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Zischende Raketen, «feurige Schlangen» – Seenachtsfeste haben in Luzern Tradition

Seenachtsfeste haben eine grosse Tradition in Luzern. Es gab früh aber auch schon Sorgen und kritische Stimmen.
Hugo Bischof
Seenachtsfest Luzern vor 1935. Bild Stadtarchiv (Postkarte Kunstverlag E. Goetz, Fotograf unbekannt)Seenachtsfest Luzern vor 1935. Bild Stadtarchiv (Postkarte Kunstverlag E. Goetz, Fotograf unbekannt)
Kapellbrücke mit Wasserturm: Werbeplakat für das Seenachtsfest Luzern 1909. Bild Stadtarchiv (Edition Photoglob, Zürich)Kapellbrücke mit Wasserturm: Werbeplakat für das Seenachtsfest Luzern 1909. Bild Stadtarchiv (Edition Photoglob, Zürich)
Seenachtsfest Luzern. Bergsage: Der Drache vom Pilatusberg. Bild Stadtarchiv (Lithografie Ariger & Müller, Luzern, Juli 1913)Seenachtsfest Luzern. Bergsage: Der Drache vom Pilatusberg. Bild Stadtarchiv (Lithografie Ariger & Müller, Luzern, Juli 1913)
Frühe Foto vom Seenachtsfest Luzern, möglicherweise aus den 1920er Jahren. Bild Stadtarchiv (Fotograf unbekannt)Frühe Foto vom Seenachtsfest Luzern, möglicherweise aus den 1920er Jahren. Bild Stadtarchiv (Fotograf unbekannt)
Seenachtsfest Luzern circa 1939. Bild Stadtarchiv (Fotograf K. Manz, Luzern)Seenachtsfest Luzern circa 1939. Bild Stadtarchiv (Fotograf K. Manz, Luzern)
Seebrücke und Schweizerhofquai. Undatierte Lithografie vom Seenachtsfest Luzern. Bild Stadtarchiv (Lithografie Kunstanstalt Frey & Söhne, Zürich)Seebrücke und Schweizerhofquai. Undatierte Lithografie vom Seenachtsfest Luzern. Bild Stadtarchiv (Lithografie Kunstanstalt Frey & Söhne, Zürich)
Seenachtsfest Luzern 1952. Bild Stadtarchiv (Fotograf H. Vonarburg, Luzern)Seenachtsfest Luzern 1952. Bild Stadtarchiv (Fotograf H. Vonarburg, Luzern)
Undatierte Fotografie vom Seenachtsfest Luzern, wahrscheinlich 1950er oder 1960er Jahre. Bild. Stadtarchiv (Fotograf Hans Blättler, Luzern)Undatierte Fotografie vom Seenachtsfest Luzern, wahrscheinlich 1950er oder 1960er Jahre. Bild. Stadtarchiv (Fotograf Hans Blättler, Luzern)
Undatierte Foto vom Seenachtsfest Luzern. Bild Stadtarchiv (Fotograf Hans Blättler, Luzern)Undatierte Foto vom Seenachtsfest Luzern. Bild Stadtarchiv (Fotograf Hans Blättler, Luzern)
Seenachtsfest Luzern am 29. Juni 1968. Vorne Zuschauer auf einem Vierwaldstättsee-Schiff beim Betrachten des Feuerwerks. Bild Stadtarchiv (Foto Keystone, Fotograf unbekannt)Seenachtsfest Luzern am 29. Juni 1968. Vorne Zuschauer auf einem Vierwaldstättsee-Schiff beim Betrachten des Feuerwerks. Bild Stadtarchiv (Foto Keystone, Fotograf unbekannt)
Foto vom Seenachtsfest Luzern am 28. Juni 1970. Bild: Stadtarchiv (Photo A. S. L., Lausanne, Fotograf unbekannt)Foto vom Seenachtsfest Luzern am 28. Juni 1970. Bild: Stadtarchiv (Photo A. S. L., Lausanne, Fotograf unbekannt)
Seenachtsfest Luzern am 1. August 1974. Vierwaldstättersee-Schiffe mit Zuschauern, die das Feuerwerk bestaunen. Bild Stadtarchiv (Photopress-Inlanddienst, Fotograf unbekannt)Seenachtsfest Luzern am 1. August 1974. Vierwaldstättersee-Schiffe mit Zuschauern, die das Feuerwerk bestaunen. Bild Stadtarchiv (Photopress-Inlanddienst, Fotograf unbekannt)
Seenachtsfest Luzern 1979. Bild Stadtarchiv (Fotograf unbekannt)Seenachtsfest Luzern 1979. Bild Stadtarchiv (Fotograf unbekannt)
Seenachtsfest Luzern 1981. Bild Stadtarchiv (Fotograf Peter A. Meyer)Seenachtsfest Luzern 1981. Bild Stadtarchiv (Fotograf Peter A. Meyer)
Ein Feuerschlucker, umringt von staunenden Zuschauern, am Seenachtsfest Luzern 1983. Bild Stadtarchiv (Fotograf unbekannt)Ein Feuerschlucker, umringt von staunenden Zuschauern, am Seenachtsfest Luzern 1983. Bild Stadtarchiv (Fotograf unbekannt)
Seenachtsfest Luzern am 11. Juli 1988. Bild: Stadtarchiv (Fotograf unbekannt)Seenachtsfest Luzern am 11. Juli 1988. Bild: Stadtarchiv (Fotograf unbekannt)
16 Bilder

Historische Bilder vom Seenachtsfest Luzern

Der 1. August ist das eine. Vor zwei Tagen wurde da auch heuer vielerorts gefeuerwerkt und gezeuselt, was das Zeug hielt. Etwas anderes ist das grosse Feuerwerk, das früher jeweils Ende Juni, Anfang Juli über dem Luzerner Seebecken gezündet wurde. Darauf mussten die Luzerner 2019 verzichten, wie schon 2018 und 2017. Dieses Jahr kam es noch schlimmer: Das Luzerner Fest, dessen Höhepunkt das Feuerwerk war, wurde ganz gestrichen. Auch 2020 wird es pausieren. Das OK will den Event «konzeptionell überdenken».

Zumindest das Feuerwerk wird es wohl auch in Zukunft nicht mehr geben. Schätzungsweise 100'000 Franken dürfte das 20-minütige Pyrospektakel jeweils kosten. Das ist (zu) viel Geld für einen Anlass, der von der Stiftung «Luzern hilft» veranstaltet wird und mit deren Gewinn bedürftige Luzerner Institutionen unterstützt werden.

Das Feuerwerk am Luzerner Fest 2013. (Bild: Philipp Schmidli, 29. Juni 2013)

Das Feuerwerk am Luzerner Fest 2013. (Bild: Philipp Schmidli, 29. Juni 2013)

Erstes Feuerwerk in Luzern im Jahr 1704

Vorgänger des Luzerner Fests war das Seenachtsfest, das 2007 mit dem damaligen Altstadtfest zum Luzerner Fest fusionierte. Kleine Seenachtsfeste fanden in Luzern sporadisch schon in den 1870er-Jahren statt; das zeigen Dokumente im Stadtarchiv. Die Ursprünge reichen aber noch weiter zurück. Am 25. August 1704 veranstaltete der italienische Graf Lorenzo Verzuso Beretti Landi, Abgesandter des spanischen Königs bei den Eidgenossen und somit Hüter der bourbonischen Tradition in der Zentralschweiz, für die Luzerner Bevölkerung «ein Nachtfest nach venezianischem Vorbild auf dem See».

Josef Marbacher hat das Spektakel in einem 1954 im Innerschweizerischen Jahrbuch für Heimatkunde erschienenen Aufsatz unter dem Titel «Luzernisches Kulturleben im Zeitalter Ludwigs XIV» anschaulich beschrieben: «Nach einigen Raketensalven stiegen aus den glitzernden Wellen leuchtend die Hauptattraktionen hervor, die Kolossalgestalten Jupiters und Merkurs, letzter als Kind in einer Wiege liegend. Aus seinen Händen schossen – feurigen Schlangen gleich – ganze Bündel zischender Raketen in den dunklen Nachthimmel. Infernalisches Krachen unzähliger Petarden untermalte wirkungsvoll die stauenerregende mythologische Szene.» Übrigens: Schwarzpulver (Schiesspulver) wurde im 10. Jahrhundert in China erfunden. In Europa diente es zunächst für kriegerische Einsätze. Das erste friedliche Feuerwerk in Europa fand 1379 in Florenz statt.

Kapellbrücke mit Wasserturm: Werbeplakat für das Seenachtsfest Luzern 1909. (Bild Stadtarchiv, Edition Photoglob, Zürich)

Kapellbrücke mit Wasserturm: Werbeplakat für das Seenachtsfest Luzern 1909. (Bild Stadtarchiv, Edition Photoglob, Zürich)

Zurück nach Luzern: Ab 1892 veranstaltete die eben gegründete Verkehrskommission (später: Verkehrsverein) jährlich Seenachtsfeste – jeweils Ende Juni, Anfang Juli. Eine detaillierte Beschreibung gibt es vom Fest 1892. Städtische Vereine traten im Vorfeld auf. Der Turnverein etwa zeigte «Stabwinden, Pyramiden» sowie «historisch-plastische Aufführungen», darunter die «Ermordung Caesars», «Winkelrieds Tod» und den «Rütlischwur». Letztere fanden beim Publikum «besonders Anklang». Zum Feuerwerk selber hiess es: «Wie das zischte, prasselte und knallte, wie die farbigen Flammenbündel durch die Lüfte fuhren und mit dem Mondlicht wetteiferten, das Berg und Tal und See zauberhaft erhellt.»

Das Luzerner Seenachtsfest am 14. Juli 1928 wurde zugleich als «Grand Venetian Night» und «Grande Fête de nuit» angekündigt, also dreisprachig. Wohl ein Zeichen dafür, dass die Touristenstadt Luzern Gäste über die Stadtgrenze hinaus ansprechen wollte. Das ist interessant, denn heute gehen Überlegungen dahin, wieder ein Fest in erster Linie für die Luzerner Bevölkerung zu veranstalten. Am 23. Juli 1932 gab’s zum Feuerwerk eine grosse Stadtillumination sowie eine «exotische Symphonie» aus drei Prunkschiffen. Auf fünf Zuschauerschiffen (Fahrpreise 2.80 bis 4.50 Franken) konnte man die Darbietungen bequem verfolgen.

Seenachtsfest Luzern. Bergsage: Der Drache vom Pilatusberg. (Bild: Stadtarchiv, Lithografie Ariger & Müller, Luzern, Juli 1913)

Seenachtsfest Luzern. Bergsage: Der Drache vom Pilatusberg. (Bild: Stadtarchiv, Lithografie Ariger & Müller, Luzern, Juli 1913)

Das Seenachtsfest am 24. Juni 1950 begann mit einem Fallschirmabsprung aus 500 Metern in die Luzerner Bucht, ausgeführt durch Hans Walti, Weltmeister im Fallschirmabspringen. Es folgten Motorbootrennen, Wasserskifahren mit Schnellbooten und «humoristische Produktionen auf dem Wasser». Dann defilierten «dekorierte und lichtgeschmückte Boote» vor den Zuschauern. Wahrscheinlich um zu viel Anreiseverkehr per Auto zu verhindern, gab es «offizielle Veloparkplätze» im Wey-, Bruch-, Hirschmatt- und Neustadtquartier sowie beim Inseliquai. Luzern war dem Zweiradverkehr offenbar schon damals wohlgesonnen: 1928 wurde bei der Festhalle am Bahnhofplatz ein «Auto- und Velopark mit Bewachung» eingerichtet.

«Eher eine Völlerei Jugendlicher»

Schon früh gab es aber auch Kritik wegen Lärm, Verkehrsüberlastung und Vandalismus. Fünf Tage nach dem Fest vom 30. Juni 1956 zog die Polizei ein Fazit, das für die Luzerner nicht schmeichelhaft ist. Der Rahmen sei «unwürdig», es sei «eher eine Völlerei Jugendlicher». Wegweiser-, Park- und Signaltafeln seien «gewaltsam beschädigt» worden. Der Umfang des weggeräumten zerbrochenen Glases und des Unrates habe «erhebliche Ausmasse angenommen». Schon im Jahr zuvor, am 13. Juli 1955, kam es zu einer Krisensitzung. Der Lärm habe diesmal «sein Maximum erreicht», bilanzierte Polizeidirektor Dr. K. Meier. Zudem habe es im Gefolge des Festes erstmals schwere Unglücksfälle gegeben. Details dazu werden nicht genannt.

Undatierte Fotografie vom Seenachtsfest Luzern, wahrscheinlich 1950er oder 1960er Jahre. (Bild: Stadtarchiv, Fotograf Hans Blättler, Luzern)

Undatierte Fotografie vom Seenachtsfest Luzern, wahrscheinlich 1950er oder 1960er Jahre. (Bild: Stadtarchiv, Fotograf Hans Blättler, Luzern)

1960 betrug die Besucherzahl 150'000. Etwa 8000 Autos und 470 Motorräder hätten die extra bereitgestellten Parkzonen voll in Beschlag, teilte die Polizei mit. Bis 23 Uhr kam es auf Stadtgebiet zu drei Kollisionen mit zwei Leichtverletzten. Aus dem Jahr 1965 liegt ein Einsatzdispositiv der Stadt- und Kantonspolizei Luzern vor. Demnach rechnete man jeweils mit «weit über 100'000 Zuschauern und ungefähr 15'000 Motorfahrzeugen». Rund 250 Polizisten standen im Einsatz. 30 Polizeiautos und 25 Funkstationen waren für die Verkehrsregelung notwendig. Der Verkehr wurde umgeleitet. Für die Überwachung des Verkehrs wurde 1965 sogar ein Flugzeug eingesetzt.

Auch für die Organisatoren gab es viel Arbeit: 350 Signaltafeln und Spezialwegweiser mussten aufgestellt werden, dazu Abschrankungen von mehr als einem Kilometer Länge. In der abgesperrten Zone wurden Bänke für 3500 Sitzplätze aufgestellt. In der Nacht mussten die Einrichtungen wieder abgebaut werden, «sodass am Sonntagmorgen vom Fest keine Spuren mehr zu erkennen sind».

Schon in den 1960er-Jahren finanziell auf schwachen Füssen

Trotz grossem Publikumsaufmarsch stand das Seenachtsfest schon damals finanziell auf schwachen Füssen. Neben einigen Subventionen sei man «fast allein auf den Erlös des Billettverkaufs angewiesen», schreibt das Verkehrsbüro 1965. Diese Einkünfte könnten «nicht beliebig gesteigert werden». Auf der anderen Seite würden die Kosten für das Feuerwerk und vor allem für das Vorprogramm immer grösser – auch wegen der steigenden Arbeitslöhne. Es sei deshalb «besonders erfreulich, dass verschiedene Firmen ihr Material und ihre Arbeitsleistung immer wieder gratis oder zum Selbstkostenpreis zur Verfügung stellen».

Es gab auch Konkurrenz zum offiziellen Fest. «In den letzten Jahren schiessen die Feuerwerksgarben an zahlreichen Fremdplätzen aus dem Boden», schrieb das Verkehrsbüro 1965. Dennoch habe das Seenachtsfest sein grosses Ansehen bewahren können, auch dank der grosszügigen Unterstützung durch die Presse: «Wie kaum ein anderes ist das Seenachtsfest ein Fest des Volkes. ...Dem unwiderstehlichen Zauber, der von diesem Schauspiel mit Naturkulissen ausgeht, kann sich praktisch niemand entziehen.»

Ein Feuerschlucker, umringt von staunenden Zuschauern, am Seenachtsfest Luzern 1983. (Bild: Stadtarchiv, Fotograf unbekannt)

Ein Feuerschlucker, umringt von staunenden Zuschauern, am Seenachtsfest Luzern 1983. (Bild: Stadtarchiv, Fotograf unbekannt)

Wetterglück ohne Klimawandel

«Es ist eine erfreuliche Tatsache, dass das Luzerner Seenachtsfest aus Gründen der Witterung noch nie hat verschoben werden müssen», schrieb das Verkehrsbüro Luzern am 11. Juni 1965. Dieses Wetterglück sei aber nicht ganz zufällig, werde doch das Datum Ende Juni «ganz bewusst auf einen Zeitpunkt gelegt, der eine fundierte Wahrscheinlichkeit für eine Schönwettersituation bietet». Das Verkehrsbüro stützte sich dabei auf die Studie «Kalendermässige Bindungen des Wetterablaufs in Luzern» von Lorenz Fischer aus dem Jahr 1946. Er ging von einer Schönwettersituation in den ersten Tagen des Juni aus, gleichzeitig mit dem Beginn der Monsunperiode. Anschliessend, mit dem Beginn der Sommerzeit, steige die Niederschlagskurve an. «Nach kurzer Erwärmung fällt die Temperaturkurve zum Minimum der Schafskälte (um den 13. Juni), wobei Kaltluftmassen aus gemässigten Breiten und arktischen Ursprungs über die Warmluft dominieren», stellt Fischer fest. Deshalb sei die Häufigkeit der heiteren Tage vom 26. Juni an gegeben. Eine so fixe Wetterberechnung über Jahrzehnte wirkt in der heutigen Zeit des Klimawandels und der extremen Wetterphänomene geradezu abenteuerlich; damals hatte sie aber offensichtlich Bestand. Erstmals total verregnet wurde das Seenachtsfest Luzern am 27. Juni 1970. Das Feuerwerk konnte damals dennoch «zu drei Vierteln durchgeführt werden», berichteten die LNN. Die auf den Nauen im Seebecken zum Abschuss bereitliegenden Feuerwerkskörper wurden notfallmässig mit Plastik abgedeckt. (hb)

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