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Zoff in der Backstube bei «Martins Brotwerk» führt zu Abgängen

Fünf Personen haben bei «Martins Brotwerk» den Job geschmissen. Der Geschäftsführer spricht von Racheakten.
Sandra Monika Ziegler
Geschäftsführer Roberto del Greco und Backmeister Martin Winkel (rechts) vor dem Geschäft am Paulusplatz. (Bild: Lucien Rahm, Luzern, 21. Mai 2019)

Geschäftsführer Roberto del Greco und Backmeister Martin Winkel (rechts) vor dem Geschäft am Paulusplatz. (Bild: Lucien Rahm, Luzern, 21. Mai 2019)

Grosses Aufatmen herrschte, als unsere Zeitung in diesem Mai verkündete, dass die Nachfolge von Bäcker Arnold am Paulusplatz gesichert ist: Mit Martins Brotwerk. Damit blieb in der Stadt Luzern eine Bäckerei erhalten. Nur Wochen später erreichen uns Nachrichten, dass sich Angestellte «über den Tisch gezogen» fühlen und schlecht eingearbeitet wurden.

So nahmen seit dem Start bereits fünf Personen den Hut. Nicht etwa, weil sie wollten, sondern weil sie nicht mehr konnten. Die Vorwürfe drehen sich um ausstehende Löhne, branchenfremde Arbeitsverträge und die Sozialkompetenz des Geschäftsleiters Roberto del Greco. Er hat den Laden im Mai übernommen. Er ist kein Bäcker und kommt aus der Finanzbranche.

Reger Wechsel in der Belegschaft

An seiner Seite wirkt der deutsche Bäckermeister Martin Winker, der, wie er sagt, «streng handwerklich orientiert» ist. Er gab auch den Namen Martins Brotwerk und wirbt mit einer Tradition seit 1888. Mit dem Start in Luzern wurde Personal gesucht. Nach und nach meldeten sich Interessierte. Nebst dem Laden am Paulusplatz ist Martins Brotwerk samstags am Luzerner Wochenmarkt präsent. Produziert wird in Emmen.

Einer der ehemaligen Bäcker freute sich zu Beginn mit im Team zu sein, auf die Verarbeitung der hochwertigen Produkte und auf den Markt. «Ich suchte eine vielseitige Stelle in meiner Branche, etwas Spezielles», sagt er. Speziell wurde es in der Tat. Er wartete vergeblich auf einen Arbeitsvertrag, Überstunden wurden nicht verrechnet und zu guter Letzt sah ihn der Geschäftsführer nicht mal mehr als Angestellten, sondern als Freiberufler.

«Ich wollte einen Vertrag, doch ich wurde immer vertröstet. Auf meine Mails reagierte der Geschäftsführer gereizt. Ich hatte noch nie einen solchen Chef», erzählt er. Als Bäcker wollte er einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Schweizer Bäcker und Confiseure. Vorgelegt wurde ihm aber, der GAV der Gastro Suisse. Und nicht nur ihm, auch anderen Angestellten wurde er vorgelegt.

Finanzielle Einbusse, dafür Ruhe

Die Verträge sind nicht die einzigen Unstimmigkeiten. Auch sei der Lohn erst auf Druck und mit der Anmerkung, man werde diesen, wenn nötig, gerichtlich einfordern, gezahlt worden, so der ehemalige Angestellte: «Mir waren die Diskussionen mit der Zeit zu anstrengend.» Er kündigte und forderte seinen letzten Lohn, inklusive Überstunden und Nachtarbeitszuschlag. Der Chef zahlte bar, jedoch 20 Prozent weniger. Für den ehemaligen Bäcker eine Einbusse, doch lieber so und dafür Ruhe. Pikant: Er war nicht der einzige mit solch einer Erfahrung. Auch andere Angestellte mussten mehrmals nach ihrem Lohn fragen.

Und was meint Geschäftsführer Roberto del Greco zu den Vorwürfen? Er spricht von «Racheakten». Punkto Arbeitsvertrag: Nun käme ein neuer zum Einsatz, den er mit seinem Anwalt ausgearbeitet habe. Weitere Fragen wie etwa zur Fluktuation wollte er nicht beantworten und zu den Vorwürfen jetzt keine Stellung nehmen. Del Greco verabschiedete sich mit den Worten: «Ich melde mich nach den Ferien. Übrigens hatten wir am Mittwoch klärende Gespräche, wir sind auf einem guten Weg.»

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