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Kommentar

Zunehmende Wachstumskritik: Ebikon könnte erst der Anfang sein

Eine Umfrage unter den Ebikonern zeigt, die Bevölkerung hat zunehmend Mühe mit dem rasanten Wachstum. In seiner Analyse stellt Stefan Dähler, stv. Ressortleiter Stadt/Region, fest, dass auch in anderen Gemeinden die Skepsis zunimmt.
Stefan Dähler
Stefan Dähler.

Stefan Dähler.

Mehr als die Hälfte der Ebikoner Bevölkerung steht dem Wachstum der Gemeinde skeptisch gegenüber. So lautet das Resultat einer am Donnerstag veröffentlichten Bevölkerungsumfrage, die nach dem Nein zu einem Bauprojekt auf dem alten MParc-Areal im Februar in Auftrag gegeben wurde (wir berichteten).

Dass der Gemeinderat die Stimmung in der Bevölkerung nicht richtig erkannte, kann man auch auf die fehlenden politischen Mitsprachemöglichkeiten zurückführen. Ein Parlament hätte wahrscheinlich dazu beigetragen, das Projekt zu redimensionieren oder gar zu sistieren, um den emotionalen Abstimmungskampf und die klare Niederlage (58,7 Prozent Nein-Anteil) an der Urne zu vermeiden.

Doch die Wachstum-Skepsis – auch wenn sie in der grössten Rontaler Gemeinde besonders ausgeprägt zu sein scheint – ist kein Ebikoner Phänomen. Das zeigt ein Blick über die Gemeindegrenzen. In der Nachbargemeinde Dierikon stösst das geplante Rontalzentrum auf Skepsis, in dem 350 Wohnungen entstehen sollen. Das Projekt ist für die 1500-Einwohner-Gemeinde aber auch eine sehr grosse Kiste.

In anderen Dimensionen denken Kriens und Emmen. Beiderorts wurde das Wachstum lange begrüsst. Emmen verkündete 2015 stolz, die Schwelle von 30000 Einwohnern erreicht zu haben. In Kriens entschied das Stimmvolk letztes Jahr, die Gemeinde in Stadt umzutaufen. Doch langsam könnte der Wind drehen. Ein erstes Anzeichen in Emmen war etwa die Rückweisung des Bebauungsplans Grünmatt Anfang 2018, bei der im Einwohnerrat auch wachstumskritische Argumente eine Rolle spielten. Später wurde eine neue Version gutgeheissen, die eine Realisierung in Etappen vorsieht. Nun kommt die SVP-Initiative für eine Wachstumsbegrenzung vors Volk. Auch der Gemeinderat hat gemerkt, dass deren Chancen intakt sind und einen Gegenvorschlag erarbeitet.

In der Stadt Kriens, die eine Wachstumsstrategie verfolgt, dauerte es noch etwas länger. Doch im vergangenen Mai lehnte der Einwohnerrat überraschend eine Überbauung auf dem Areal der ehemaligen jüdischen Schule ab – als Argument wurde auch das starke Wachstum im Gebiet Luzern Süd genannt. Ausserdem haben die Grünen eine Initiative lanciert, die ein Einzonungsmoratorium für 15 Jahre fordert. In Emmen ist eine ähnliche Motion der CVP hängig. Ein erstes Zeichen hat auch der Einwohnerrat in Horw gesetzt, als er im Februar den Planungsbericht für Luzern Süd ablehnend zur Kenntnis nahm. Folgen hat das zwar keine – das betroffene Gebiet befindet sich grösstenteils in Kriens. Aber es zeigt, dass auch hier die Kritik am Wachstum zunimmt. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Der erwartete Steuergeldsegen dank zusätzlicher Bewohner ist bisher nicht wie erhofft eingetroffen. Viele neue Wohnungen stehen derzeit leer. Die Strassen sind heute schon stark ausgelastet und durch die Veränderung des Ortsbilds sowie die Neuzuzüger geht ein Stück Identität verloren.

Gemeinderäte und Bauherren tun gut daran, diese Bedenken in den Planungen zu berücksichtigen. Einfach Projekte zu versenken, die in den kommunalen Nutzungsplanungen vorgesehen sind, wäre gegenüber den Landbesitzern und im Sinne der Planungsbeständigkeit zwar nicht fair. Doch man kann die Akzeptanz geplanter Projekte erhöhen. Ein Mittel sind grosszügigere Grünflächen. Das hat die Stadt Kriens im Gebiet Luzern Süd zu Beginn versäumt. Zudem hilft es, die Bevölkerung bei Planungen stärker einzubeziehen und aufzuzeigen, wie eine starke Verkehrszunahme verhindert werden soll. Eine weitere Massnahme wäre eine Realisierung in Etappen. So wird verhindert, dass viele Wohnungen lange leer stehen. Bezahlbare Wohnungen kommen in der Bevölkerung ebenfalls gut an – und sind auf dem Markt in der Regel auch begehrt. Andererseits gilt es in den finanziell angeschlagenen Gemeinden Ebikon, Emmen und Kriens eine Balance zwischen dem Zuzug guter Steuerzahler sowie Wohnraum für «Normalverdiener» zu finden.

Eine Patentlösung gegen Wachstumskritik gibt es nicht, dafür fehlt die Erfahrung im Umgang mit dem relativ neuen Phänomen. Spannend könnte daher ein Blick nach Ebikon sein: Nach der MParc-Abstimmung hat die Bauherrin des Sagenmatt-Projekts Bedenken der Bevölkerung aufgenommen. Nun werden verhältnismässig günstige Eigentumswohnungen realisiert. Bei der Abstimmung im Frühling 2020 wird sich zeigen, ob das wirkt. Das Resultat dürfte auch in anderen Gemeinden mit Spannung erwartet werden.

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