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Zu viel Belohnung der Eltern schadet den Kindern

Der Kanton hat zum dritten Luzerner Elternbildungstag geladen. Schwerpunkt in den acht Workshops war das Aufwachsen der Kinder in einer Leistungs- und Konsumgesellschaft.
Stephan Santschi
Expertin Aline Engler (stehend) gibt Eltern in einem Workshop Erziehungstipps. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 24. November 2018))

Expertin Aline Engler (stehend) gibt Eltern in einem Workshop Erziehungstipps. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 24. November 2018))

Bei einer Sportveranstaltung würde es heissen: ausverkauft! Wie schon bei der letzten Austragung vor zwei Jahren war auch der dritte Luzerner Elternbildungstag ausgebucht. Rund 140 Personen verteilten sich auf acht Workshops. Und auch die 40 Plätze in der Kinderbetreuung waren restlos vergeben. «Es ist eine unserer Aufgaben, die Elternförderung zu intensivieren», erklärt Charles Vincent, Leiter der Luzerner Volksschulbildung. Der Anlass finde alle zwei Jahre statt und wird von vier kantonalen Dienststellen organisiert. Thema diesmal war das «Aufwachsen in unserer Leistungs- und Konsumgesellschaft».

Zu Beginn wurde dem Plenum eine besondere Referentin präsentiert: Christelle Schläpfer. Sie ist die Inhaberin der Firma «edufamily» mit Sitz in Winterthur, die Bildung und Beratung für Schulen und Familien anbietet. Im In- und Ausland ist sie für ihre Schulungen unterwegs, aktuell vor allem zu den Themen Mobbing und Cybermobbing. Generell stellt sie in Erziehungsfragen fest: «Der Familienstress nimmt zu. Die Anforderungen für Eltern sind mit Beruf, Kindern und persönlichen Problemen sehr vielschichtig. Die Erwartungen der Gesellschaft und jene an sich selber zeigen steigende Tendenzen.»

Liebevolles Nein statt Förderung des Konsums

In ihrer Rede kam Schläpfer auf das Erziehen in einer Konsumgesellschaft zu sprechen. Ein Argument, das Eltern von ihrem fordernden Nachwuchs oft zu hören bekommen, lautet: «Aber alle anderen haben das auch!» Bei genauerem Nachfragen stelle sich dann aber meistens heraus: So viele sind es gar nicht. Unbestreitbar ist hingegen die Vielfalt an Angeboten, die bereits im Kids-Kanal auf Youtube für eine Dauerberieselung sorgen. «Wenn nun das Kind ein neues Handy oder Trendkleider haben will, befürchtet die Mutter, dass es bei einem Nein in der Schule ausgeschlossen werden könnte.» Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit sei schliesslich für jeden Menschen sehr wichtig. «Wird dieses Bedürfnis nicht befriedigt, bricht das Motivationssystem zusammen.» Also besser nachgeben und den Selbstwert des Kindes mit Konsum aufpolieren? Schläpfer schüttelt den Kopf und betont: «Dann braucht es ein liebevolles Nein. Selbstvertrauen kann auch anders gestärkt werden, ausser bei jedem Trend mitzumachen.» Mit Respekt und Wertschätzung gegenüber den eigenen Kindern beispielsweise. «Sie sind zwar nicht gleichberechtigt, aber gleichwertig. Wenn ein Kind spürt, dass es okay ist, wie es ist, dann fühlt es sich auch gleich­wertig und dazugehörig.»

Apropos Motivation. Wie sinnvoll ist es, Kinder mit der Aussicht auf eine Belohnung zu einer gewissen Handlung zu bewegen? 20 Franken für ein gutes Zeugnis, zum Beispiel? «Ich versichere Ihnen, das wird teuer. Es fördert nicht nur den Konsum, sondern es schadet auch der ­inneren Motivation», erklärt Schläpfer. Physiologisch sei es nämlich erwiesen, dass nach einer erfolgreich erfüllten Aufgabe ein Dopaminausstoss im Gehirn für ein Gefühl innerer Befriedigung sorge. Diese Glückshormone bleiben aus, wenn stets eine äussere Motivation, sprich eine Belohnung, die Leistungsbereitschaft sicherstellt. Eine Studie offenbart sogar, dass Kinder, die immer alles sofort erhalten haben, später sowohl in der Schule als auch im Beruf weniger erfolgreich gewesen sind. «Wer ständig belohnt wird, fördert nur die äussere Motivation», sagt Schläpfer.

Beispiele aus dem Alltag von gestressten Eltern

Dabei wäre gerade das Üben des Belohnungsaufschubs sehr wichtig. Ein Kind müsse den Umgang mit Geduld und Frust lernen, da der Frontallappen, der unter anderem Kontrolle und Toleranz steuere, nach der Geburt noch nicht ausgereift sei und entwickelt werden müsse. Geschenke zu Weihnachten und Geburtstagen seien okay. «Auch unerwartete Belohnungen nach einer harten Arbeit machen Sinn.» Zur Gewohnheit werden dürften sie allerdings nicht.

«Dieses Referat war sehr gut», sagte später eine zweifache Mutter aus Buttisholz. «Es zeigt auf, dass manchmal auch unpopuläre Entscheidungen getroffen werden können.» Dann machten sich die Teilnehmer auf in die Gruppenräume, um von weiteren Experten einen Einblick in verschiedene Themen zu erhalten. Medienkonsum, Ernährung, Kinderfragen zu Sexualität, Umgang mit Geld oder die Pubertät standen im Fokus. Gut besucht war der Workshop zum Thema «Unter Spannung durch Stress und Leistungsdruck». Beispiele aus dem Alltag offenbarten, was die Luzerner Eltern beschäftigt. «Die Schule hat so viele Angebote. Was passt ins Familienleben?» – «Was mache ich, wenn meine Tochter keine Lust auf Klavierunterricht oder Hausaufgaben hat?» – «Wie reagiere ich, wenn mein Kind zunächst das Handy bedient, bevor es mit mir redet?» – «Wie regle ich Streitigkeiten unter Geschwistern?» – «Was mache ich mit meinem kleinen Sohn, der Mühe hat, sich in neue Gruppen zu integrieren?»

Diese und viele weitere Fragen wurden gestellt, kaum eine konnte aus Zeitgründen im Detail beantwortet werden. Die Eltern erhielten allerdings wertvolle Hinweise und Denkanstösse, wie sie künftig in gewissen Situationen reagieren können. Wer sich weitere Hilfe wünscht, kann sich an die kostenlose Erziehungs- und Familienberatung des Kantons wenden. Oder Chris­telle Schläpfer zu Rate ziehen.

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