ZUNFT ZU SAFRAN: Der Männerbund und seine «weibliche Seite»

In der Fritschi-Kutsche vor dem Bärteliessen herrschte ein Frauen-Übergewicht. Fasnachtstraditionalisten witterten schon einen Skandal.

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Fritschivater Rolf Willimann mit Ehefrau Heike in der Fritschi-Kutsche. Rechts eine seiner Töchter. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 14. Januar 2017))

Fritschivater Rolf Willimann mit Ehefrau Heike in der Fritschi-Kutsche. Rechts eine seiner Töchter. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 14. Januar 2017))

Drei Frauen und nur ein Mann sassen am Samstag beim Bärteli­essen-Umzug der Zunft zu Safran in der Fritschi-Kutsche («Zentralschweiz am Sonntag» vom 15. Januar). Und schon witterten einige Alteingesessene, die den festlichen Zug vom Strassenrand aus verfolgten, einen Skandal. Das gehe nicht, die Safran-Zunft sei ein Männerbund und soll es gefälligst bleiben, meinten sie.

Fragen wir doch den diesjährigen Safran-Zunftmeister, Fritschivater Rolf Willimann, selber. Er sagt: «Die Zunftmeisterkutsche – ein Zunftmeistergeschenk aus dem Jahre 1932 – ist reserviert für die Familie des Zunftmeisters, so entspricht es seit mehreren Jahren dem zeremoniellen Protokoll. Da ich als aktueller Zunftmeister zwei Töchter habe, fahren diese selbstverständlich und ohne jeglichen Hintergedanken in der Kutsche mit.»

Ein Sturm im Wasserglas also? Dass die Gattin des Fritschivaters, die Fritschimutter, in der Kutsche mitfährt, ist eine Selbstverständlichkeit. Dass aber auch ihre Töchter mitfahren, ist – seien wir mal fasnachtstraditionalistisch stur – eher selten. Mitglieder der Zunft zu Safran dürfen bis heute nur Männer sein. Die Frage sei erlaubt: Will die Zunft nun vermehrt mit dem Zeitgeist gehen und die weibliche Seite mit einbeziehen? «Die um 1400 gegründete Zunft zu Safran ist eine historische Krämer- und Handwerkerzunft», sagt dazu Fritschivater Willimann. «Nebst der Verbundenheit zu den Traditionen der Stadt Luzern und der Pflege der Geselligkeit verfolgt die Zunft auch kulturelle und karitative Zwecke, entsprechend unserer Devise ‹Freude der Jugend, Liebe dem Alter, Hilfe den Armen›. Aktivitäten, die absolut dem heutigen Zeitgeist entsprechen. Dabei wird die weibliche Seite geschätzt und miteinbezogen, auch wenn eine direkte Mitgliedschaft derzeit nicht vorgesehen ist.»

Ein detailliertes Protokoll

Beim Zug der Safran-Zünftler durch die Altstadt zum Bärteli­essen im KKL fahren noch weitere Kutschen mit, für die Ehrengäste und den Zunftrat. Für den genauen Ablauf – inklusive Salutschiessen der Zunftgrenadiere – gibt es ein detailliertes Protokoll. «Dieses wird aber laufend hinterfragt und den neuen Gegebenheiten angepasst», betont Willimann. Die Abholung im Hotel Wilden Mann geht auf das Jahr 1970 zurück. «Der damalige Zunftmeister Fritz Furler, Besitzer und Hotelier dieses Hauses, setzte dies so fest», sagt Willimann. «Nachfolgende Zunftmeister übernahmen dieses Zeremoniell.» Auch die heutige Gestaltung des Schmutzigen Donnerstags mit Urknall, Fötzeli­regen, Ankunft der Fritschifamilie am Schweizerhofquai und Fritschiumzug ist jüngeren Datums (20 bis 25 Jahre alt). Eine längere Tradition haben die Besuche des Fritschivaters in Pflege- und Altersheimen zur Vorfasnachtszeit. Die Gestalt des Bruders Fritschi mit Fritschene und Fritschifamilie hingegen hat eine mehr als 500- jährige Geschichte; die Safran-Zunft pflegt das damit verbundene Brauchtum.

Die Wahl des Safran-Zunftmeisters geht aus dem verbindlichen Dreiervorschlag des Zunftrates und der Rechnungsprüfungskommission hervor. Der Kandidat wird vorher nicht angefragt, kommt also völlig überrascht zu Amt und Ehre. «Dennoch haben in den vergangenen 100 Jahren nur drei Kandidaten das anspruchsvolle, mit etwa 250 zusätzlichen Terminen sehr zeitintensive Amt abgelehnt.»

 

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch


Hinweis:

Protokoll der Zunft zu Safran Luzern »

Zeremonial Zunft zu Safran Luzern »