kosten von rund zwei Milliarden Franken, wie Ebinger auf Nachfrage bestätigt.

Mit dem Projekt Zimmerberg light sollte die bestehende Strecke zwischen Baar und Horgen mit zwei neuen Tunneln auf Doppelspur ausgebaut werden. In der Kostenschätzung des Komitees ist auch der Ausbau des Bahnhofs Thalwil inbegriffen. Diese Bauten alleine reichten jedoch nicht für die von den Kantonen eingereichten Angebote, begründet Olivia Ebinger die doppelt so hohen Kosten. Auch die Zufahrtsstrecken im Gebiet Zug müssten ausgebaut werden. Ebenso brauche es Massnahmen, damit etwa der Viertelstundentakt Zürich-Luzern nicht auf Kosten des Regional- oder Güterverkehrs geht. Wie sich die Mehrkosten genau zusammensetzen, kommuniziert das BAV jedoch nicht.

Laut Ebinger hat das BAV bereits für den Ausbauschritt 2025 die beiden Varianten Zimmerberg-Basistunnel II und light geprüft und miteinander verglichen. Den Berechnungen sei die gleiche Angebotsplanung und Kostenmethodik zu Grunde gelegt worden. «Nur so ist die Vergleichbarkeit der Module sichergestellt.» Das BAV kam rasch zum Schluss, dass der Basistunnel das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweist. «Nach einem ersten Vergleich im Jahr 2012 haben wir das Projekt Zimmerberg light nicht mehr weiterverfolgt.» Mit beiden vom BAV geprüften Varianten (Tunnel inklusive Ausbau der Zufahrtsstrecken) könnten die gleichen Verbindungen ermöglicht werden, sagt Ebinger.

Grosser Vorteil des Basistunnels sei der grössere Fahrzeitgewinn. Zudem könne nur mit diesem Tunnel in Zukunft weitere Fahrtzeit zwischen Zürich und Luzern/Gotthard eingespart werden. Weiterer Pluspunkt des Basistunnels: Auf die Erweiterung des Bahnhofs Thalwil kann verzichtet werden. Laut BAV müssten dafür Anwohner enteignet und Häuser abgerissen werden.

Hoffen auf transparente Kommunikation

Für Martin Stuber, Co-Präsident des Komitees Zimmerberg light und Vizepräsident von Pro Bahn Zentralschweiz, sind die vom BAV genannten Zahlen nicht nachvollziehbar. «Wie es darauf kommt, sagt das BAV nicht», ärgert er sich. Er bezieht sich auf eine Studie, welche Verkehrsplaner Paul Romann gemacht hatte. Selbst bei einer konservativen Schätzung müsste der Zimmerberg light laut Stuber 550 bis 600 Millionen Franken günstiger sein als der Basistunnel.

Stuber wartet nun gespannt auf die Beantwortung der Interpellation, welche die zehn Zentralschweizer Ständeräte kürzlich eingereicht haben (Ausgabe vom 16. Juni). Das BAV müsse detailliert aufzeigen, wie die Preisschilder zu Stande kommen. «Wenn es nicht bereit ist, Transparenz zu schaffen, wird es der Ausbauschritt 2035 schwer haben, wie er auch immer aussehen wird.»

Auch für den Luzerner Ständerat Damian Müller drängt sich nun vor allem die Frage auf, wie sich der Betrag von rund 2 Milliarden Franken für die beiden Tunnelvarianten am Zimmerberg zusammensetzt. Seine Interpellation sei deshalb nicht obsolet, im Gegenteil: «Ich finde es gut, dass das BAV die Berechnungen schon gemacht hat. Wichtig ist jetzt aber, dass alle Fakten öffentlich kommuniziert werden.» Genau darauf zielt der Vorstoss ab. Müller: «Erst wenn alle Informationen auf dem Tisch liegen, ist es möglich zu evaluieren, welche Projekte mit dem nächsten Ausbauschritt realisiert werden sollen. Klar ist, wir wollen die Verkehrsdrehscheibe Zentralschweiz.»

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