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ZUG/LUZERN: Brüder auf Rädern: 600 Rocker feiern Geburtstagsparty

Einer der ältesten Motorradklubs der Schweiz wird 30 Jahre alt. Zwei Biker sagen, wie es um die Szene steht – und räumen mit den Klischees auf.
Christian Hodel
Markus (links) und Marcel feiern mit ihrem Motorradklub Cheyenne MC Suisse Geburtstag. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Markus (links) und Marcel feiern mit ihrem Motorradklub Cheyenne MC Suisse Geburtstag. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Die Luft roch nach Benzin und verbranntem Gummi. Rund 600 Biker fuhren gestern mit schweren Maschinen nach Rotkreuz. Der 30. Geburtstag des Cheyenne MC Suisse – eines der ältesten Motorradklubs der Schweiz – wurde gefeiert. Elf Members (Mitglieder) zählt der Verein. Ihr Lokal steht in Buchrain im Industriegebiet an der Kantonsstrasse, direkt neben einem Swingerklub. Der Ort passt zum Ruf, der die Rocker umgarnt.

Bild: Corinne Glanzmann (Neue LZ)
Bild: Corinne Glanzmann (Neue LZ)
Bild: Corinne Glanzmann (Neue LZ)
Bild: Corinne Glanzmann (Neue LZ)
4 Bilder

Jubiläum MC Cheyenne

Keine Männer für den Kirchenchor

Als gewalttätige, bärtige Männer auf schweren Maschinen werden sie oft dargestellt – der Prostitution und dem Alkohol nicht abgeneigt. Immer mit einem Bein in der Illegalität ziehen die letzten Krieger gegen das Spiessbürgertum in den Kampf und verteidigen ihre Ideale – Freiheit, Freundschaft, Respekt und Bruderschaft. Doch halten die Klischees auch dem Faktencheck stand?

«Wir sind sicherlich keine Männer, die im Kirchenchor mitsingen», sagt Markus (58), Informatiker und seit 14 Jahren treuer Member der Cheyenne. Mit Prostitution und illegalen Geschäften habe man aber nichts am Hut. «Einige unserer Members sind verheiratet und haben Familie. Und alle gehen montags wieder zur Arbeit.» Sind die «schweren Jungs» also altersmilde geworden? «Es geht ruhiger zu und her. Das ist so. Der Radau ist weniger. Aber wenn es drauf ankommt, sind wir auch heute noch zur Stelle.»

Hart auf hart kommt es aber immer weniger. Es ist ruhig in der Schweizer Rockerszene. Im Gegensatz zu Deutschland, wo es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen von verfeindeten Klubs kommt. Die gute Einvernahme der Rocker ist auch damit zu erklären, dass sich drei Mal im Jahr alle Präsidenten der Schweizer Klubs zu einem runden Tisch treffen. «Dann wird der Mitgliederbestand aufgenommen und eine Standortbestimmung gemacht.» Was an den Treffen genau besprochen wird, bleibt fernab der Szene jedoch geheim.

Klubs müssen sich beweisen

Eine Hand voll grosse Motorradklubs ist derzeit in der Zentralschweiz aktiv. Mehrere Dutzend Klubs gibt es in der ganzen Schweiz. Mehrere hundert Mitglieder zählt die Szene, die ihre eigenen Regeln und Kontrollinstanzen hat. Wer in der Schweiz einen neuen Klub gründen will, muss sich beweisen und bei den anderen Motorradklubs vorsprechen. «Als wir das vor 30 Jahren taten, war das noch ziemlich einfach», sagt Markus. Heute müsse ein neuer MC zuerst richtig die Sporen abverdienen und anderen Klubs etwa bei Partys Helfer zur Verfügung stellen. Gut zwei Jahre dauert es, bis die Members eines neuen Motorradklubs ein dreiteiliges Grosspatch auf den Kutten tragen dürfen.

Seit einem Jahr streift sich auch Marcel (50) als Vollmitglied die Weste des Cheyenne MC Suisse über. Zuvor musste er sich – wie üblich unter Rockern – als Satellit, Hangaround und Prospect beweisen. «In dieser Zeit darf man keine ‹Scheisse› bauen. Man hat viele Pflichten und wenig Rechte», sagt Marcel. So gehöre es etwa zur Aufgabe eines Prospects, «seine Brüder» nach einer ausgiebigen Party wieder heil nach Hause zu bringen. Heute ist Marcel Sekretär des Klubs. Im Klublokal steht ihm eine kleine Kammer mit Schreibtisch und PC zur Verfügung. Dahinter an der Wand hängen Fotos. Es sind Männer zu sehen, die – gelinde gesagt – die Szene unrühmlich verlassen mussten. Ihnen haftet der Status eines «out in bad standing» an. Das heisst: Die ehemaligen Vollmitglieder haben ihrem jeweiligen Klub erheblichen Schaden zugefügt, das Vertrauen des MCs missbraucht, sich nicht an die internen Regeln gehalten. Sie gelten als «vogelfrei». Oder anders gesagt: Sie müssen mit Repressionen rechnen. So sind die Gesetze in der Rockerszene.

«Aus unserem Klub gibt es niemanden mit einem solchen Status», sagt der langjährige Member Markus. «Grundsätzlich kann jeder den MC verlassen, wenn es ihm nicht mehr gefällt oder er keine Zeit mehr hat.» Und Zeit, das braucht ein Cheyenne. Jeden Mittwoch treffen sich die Biker im Klublokal. Freitags und samstags wird ausgefahren oder ein befreundeter MC besucht. «Der abermalige Geburtstag der Grossmutter zählt nicht als Grund, um wichtigen Treffen fernzubleiben», sagt Markus. Familie und Job habe aber schon Vorrang – aus gutem Grund: «Ohne Job haben wir kein Geld und ohne Geld keinen Spass.»

Christian Hodel

Weitere Impressionen vom Treffen in Rotkreuz finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bilder

Biker aus der ganzen Schweiz feiern mit. So auch Jeannette Kaiser aus Altendorf. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Biker aus der ganzen Schweiz feiern mit. So auch Jeannette Kaiser aus Altendorf. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Töff an Töff - so sieht es beim Bikertreffen aus. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Töff an Töff - so sieht es beim Bikertreffen aus. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

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