Zunft fragte zuerst die Partnerin

Wey-Zunft Fotograf Heinz Steimann ist Wey-Zunftmeister 2012. Selber im Fokus stehen ist für ihn eine neue Erfahrung.

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Wey-Zunftmeister Heinz Steimann (67) zu Hause in seinem Wohnzimmer mit Partnerin Brunella Tschudin (58) und Hund Benji. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Wey-Zunftmeister Heinz Steimann (67) zu Hause in seinem Wohnzimmer mit Partnerin Brunella Tschudin (58) und Hund Benji. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Fragt man einen Zunftmeister nach der Fülle seiner Vorfasnachtsagenda, kommt meist die Antwort, diese sei an der Kapazitätsgrenze. Nicht so bei Heinz Steimann (67), Wey-Zunftmeister 2012. Seit 1977 ist der selbstständige Fotograf Mitglied der Wey-Zunft und seit mehr als 30 Jahren deren offizieller Hoffotograf. «Meine Agenda sieht gleich voll aus wie die letzten drei Jahrzehnte. Im Gegenteil, die Vorfasnacht ist dieses Jahr eher etwas lockerer, denn ich werde ja von meinem Weibel Primo Luccarini herumchauffiert.»

Wunderschöne Bescherungsfahrten

Die Wochen vor der Fasnacht waren durch die traditionellen Bescherungsfahrten geprägt. «Es ist wunderschön, wie die Menschen, die wir besuchen, auf mich zukommen und mir gratulieren, denn viele kennen mich ja schon seit Jahren», berichtet Steimann und präzisiert: «Okay, man sagte mir auch schon ‹Grüezi Fritschivater›, aber das nehme ich sportlich, Zunftmeister ist Zunftmeister.» Die beiden grossen Luzerner Zünfte, die Safran-Zunft (mit dem Bruder Fritschi) und die Wey-Zunft, koexistieren friedlich nebeneinander.
Wie ist es für Steimann, für einmal selber im Fokus und im Rampenlicht zu stehen? «Gewöhnungsbedürftig», gibt er bei unserem Besuch in seinem mit Luftschlangen und Fröschen dekorierten Zuhause im Bodenhofquartier zu. «Ich verstehe nun, wieso es Menschen gibt, die das ständige Fotografieren nicht mögen. Aber es lässt sich halt nicht vermeiden, wenn man ein populäres Amt ausführen darf.»

Zur Wey-Zunft kam Steimann 1977 eher zufällig. Aufgewachsen im Pilatusplatzquartier, ging er mit Schulkollegen im damaligen Probelokal der Chatze-Musig spionieren. Die Schüler gründeten daraufhin selber eine Guuggenmusig. Später haute Steimann bei der Tschäderi Bumm tüchtig auf die Pauke. Die Kontakte zu den Zünften knüpfte er durch seinen Beruf. Er war deren Fotograf auf vielen Fasnachtsbällen. Mehrere Zünfte wollten ihn als Mitglied. Die Anfrage eines Kollegen, der in der Wey-Zunft war, gab den Ausschlag.

Die Wahl zum Zunftmeister 2012 hat ihn sehr überrascht. «Sie machten es, wie sie es noch nie getan haben: Sie fragten zuerst meine Lebenspartnerin Brunella und dann erst mich!» Brunella Tschudin (58) ergänzt: «Ich bin zuerst etwas erschrocken. Dann sicherte ich Heinz meine volle Unterstützung zu.»

Regelmässig nach München

Wenn Steimann seine Kamera einmal zur Seite legt, fährt er mit seiner Partnerin seit über zwanzig Jahren nach München, wo die beiden ein schönes Beziehungsnetz pflegen. Heinz Steimann hat eine erwachsene Tochter, Maria, und die zehnjährige Enkelin Vanessa. Mit zur Familie gehört Hund Benji. Dieser wird am Güdismontag auf Herrchen und Frauchen verzichten müssen, denn dann ist Steimanns grosser Tag. «Der Ablauf ist ja fix vorgegeben, und ich freue mich darauf. So richtig entspannen werde ich mich dann aber wohl erst abends im Stadtkeller, wenn ich mit Brunella und vielen Freunden zusammensitzen kann.»
Welchen Tipp hat der Zunftmeister für jene, die an der Fasnacht mit der Kamera unterwegs sind? «Am schönsten werden die Bilder, wenn das Gegenüber gar nicht bemerkt, dass fotografiert wird.» Nun, dies wird auch ihm am nächsten Montag einige Male passieren.

Yvonne Imbach