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ZUG/LUZERN: EVZ setzt voll auf ID-Kontrollen

Trotz Krawallen: Der FCL will von ID-Checks beim Stadion nichts wissen. Beim EV Zug indes werden Match-Besucher schon seit 2012 registriert.
Jérôme Martinu und Sarah Weissmann
Foto und Ausweiskopie: Mit zwei mobilen Scannergeräten kontrollieren Sicherheitsleute an den Eingängen des EVZ-Stadions die Identität von Matchbesuchern. (Archivbild Keystone/Urs Flüeler)

Foto und Ausweiskopie: Mit zwei mobilen Scannergeräten kontrollieren Sicherheitsleute an den Eingängen des EVZ-Stadions die Identität von Matchbesuchern. (Archivbild Keystone/Urs Flüeler)

Jérôme Martinu und Sarah Weissmann

Krawalle anlässlich von Heimspielen des FC Luzern: Beim jüngsten Fall vom Pfingstmontag gerieten FCL- und FCZ-Anhänger in der Luzerner Neustadt heftig gewalttätig aneinander. Das Problem: Die Anstifter solcher Ausschreitungen können nur sehr vereinzelt identifiziert und bestraft werden. Die politische Debatte in Luzern läuft, dem FCL drohen höhere Abgeltungen für die Kosten von Polizeieinsätzen. Und die städtische CVP fordert mittels Postulat nun «Nulltoleranz», diese sei unter anderem mit Identitätskontrollen an den Stadioneingängen zu fördern.

Grund genug für FCL-Präsident Ruedi Stäger, in einem Schreiben an die Luzerner Kantons- und Grossstadträte die Bemühungen des Clubs in Sachen Sicherheit auszuführen (Ausgabe vom 10. Juni). Wiederholt betont Stäger, dass der Einfluss des FCL auf Geschehnisse im öffentlichen Raum gering sei. Eine Studie belege, dass sich 99 Prozent der Stadionbesucher sicher fühlen würden. «Das zeigt, dass die nun von vielen Seiten herbeigewünschte ID-Kontrolle überflüssig ist. Die Sicherheit im Stadion ist jetzt schon bestens. Und auf die Krawalle auf dem Weg zwischen Bahnhof und Stadion hat eine ID-Kontrolle keinen Einfluss», so Stäger im Brief.

Digitalfoto wird vor Ort erstellt

Wirkungslose ID-Kontrollen an Eingängen von Sportstadien? Auch wenn Fussball- und Eishockeysport nicht 1:1 vergleichbar sind: Bei den Zuger Hockeyanern des EVZ sind Krawalle von Supportern fremd. Dies liegt unter anderem daran, dass die Stadioneingänge seit Februar 2012 mittels elektronischer Identitätskontrollen gesichert werden. Heisst: Alle jeweils rund 300 Auswärtsfans und stichprobenartig auch die rund 6000 Heimfans müssen ID oder Ausweis am Eingang der Bossard-Arena auf einen Scanner legen. Das Dokument wird dann mit dem Kopfbild abgeglichen, das mit dem ID-Scanner in hoher Auflösung erstellt wird.

Die Personendaten werden vor Ort mit der nationalen Datenbank Hoogan des Bundesamtes für Polizei (Fedpol) verglichen. Personen, die mit Stadion- oder Rayonverbot belegt sind, werden am Matchbesuch gehindert. In der Hooligan-Datenbank landet, wer verbotene Pyros abfackelt, Landfriedensbruch begeht, Sachbeschädigungen begeht, sich prügelt oder Polizisten bedroht. Insgesamt waren per Ende Januar 1477 Personen registriert. Neue Zahlen gibt das Fedpol Ende Juli bekannt.

Gerät kostet 25 000 Franken

«Über drei Jahre führen wir solche ID-Kontrollen schon durch», sagt François Stocker, Delegierter für Sicherheit des EVZ, auf Anfrage. Damit habe man sehr positive Erfahrungen gemacht. Er sagt: «Seither hatten wir nie wieder Vorfälle. Keine Gewalt, keine rumfliegenden Bierflaschen – nichts. Wir sind wieder auf dem Niveau eines kulturellen Anlasses.» 25 000 Franken kostet eine elektronische ID-Kontrollstation – in Zug sind deren zwei im Einsatz. Das EVZ-Sicherheitspersonal wurde in Zusammenarbeit mit dem Fedpol ausgebildet. Die mit zwei Kameras und einem Laptop bestückten Geräte sind mobil. Auch im Stadion der Lausanner Eishockeyaner gibt es einen Scanner, in Bern wurden Versuche durchgeführt.

Die Personendaten werden vom EVZ nicht gespeichert, nur Polizei und Staatsanwaltschaft können darauf zugreifen. Gibt es keine Vorkommnisse, werden die Daten wieder überschrieben.

Wechseln Fans den Sektor?

Im Interview mit unserer Zeitung erklärte FCL-Präsident Ruedi Stäger zu den ID-Kontrollen: «Wenn das nur beim Eingang des Gästesektors gemacht wird, dann geht der Fan halt einfach in einen anderen Sektor, und das wollen wir nicht.» Die Heimspiele des FCL in der Swissporarena besuchten während der letzten Saison im Durchschnitt 10 000 Zuschauer (Stadionkapazität: 17 500). Zum Vergleich: Letzte Saison besuchten über 6300 Fans die EVZ-Spiele in der Bossard-Arena (Stadionkapazität: 7000).

Beim EVZ ist eine Durchmischung von gegnerischen Fangruppen gemäss Sicherheitschef François Stocker kein Problem. «Wenn jemand Krawalle machen will, dann muss er in der Masse untergehen können – das geht aber in den Heimsektoren nicht. Denn dort sind nur die EVZ-Fans, und ein Fan des Gegners würde sofort auffallen. Die soziale Kontrolle funktioniert hier tadellos.»

Interessant: Eine drohende Durchmischung von heimischen und auswärtigen Supportern war 2013 ein Thema. Es erfolgte seinerzeit der Aufruf von Fangruppen des SC Bern, für die Bos­sard-Arena Tickets in anderen als dem für Gäste vorgesehenen Sektor zu kaufen. Der Zuger Sicherheitsdienst hatte daraufhin gezielt nach den Supportern Ausschau gehalten und sie in den für sie vorgesehenen Sektor gewiesen.

Stocker: «Prävention garantiert»

Da im EVZ-Gästesektor flächendeckend kontrolliert wird: «Die Trefferquote des Scanners ist praktisch null. Jeder, der mit einem Stadionverbot belegt ist, weiss, dass wir kontrollieren, die präventive Wirkung ist damit garantiert», so Sicherheitschef Stocker Es gebe regelmässig etwa eine Gruppe Ambri-Fans, die aus Protest draussen vor dem Stadion blieben. Laut Stocker führe das aber nicht zu Problemen. Und wenn Aktionen im öffentlichen Raum geplant seien, so brauche es dafür eine Bewilligung der Behörden. «Die Zusammenarbeit mit Stadt, Kanton und Polizei läuft extrem gut», so François Stocker.

Die gute, «absolut einvernehmliche» Zusammenarbeit mit dem EVZ bestätigt auf Anfrage auch Marcel Schlatter, Sprecher der Zuger Strafuntersuchungsbehörden: «An einem gemeinsamen runden Tisch werden die Dispositive festgelegt. Sollte keine einvernehmliche Lösung gefunden werden, legt die Polizei gemäss Polizeiorganisationsgesetz das Dispositiv fest. Der finale Entscheid liegt bei ihr.» Was die ID-Kontrollen betrifft, so seien die Erfahrungen durchwegs positiv. Schlatter: «Seit der Einführung der verschärften Einlasskontrollen mussten wir deutlich weniger Ordnungsdiensteinsätze leisten – vergangene Saison gar keinen einzigen. Die Heimspiele des EVZ verlaufen heute absolut problemlos, und wir verzeichnen praktisch keine Straftaten mehr.»

Nur bestimmte Heimfans im Fokus

Was die einheimischen Fans betrifft, so schert der EVZ nicht alle über den gleichen Kamm. Familien oder ältere Besucher stehen gemäss EVZ-Sicherheitschef nicht im Fokus, hingegen männliche Erwachsene im Alter von zirka 15 bis 35 Jahren. Die Kontroll-Vorauswahl übernimmt jeweils eine erfahrene Sicherheitsperson. Wer sich beim Betreten des Eisstadions nicht kontrollieren lassen will, wird weggewiesen – auch wenn er ein gültiges Ticket hat. Der EVZ hat dies in seinen Geschäftsbedingungen abgesichert.

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