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Interview

Zu früh in die Schulferien? Auch im Kanton Luzern kann es Bussen geben.

Wer mit seinem schulpflichtigen Kind schon vor Beginn der Ferien verreisen will, muss einen Antrag an die Schulbehörde seiner Gemeinde stellen. Wer trotz abschlägigem Bescheid verreist, muss mit Bussen bis zu 3000 Franken rechnen.
Susanne Balli
Mit schulpflichtigen Kindern schon vorzeitig in die Ferien verreisen: Das kann auch in Luzern zu einer Busse führen. (Symbolbild: Keystone/Ennio Leanza)

Mit schulpflichtigen Kindern schon vorzeitig in die Ferien verreisen: Das kann auch in Luzern zu einer Busse führen. (Symbolbild: Keystone/Ennio Leanza)

In Deutschland wurde kürzlich ein erstaunlicher Polizeieinsatz bekannt. Die Polizei kontrollierte am bayrischen Allgäu Airport Familien mit schulpflichtigen Kindern (Artikel vom 22. Mai). Der Verdacht bestätigte sich. Einige der Kinder waren unentschuldigt oder mit der Ausrede, sie seien krank, vom Unterricht fern geblieben. Daraufhin reichte die Polizei Anzeigen gegen die Eltern ein. Diese müssen nun mit Bussen rechnen. Im ganzen Bundesland Bayern wurden 20 solcher Fälle gemeldet.

Wie aber läuft das bei uns? Müssen Eltern, die mit ihren Kindern auf diese Weise früher in die Ferien gehen, ebenfalls mit solchen Strafen rechnen? Wir haben Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern, gefragt:

Charles Vincent (Bild: PD)

Charles Vincent (Bild: PD)

Charles Vincent, ist es den kantonalen Schulbehörden bekannt, dass auch bei uns der Trick «krank vor den Ferien» von den Eltern angewendet wird, um früher in die Ferien zu fliegen?

Es gibt vereinzelt solche Fälle. Vor allem vor den Sommerferien erhalten die Schulleitungen auch Anfragen von Eltern, die früher in die Ferien wollen. Sei es, um Stau zu vermeiden oder um aufgrund günstiger Angebote Geld zu sparen.

Und was passiert in solchen Fällen?

Die Schulleitungen der Gemeindeschulen bearbeiten diese Gesuche aufgrund kommunaler Richtlinien. Einige Schulleitungen beurteilen Urlaubsgesuche vor den Ferien streng und gehen nur in Ausnahmesituationen darauf ein.

Damit sind die Pläne der Eltern gestorben?

Nein, die Eltern können, falls sie mit dem Entscheid der Schulleitung nicht einverstanden sind, beim Kanton Beschwerde einreichen. Das kommt etwa ein- bis zweimal pro Schuljahr vor.

Und wenn der Kanton auch Nein sagt?

Es kann natürlich dazu kommen, dass die Eltern trotzdem in die Ferien fahren. Aber das ist sehr selten beziehungsweise schwierig festzustellen. Wenn es aber festgestellt wird, kann die Schulleitung eine Busse aussprechen.

Müssen die Eltern auch mit einer Busse rechnen, wenn sie ihr Kind krank melden, damit sie früher in die Ferien können?

Also die Schulleiter legen sich sicherlich nicht auf die Pirsch. Aber es könnte per Zufall auffliegen, dass das Kind fälschlicherweise krankgemeldet ist, um abzureisen. Dann können die Schulbehörden eine Busse erlassen.

Es kommt aber nicht die Polizei zum Einsatz?

Nein, das Vorgehen in Bayern ist ja schon etwas speziell und eigenartig. Bei uns sind die Schulbehörden dafür zuständig.

Wie teuer wird das?

Es sind Bussen bis zu 1500 Franken möglich. Im Wiederholungsfall gar bis 3000 Franken. Aber das ist extrem selten der Fall. Bei einem einmaligen Regelverstoss liegen die Bussen sicher tiefer, bei 300 bis 500 Franken.

Haben Eltern überhaupt die Möglichkeit, während der Schulzeit mit dem schulpflichtigen Kind in die Ferien zu gehen?

Ja. Sie können wie gesagt ein Gesuch bei der zuständigen Schulleitung stellen. Zudem gibt es im Kanton Luzern sogenannte Jokertage, die aber kommunal geregelt sind. Das sind maximal vier Halbtage, die Kinder ohne Grund dem Unterricht fernbleiben können, wenn eine Gemeinde diese Regelung eingeführt hat.

Die Jokertage gibt es also nicht in allen Gemeinden?

Nein. Schätzungsweise rund zwei Drittel der Gemeinden im Kanton Luzern haben solche Jokertage. Einige Gemeinde erlauben es aber nicht, dass Jokertage direkt vor oder nach den Ferien eingelöst werden können. Dies, um zu verhindern, dass dann die Hälfte der Kinder fehlt.

Aber dann machen sie doch am meisten Sinn. Vor den Ferien wird der Unterricht ja jeweils etwas lockerer gehandhabt?

Es wird wohl kaum am letzten Schultag vor den Ferien noch Prüfungen geben. Vor den Sommerferien finden aber häufig Projekttage und Abschlussfeierlichkeiten statt. Hier dabei zu sein, ist für Kinder auch wichtig. Nur Bücher einziehen und das Pult aufräumen ist nicht der Sinn der Sache. Sonst ist es für die Schulbehörden tatsächlich schwierig, zu begründen, warum ein Urlaubsgesuch abgelehnt wird. Deshalb verlangen wir von den Schulen, dass sicher bis am Freitagmittag vor den Sommerferien ein inhaltliches Programm gestaltet wird.

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