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ZUGENTGLEISUNG: Bahnhof Luzern: «Schäden sind grösser als angenommen»

Der Bahnhof Luzern wird bis am Sonntagabend gesperrt bleiben. Nur die Zentralbahn verkehrt wieder. Die SBB begründen die Verzögerung mit dem grossen Aufwand und mit Spezialanfertigungen.
Christian Glaus
In den frühen Morgenstunden waren die Bergungsarbeiten bei der Langensandbrücke noch in vollem Gang. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 23. März 2017))

In den frühen Morgenstunden waren die Bergungsarbeiten bei der Langensandbrücke noch in vollem Gang. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 23. März 2017))

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch

Alle paar Minuten ertönt auf dem Gleisfeld vor dem Bahnhof Luzern ein Horn. Es ist das Signal für die Spezialisten der SBB, dass ein Zug der Zentralbahn vorbeifahren wird. Es sind die einzigen Züge, die seit der Entgleisung des Eurocity der Trenitalia am Mittwochnachmittag in Luzern noch verkehren. Ansonsten ist der Bahnhof gesperrt – und das noch bis am Sonntagabend, wie die SBB gestern bekanntgaben. «Die Schäden sind deutlich grösser als ursprünglich angenommen», sagte SBB-Mediensprecher Oli Dischoe vor Ort. Dazu nennen die SBB eindrückliche Zahlen: 400 Meter Gleis müssen neu verbaut werden, vier Weichen müssen komplett ersetzt und zwei teilweise umgebaut werden. Zudem müssen zwei Fahrleitungsmasten und ein Joch über den Gleisen ersetzt werden sowie 150 bis 200 Tonnen Schotter für das Gleisbett bewegt werden. Laut Dischoe sind die Arbeiter Tag und Nacht im Einsatz.

Insgesamt wird der Bahnhof also während viereinhalb Tagen ausser Betrieb sein. «Dies scheint mir unverhältnismässig lang zu sein», sagt Walter von Andrian, Chefredaktor der «Eisenbahn-Revue». «Zwar ist es möglich, dass die SBB nicht alle Weichentypen an Lager haben. In der Regel sind diese aber recht schnell angefertigt.» Von Andrian vermutet, dass der Personalabbau in der Infrastruktur mitverantwortlich ist für die lange Sperrung. SBB-Sprecher Dischoe bestätigt, dass für die Reparaturen Spezialanfertigungen nötig sind. In welchem Umfang, kann er nicht sagen. Er betont, dass allein der Aufwand für die Instandstellung des Gleisbetts gross sei.

Teilsperrung des Bahnhofs geprüft

Die SBB haben auch geprüft, den Bahnhof während der Reparaturen teilweise wieder in Betrieb zu nehmen. Diese Option wurde allerdings schnell wieder verworfen. «Der Bahnverkehr wäre nur sehr eingeschränkt möglich gewesen, hätte aber die Arbeiten stark beeinträchtigt», sagt Dischoe. Mit der Totalsperrung könnten die Fachkräfte effizienter arbeiten, und somit könne der Bahnhof früher wieder in Betrieb genommen werden.

Der Sachschaden wird laut SBB in die Millionenhöhe gehen. Genauere Angaben dazu können sie nicht machen. Dafür sei es zu früh. «Wir haben natürlich eine Versicherung für solche Fälle, aber zum jetzigen Zeitpunkt können wir nicht sagen, wer welche Kosten übernehmen muss», teilt Toni Häne, Leiter Verkehr bei der SBB, auf Anfrage schriftlich mit.

Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hat ihre Abklärungen zum Bahnunfall aufgenommen. Bereits am Mittwochnachmittag waren vier Spezialisten vor Ort. «Unter anderem haben wir die Radprofile des Zugs gemessen. Diese geben Auskunft darüber, ob die Räder richtig auf den Schienen lagen», sagt Christoph Kupper, Bereichsleiter Bahnen und Schiffe der Sust, auf Anfrage unserer Zeitung. Zudem seien Beteiligte und Betroffene befragt worden. Mit dem Lokführer des verunfallten Zugs konnte die Sust allerdings noch nicht reden. «Dieser wurde vor unserem Eintreffen von der Polizei befragt und anschliessend nach Hause entlassen. Wir werden ihn in den nächsten Tagen befragen», so Kupper. Das gilt auch für den Lokführer eines entgegenkommenden Zugs, der den Unfall beobachtet hat. Der entgleiste Zug der Tren­italia wurde von einem SBB-Lokführer gesteuert. Dieser verfügt gemäss Sust über mehrjährige Berufserfahrung.

Am Anfang einer Weiche aus den Schienen gesprungen

Die Unfallursache ist laut Kupper offen. «Wir haben keine Hinweise auf Abweichungen gefunden, weder am Zug, noch an den Gleisen.» Im Vordergrund der Untersuchungen stehen Mängel an den Gleisen oder am Zug. «Auch die Geschwindigkeit könnte eine Ursache sein», so Christoph Kupper. Gesichert ist bisher einzig, dass der Zug bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Luzern Richtung Basel am Anfang einer Weiche aus den Schienen gesprungen ist.

Eisenbahnexperte Walter von Andrian weist darauf hin, dass bereits in den Jahren 2000 und 2001 ganz in der Nähe zwei Züge aus den Schienen gesprungen seien. Damals war die Infrastruktur für die Entgleisungen verantwortlich. Ob das auch in diesem Fall zutreffe, könne er nicht beurteilen. Es könnte auch an einem Mangel an den Fahrzeugen liegen. «Fakt ist aber: Die ganze Infrastruktur der SBB ist in einem mässigen Zustand. Seit der Jahrtausendwende haben sie einen riesigen Rückstand im Unterhalt.»

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