«Zu luxuriös?» 6,2 Millionen Franken für neuen Spitex-Stützpunkt in Horw

In einem Genossenschaftsneubau im Dorfzentrum will die Gemeinde Horw Stockwerkeigentum kaufen für die Spitex. Wegen der Kosten dürfte das Geschäft am Donnerstag im Parlament noch zu reden geben.

Roman Hodel
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Der Stützpunkt der Spitex Horw an der Kantonsstrasse 67 platzt aus allen Nähten. Deshalb ist ein Umzug geplant – und zwar in diesen Neubau der Baugenossenschaft Pilatus an der Allmendstrasse:

(Bild: Webcam Baugenossenschaft Pilatus, Horw 25. Juni 2019)

(Bild: Webcam Baugenossenschaft Pilatus, Horw 25. Juni 2019)

Die Gemeinde will hierfür im Erd- und Zwischengeschoss eine Fläche von 869 Quadratmetern im Stockwerkeigentum erwerben und für die Spitex ausbauen. Hinzu kommen Parkplätze und Reserveräume. Kostenpunkt: 6,2 Millionen Franken. Genau deswegen dürfte der entsprechende Bericht und Antrag im Einwohnerrat am Donnerstag noch zu reden geben. Der Ausbau der Spitex sei zu luxuriös, hört man da und dort. Wozu braucht es etwa mehrere Sitzungszimmer oder geschlechtergetrennte Garderoben? Spitex-Präsidentin Silvia Bolliger sagt:

«Es handelt sich um einen üblichen Ausbau wie bei anderen Spitex-Stützpunkten – von Luxus kann keine Rede sein.»

Ja, es seien mehrere Sitzungszimmer vorgesehen, «aber das brauchen wir auch für Weiterbildungen, Teamsitzungen und dergleichen.» Und bezüglich Garderoben gibt sie zu bedenken: «Unsere Mitarbeitenden müssen beispielsweise Duschen können – ganz abgesehen davon sind geschlechtergetrennte Garderoben vom Gesetz vorgegeben.»

Gemäss Bolliger sind die Platzverhältnisse am aktuellen Standort seit Jahren «sehr beengt» und es gebe keine Ausbaumöglichkeiten: «Der Umzug ist für uns deshalb eminent wichtig.» Zumal die Spitex am neuen Ort ein zentraler Bestandteil des Angebots «Wohnen mit Dienstleistungen für ältere Menschen» sein wird, das im selben Haus, aber auch in weiteren umliegenden Gebäuden realisiert wird. Die künftigen Bewohner profitieren von der Nähe zur Spitex, etwa vom geplanten Mittagstisch in einem Mehrzweckraum. Zudem, so Bolliger, werde der neue Stützpunkt genug gross sein, um das Wachstum der Spitex mit Blick auf den demografischen Wandel zu verkraften.

Gemeinderat Robert Odermatt (SVP) erinnert derweil daran, dass die Spitex im Gegenzug Miete bezahlt: «Die Höhe des Zinses ist zwar tiefer als in der Privatwirtschaft, ist jedoch auch an die effektiven Ausbaukosten gekoppelt.» Sprich: Wenn die Spitex Mass hält, profitiert sie direkt von einer tieferen Miete.

Auf ein Ja zum Geschäft im Parlament hofft nicht zuletzt die Baugenossenschaft Pilatus selber. Sie konnte das Areal von der Gemeinde im Baurecht übernehmen und will ihr nun die Flächen verkaufen. Präsident Gianmarco Helfenstein sagt: «Der Einwohnerrat hat den Baurechtsvertrag vor zwei Jahren genehmigt, inklusive Spitex-Umzug – ein Nein jetzt zum Bericht und Antrag wäre politisch eine Katastrophe.» Auch wäre es gemäss ihm nicht einfach, dafür einen neuen Mieter zu finden. «Aber ich bin guten Mutes, dass das Parlament Ja sagt.» Für die Realisation des Gebäudes gibt die Baugenossenschaft 32 Millionen Franken aus. So soll es dereinst aussehen:

(Visualisierung: Hofstetter AG)

(Visualisierung: Hofstetter AG)

Laut Helfenstein sind die Bauarbeiten leicht in Verzug – der Aushub dauerte wegen des schwierigen Horwer Untergrunds länger als geplant: «Das holen wir aber beim Innenausbau wieder auf, sodass dem Bezug am 1. Oktober 2020 nichts im Weg steht.» Das Interesse an den 64 Wohnungen – die meisten mit 2,5 oder 3,5 Zimmern – ist gross: Über die Hälfte wurde gemäss Helfenstein bereits reserviert. Für 2,5 Zimmer bezahlt man je nach Lage und Grösse zwischen 1400 und 1870 Franken brutto. Die Gemeinde hat der Genossenschaft allerdings diverse Bedingungen auferlegt. Wer einziehen will, darf beispielsweise nicht zu viel verdienen und grosses Vermögen besitzen. Zudem müssen 25 Prozent der Wohnungen an Senioren vermietet werden.