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ZUGUNFALL: «Simulatoren ermöglichen, solche Situationen immer wieder zu trainieren»

Wie müssen Lokführer bei einer Entgleisung reagieren? Der Krienser Einwohnerratspräsident Raphael Spörri kennt sich darin aus. Er ist als Lokführer selber auf dem Schienennetz unterwegs und arbeitet bei den SBB als Ausbildner.
Der Krienser Lokführer und Einwohnerratspräsident Raphael Spörri. (Bild: Boris Bürgisser (Kriens, 30.8.2016))

Der Krienser Lokführer und Einwohnerratspräsident Raphael Spörri. (Bild: Boris Bürgisser (Kriens, 30.8.2016))

Raphael Spörri*, sind Sie am Mittwoch auch im Zug stecken geblieben?

Glücklicherweise nicht. Ich hatte keinen Fahrdienst, sondern war im Büro. Dort habe ich kurz nach der Entgleisung davon erfahren. So etwas spricht sich natürlich schnell herum.

Was geht einem Lokführer bei einem solchen Ereignis durch den Kopf?

Ich hatte bisher zum Glück keine grösseren Unfälle, sondern höchstens kleinere Störungen zu bewältigen. Aber es ist klar, zuerst erschrickt man. Nachher sollte ein automatischer Prozess ablaufen. Das wird auch immer wieder geschult. Jeder Lokführer ist sich dieser Situation bewusst und beschäftigt sich innerlich öfters damit.

Was muss denn ein Lokführer nach einer Entgleisung machen?

Als erstes muss man die Gegenzüge alarmieren. Dafür gibt es einen Notrufknopf. Drückt man diesen zweimal, werden alle Gegenzüge gewarnt.

Und dann?

Bei einem Eurocity sind ja Zugbegleiter im Zug. Diese kümmern sich um die Passagiere, der Lokführer um das Technische. Oberste Priorität hat, dafür zu sorgen, dass die Unfallstelle möglichst schnell gesichert wird. Natürlich nimmt man auch mit dem Fahrdienstleiter in der Betriebszentrale Kontakt auf. Es gilt: Alarmieren, Verständigen, Sichern, erste Hilfe, weitere Abklärungen. Viel mehr kann man dann nicht mehr tun.

Wird man in der Ausbildung auf solche Situationen vorbereitet?

Ja, während der Ausbildung und der Weiterbildung ist das immer wieder ein Thema. Auch hat man mit den heutigen Simulatoren die Möglichkeit, solche Situationen immer wieder zu trainieren. Ich gehe aber davon aus, dass sich jeder Lokführer auch im Alltag mit solchen Situationen beschäftigt. Zusätzlich hat das Lokpersonal Merkblätter und Checklisten zur Verfügung, die ihm helfen, alles Nötige korrekt zu erledigen.

Bei den Schiffen gilt die Regel: Der Kapitän geht als letzter von Bord. Ist das im Zug auch so?

Diese Regel gibt es in diesem Sinn nicht. Ein Zug kann ja nicht untergehen. Es ist aber klar, die Evakuation der Passagiere erfolgt zuerst.

Bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Luzern gibt es mehrere Weichen und zusätzlich eine enge Kurve. Erhöht diese Kombination die Gefahr, dass eine Achse aus den Schienen springt?

Nein, das ist keine spezielle Situation. Es gibt viele solcher Stellen bei Bahnhofseinfahrten. In diesen Fällen wird die Geschwindigkeit an die Technik angepasst. Beim Bahnhof Luzern beträgt die Höchstgeschwindigkeit 40 km/h.

Die Eisenbahner sind zwar eine grosse Familie, aber man kennt sich. Wie haben Sie reagiert, als Sie vom Unfall erfahren haben?

Als erstes fragt man sich, ob es Verletzte gegeben hat. Der zweite Gedanke ist dann, was vorgefallen sein könnte. Hat der Lokführer einen Fehler gemacht? Ist ihm etwas passiert? Bei diesem Zug weiss man zudem, dass es ist kein Luzerner Lokführer war. Wir Luzerner fahren den ETR 610 nicht. Auf der Gotthardstrecke wird der Zug von Kollegen aus Basel, Zürich oder dem Tessin gesteuert.

* Raphael Spörri (52) arbeitet bei den SBB in Olten als Teamleiter im Bereich Ausbildung. Im Schnitt ist er einmal pro Woche als Lokführer unterwegs. Spörri ist derzeit auch Präsident des Krienser Einwohnerrats und der SP Kriens.

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch

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