ZÜNFTE: Diese vier haben das Sagen

Die Landfasnacht wird von Überfliegern, Samba, Sport und Allianzen geprägt. Wir haben Zunftmeister und Zunftväter aus den Landzentren befragt, wie sie ihre persönliche Note einbringen.

Roger Rüegger
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Christoph Blum. (Bild: zvg)

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Stillschweigeabkommen: Chritoph Blum, Martini-Vater Hochdorf

Christoph Blum. (Bild: zvg)

Christoph Blum. (Bild: zvg)

Der Martinivater in Hochdorf heisst Christoph Blum. Das war bereits im Mai bekannt. Allerdings wussten dies nur seine Frau, er selber und sein Vorgänger mit seiner Gemahlin. «Wir mussten aufpassen, damit wir uns nicht verraten. Denn es ist den Mitgliedern der Martini-Zunft ja bekannt, dass der amtierende Martini-Vater seinen Nachfolger früh und heimlich bestimmt. So wurde bei mancher Gelegenheit gemunkelt und spekuliert, wer der neue Martinivater sein könnte», sagt der 49-jährige Generalagent einer Versicherung.

Er blieb verschwiegen bis zum Novemberabend des Zunftbots. «Ich musste zuvor bei mancher Gelegenheit stillhalten und das Lachen unterdrücken. Es war eine interessante Zeit», sagt Blum rückblickend. Den Fokus auf die Fasnachtszeit gerichtet, meint er: «Der Aufwand wird sicher gross. Aber bestimmt nicht so gewaltig, dass mir die Decke auf den Kopf fällt. Es gibt ein Pflichtenheft für den Martini-Vater. Die weiteren Termine kann man in einem vernünftigen Ausmass planen.» Das Motto seiner Fasnacht lautet: «Es lebe der Sport». «Ziel ist, dass jeder mit wenig Mitteln verkleidet ist und etwas machen kann an der Fasnacht», sagt der ehemalige Leichtathlet, der heute regelmässig joggen geht. Am Kinderumzug in Hochdorf erlebe man die Olympischen Spiele, was bestimmt eine spannende Angelegenheit werde. Sein persönlicher Höhepunkt ist der Umzug am Dienstag.

Christoph Blum war als Kind immer gerne an der Fasnacht zugegen. Später beim Studium in Basel sei er auch nicht ganz daran vorbeigekommen. «Aber ich war nie ein angefressener Fasnächtler, und Zunftmeister zu sein, war nie mein Lebensziel», gibt er zu. Aber jetzt stimme es für ihn und für die Familie.

Das Amt zuerst abgelehnt: Markus Limacher, Zunftmeister Karnöffel-Zunft Willisau

Markus Limacher. (Bild: zvg)

Markus Limacher. (Bild: zvg)

Ebenfalls für zwei Jahre wählt die Karnöffelzunft Willisau ihren Zunftmeister. Markus Limacher (55) ist wie sein Kollege in Wolhusen langjähriges Zunftmitglied. 1991 wurde er als Geselle und 1995 als Zünftler aufgenommen. Vor einigen Jahren wurde Limacher bereits als Zunftmeister vorgeschlagen – und lehnte ab.
«Für mich und meine Familie war es beruflich und privat ein intensives und interessantes Jahr. Ich arbeitete als UNO-Militärbeobachter auf den Golanhöhen auf der israelischen und auf der syrischen Seite. Das Amt des Zunftmeisters konnte ich damals praktisch nicht annehmen», erklärt Limacher, der heute als Leiter Logistik beim Amt für Militär tätig ist.

Nun ist der Zeitpunkt aber perfekt, und Limacher freut sich auf einen Höhenflug. Ganz nach seinem Motto «Über den Wolken mit Limi Air», das an seine vielen Jahre als Flugbegleiter erinnert, seine Tochter übt diesen Beruf heute aus. So ist seine Familie, die ebenfalls vom Fasnachtsvirus befallen ist, bestens involviert in Limis Zunftmeisterrolle. «Ohne Unterstützung der Familie wäre es nicht machbar», sagt er. So wird ihn seine Frau Claudia zu manchem Anlass begleiten. Neben den fixen Terminen in Kindergärten, Heimen oder bei anderen Zünften, wie Mitte Februar in Süddeutschland, kommt er auch mancher spontanen Anfrage nach. «Den Aufwand hat nicht nur der Zunftmeister alleine. Es müssen alle ihren Teil dazu beitragen, das sollte man nicht ausser Acht lassen», sagt er. Wenn bei Zunftmeistern von Aufwand die Rede ist, werden immer Vorstellungen von Wahnsinns-Geldbeträgen gehandelt. «Natürlich muss der Zunftmeister einzelne Anlässe aus dem eigenen Sack bezahlen. Man darf die Zünfte auf dem Land aber nicht mit den grossen städtischen vergleichen, wo teilweise hohe Summen aufgewendet werden.»

Unvergessen bleiben: Paul Furrer, Heini-Vater Sursee

Paul Furrer. (Bild: zvg)

Paul Furrer. (Bild: zvg)

Über dieses Thema gibt auch Paul Furrer Heini-Vater aus Sursee, bereitwillig Auskunft. «Geld allein entscheidet nicht über Qualität. Aber man sollte seine finanziellen Möglichkeiten nicht überstrapazieren. Mir persönlich ist das Amt als Heinivater aber etwas wert, ich leiste mir das und habe eine Saufreude», sagt der 46-jährige Inhaber der gleichnamigen Firma für Landmaschinen und Geräte.

Sein Motto heisst «Samba, Samba». «Ich bin ein Fussballfan, und meine Frau Silvie und unsere Tochter Yara sind total tanzbegeistert», sagt er. Die Frage, warum er sich als Selbstständiger mit 12 Angestellten den Aufwand als Heini-Vater und damit praktisch als Dauerfasnächtler aufhalst, beantwortet er rasch. «Es ist fast einfacher, an der Fasnacht mitzumachen, als abseitszustehen.» Das Amt des Heini-Vaters bedeute ihm viel, und er nehme es trotz der vielen fröhlichen Stunden entsprechend ernst. Er habe praktisch noch nichts anderes gemacht, als Glückwünsche entgegenzunehmen.

«Das System der Zunft Heini von Uri Sursee ist uralt mit einer hohen Tradition. Dem Heini-Vater werden viele organisatorische Dinge vom Weibel, der bei uns Zunftherr heisst, abgenommen. So kann er sich auf das Wesentliche konzentrieren», erklärt Paul Furrer. Der Heini-Vater selber wird nach seinem Amtsjahr automatisch Zunftherr.

Paul Furrer erwähnte bei seiner Antrittsrede den Heini-Vater, der vor 100 Jahren der Zunft vorstand. «Ich finde es fantastisch, wenn man sich nach so langer Zeit noch an einen Menschen erinnert. Vielleicht wird mein Name an dieser Stelle auch einmal genannt. So bin ich dadurch zwar nicht unsterblich, aber irgendwie unvergessen.»

Lange Fasnachtskarriere: Walter Röösli, Zunftmeister Schneckenzunft Wolhusen

Walter Röösli. (Bild: zvg)

Walter Röösli. (Bild: zvg)

Ja, ich bekomme tatsächlich einige Gelegenheiten, um etwas zu erzählen. Entsprechend gilt es für mich, ein paar Reden vorzubereiten», sagt Walter Röösli, Zunftmeister der Schnecken-Zunft Wolhusen. Er wolle ja nicht stets dieselben Geschichten bringen. Der 51-jährige Jäger ist ein Vollblutfasnächtler und ein stolzer Zunftmeister. Mit 15 war er bei den Entlebucher Jungkrähen, dann noch 13 Jahre bei den Napfruuggern, Romoos. Seit zehn Jahren ist er Zunftmitglied in Wolhusen. «Der Moment, in dem ich in die Zunft aufgenommen wurde, war eindrücklich. Bei uns wird man nach Dienstalter als Zunftmeister gewählt, so war es logisch, dass der Zeitpunkt einmal kommen wird. Nun ist er da», sagt er. Ein Nein sei nie ein Thema für ihn und seine Frau gewesen.

In Wolhusen findet dieses Jahr kein Umzug statt. Immer im «freien» Jahr wird der Zunftmeister für zwei Jahre gewählt. Röösli hat deswegen nicht weniger los als seine Zunftmeister-Kollegen. Er wird an den Umzügen in Entlebuch, Romoos und Doppleschwand offiziell dabei sein. «Zunftmeister ist ein prominentes Amt, das habe ich ja gewusst. Aber dass so viel auf mich zukommt ... Allein am Schmudo habe ich zehn Termine.» Doch der Mann mag sein Amt, das merkt man. «Der Zunftmeister befiehlt in Wolhusen und ist zwei Jahre der Chef der Zunft. So kann ich der Fasnacht meinen Stempel aufdrücken.» Sein Motto: Zünftler, Jäger ond anderi Lüt heis loschtig zäme jetzt ond hüt. Obwohl d Mönsche send verschede, d Fasnacht tuet Allianze schmede. Röösli ist, man ahnt es, Versicherungs-Hauptagent. Die innige Verbundenheit zur Fasnacht hat er bereits seinen Kindern vermacht. «Meine Tochter ist während des Fasnachtsumzugs 1997 geboren und der Sohn am Altfasnachtssamstag und spielt schon bei den bekannten Weidfägern mit», verrät er.