Zum Tod von des Luzerner Autors
Werner Fritschi – seine kritische Stimme wird fehlen

Der Publizist und Autor Werner Fritschi ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Der liebenswürdige Menschenfreund und scharfzüngige Gesellschaftskritiker setzte sich insbesondere auch für die Anliegen der Jungen ein.

Pirmin Bossart
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Werner Fritschi im Dezember 2010 in seiner Wohnung in Luzern. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 5. Dezember 2010)

Werner Fritschi im Dezember 2010 in seiner Wohnung in Luzern. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 5. Dezember 2010)

Jedes Mal, wenn wir uns auf der Strasse begegneten, blieb er stehen und hatte ein paar freundschaftliche Worte oder einen markigen Kommentar auf den Lippen. In den letzten Jahren wurden diese Begegnungen seltener. Werner Fritschi war kaum mehr unterwegs.

Wo war er geblieben? Und der Journalist, der sich fragte, wie es ihm wohl ginge, war wieder mal zu spät. Am 6. Februar 2019 ist Werner Fritschi im Alter von 82 Jahren im Betagtenzentrum Eichhof gestorben.

Der ältere Herr mit den silbergrauen Haaren und dem grossen Hut war eine stattliche Erscheinung. Seine markante Stimme hörte man auch im Radio, wo Werner Fritschi mit seinen Kurzbeiträgen die Hörerschaft bei der Stange hielt. Was er sagte, war erlebt und durchdacht. Auch in seinen Büchern feilte er an seinen Sätzen, bis es für ihn stimmte. Fritschi legte Wert darauf, dass seine Botschaft verstanden wurde, eine Wirkung hatte.

Suchtprävention in Schulen

Während Jahrzehnten hat sich Werner Fritschi in seinem Beruf als Jugendarbeiter und später als Sozialberater mit der jungen Generation auseinandergesetzt und auch später als scharfzüngiger Publizist der Gesellschaft den Spiegel vorgehalten. Er war einer der ersten, der sich in den frühen 1960er Jahren mit den «Halbstarken» beschäftigte. Auch bei den Jugendunruhen der 1980er war er mit Referaten, Studien, Thesen und Diskussionsbeiträgen als Versteher und Vermittler präsent.

Seine schwierige Kindheit, die er im Waisenhaus Luzern und bei Pflegeeltern im Aargau verbrachte, hat ihn bisweilen noch bis ins hohe Alter verfolgt. Als junger Erwachsener engagierte er sich in der katholischen Jugend- und Sozialbewegung. Geprägt hat ihn unter anderem die Begegnung mit Abbé Pierre in Paris. 1962 bis 1970 leitete Fritschi die Abteilung Jugendfragen der Caritas Schweiz und machte Suchtprävention in den Schulen. 1971 gründete er mit einem Team den Beratungsdienst Jugend + Gesellschaft. Er wurde zu einer engagierten Stimme zwischen Subkultur und Behörden.

Kurz nach seinem 50. Geburtstag erlitt Werner Fritschi einen Hirnschlag, der seinem Leben und Denken eine neue Richtung gab. In der preisgekrönten Radiosendung «Ich bin jetzt wie ein Acker ...» (1988) und in seiner Autobiografie «Mitten drin» (2008) legt er packend dar, wie diese Zäsur ihn veränderte und neu formte. Der Hirnschlag habe ihm geholfen, seine Grenzen besser zu akzeptieren, schrieb er in der Autobiografie.

Ein Mensch mit Ecken und Kanten

Seitdem machte er sich als Autor und Publizist mit Radiosendungen, Kolumnen und Beiträgen in Fachzeitschriften einen Namen. Werner Fritschi war 56 Jahre mit Pia verheiratet und Vater von drei Kindern. Er hat über ein Dutzend Bücher geschrieben und zahlreiche Studien verfasst. Mit 75 Jahren veröffentlichte er die letzten zwei Erzählungen seiner Reihe «Grenzgänge». Die fünf Bücher legen Zeugnis ab von seiner Auseinandersetzung mit existenziellen Themen, wie sie jeden Menschen beschäftigen.

Werner Fritschi war ein Mensch mit Ecken und Kanten. Als kritischer Zeitgenosse hat er sich nicht gescheut, die Dinge beim Namen zu nennen. Die Gespräche mit ihm waren bereichernd, sie gaben zu denken, motivierten. Jetzt ist der liebenswürdige Menschenfreund und Gesellschaftskritiker gegangen. Wir werden ihn vermissen.

Die Abdankungsfeier findet am Freitag, 15. Februar, um 14 Uhr in der Kirche MaiHof in Luzern statt.