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Geldmangel in Emmen: Einige Mitarbeiter haben den Bettel hingeschmissen

Die Gemeinde kämpft mit steigender Personalfluktuation, mehrere Kadermitarbeiter haben gekündigt. Auch wenn die Gründe dafür vielfältig sind – die finanzielle Lage Emmens ist daran nicht unschuldig.
Beatrice Vogel
Aussenansicht der Gemeindeverwaltung Emmen. Bild: Pius Amrein (16. November 2017)

Aussenansicht der Gemeindeverwaltung Emmen. Bild: Pius Amrein (16. November 2017)

Die Gemeinde Emmen hat derzeit mit diversen Problemen zu kämpfen. Nicht nur die Finanzen befinden sich in einer Talsohle, auch die Personalfluktuation hat im vergangenen halben Jahr zugenommen. Wie der Gemeinderat in einer Vorstossantwort schreibt, gab es bis Ende Mai 22 freiwillige Austritte – im gesamten Jahr 2017 waren es deren 19 (wir berichteten). Was sind die Gründe für die Fluktuation? Liegt es an der schwierigen Finanzlage? Teilweise, wie Recherchen unserer Zeitung zeigen.

Auffällig ist, dass mehrere Leitungspositionen neu besetzt wurden. Seit Januar 2018 wurden fünf Medienmitteilungen dazu verschickt. «Neuer Leiter Werkdienst», «Neuer Leiter Bereich Gesellschaft» oder «Neuer Chef Bevölkerungsschutz» hiess es etwa. Auch der Leiter Hochbau und Planung sowie der Kommunikationsbeauftragte haben – beide nach rund drei Jahren Anstellung – gekündigt.

Nach nur neun Monaten gekündigt

Zwei Kadermitarbeiter quittierten nach 12 und 22 Jahren den Dienst in Emmen. Er habe seine Arbeit geliebt, nun aber eine neue Herausforderung gesucht, sagt einer von ihnen, der nicht namentlich genannt werden will. Sein Abgang habe weder mit den Finanzen noch mit der Stimmung in der Verwaltung – die sehr gut sei – zu tun. «Wahrscheinlich ist das gerade eine Phase, in der sich die Kündigungen zufällig häufen», meint er.

Viele ehemalige Mitarbeiter möchten offiziell keine Angaben zu ihrem Abgang machen. So der Leiter Hochbau und der Leiter Werkdienst. Letzterer ist nach nur neun Monaten wieder gegangen. Ein ähnlicher Fall ereignete sich vor drei Jahren, als die damalige Leiterin Soziales, Jacqueline Chopard, nach knapp einem Monat die Stelle wieder abgab. Der Grund liege in unterschiedlichen sozial- und personalpolitischen Auffassungen, hiess es damals. Chopard sagte einige Zeit später in unserer Zeitung: «Nach der Erfahrung mit Emmen hätte ich eine Psychotherapie machen können».

Kritik an Personalführung des Gemeinderats

Kritik übt auch ein weiterer abgetretener Mitarbeiter, der anonym bleiben will. Es mangle in der Verwaltung an Teamentwicklung, die Personalführung sei schlecht. Der Gemeinderat greife konstruktive Vorschläge aus der Verwaltung nicht auf. Ohnehin werde nur verwaltet, weil kein Geld für Projektentwicklungen vorhanden sei. Das sei bedauerlich, denn die Gemeinde habe eigentlich viel Potenzial. «Wer entwicklungsorientiert arbeiten will, geht», so sein Fazit, aus dem er für sich die Konsequenzen gezogen hat.

Gemeindepräsident Rolf Born (FDP) sagt auf Anfrage, dass die Zusammenarbeit zwischen Gemeinderat und Verwaltung generell gut funktioniere. «Jeder Direktionsvorsteher führt anders, wir haben unterschiedliche Führungsstile. Darauf müssen sich Kadermitarbeiter einstellen.» Natürlich gebe es aber ausnahmsweise persönliche Differenzen. In der aktuellen finanziellen Situation scheitere man mit Projekten in der Tat oft an der Priorisierung, das gehe den Gemeinderäten nicht anders, so Born. «Deshalb ist es wichtig, Varianten aufzuzeigen, was aber nicht allen Mitarbeitenden gleich leicht fällt.»

«Sehr positive Erfahrungen gemacht»

Ein Mitarbeiter, der ebenfalls gekündigt hat, ist der Kommunikationsbeauftragte Nikola Janevski. Sein Grund: Er will eine Weltreise machen. «Ich habe sehr positive Erfahrungen als Mitarbeiter der Gemeinde Emmen gemacht», sagt er. Die Zusammenarbeit und das Arbeitsklima seien sehr gut, auch könne man alles offen ansprechen. Allerdings sei die Arbeitsbelastung in diesem Jahr sehr hoch, so Janevski, für ihn insbesondere wegen der vielen kommunalen Abstimmungen.

Janevski glaubt nicht, dass die finanzielle Situation allein der Grund für die momentane Fluktuation ist, da Emmen schon viele Jahre mit finanziellen Herausforderungen kämpft. «Möglicherweise haben wir auch aus diesem Grund eine sehr gute Zusammenarbeit. Man hilft sich.» Glaubt er, dass Projekte unter der Fluktuation leiden? «Zahlreiche Projekte konnten wegen des budgetlosen Zustands nicht realisiert werden. Es ist aber sicher nicht von der Hand zu weisen, dass Fluktuationen einen Einfluss auf Projekte haben, weil viel Know-how verloren geht.» Handkehrum brächten neue Mitarbeiter auch neue Ideen.

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