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ZUNFT ZU SAFRAN: Fritschivater Rolf Willimann: «Ich wählte die Pauke, damit ich mich drauf setzen konnte»

Rolf Willimann (56) ist Fritschivater 2017. Er erzählt von seinen fasnächtlichen Anfängen und verrät, warum ihm Traditionen wichtiger sind als Sport.
Yvonne Imbach
Rolf Willimann zu Hause mit Tochter Nadine (links), seiner Frau Heike und Tochter Céline (rechts). Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 18. Januar 2017)

Rolf Willimann zu Hause mit Tochter Nadine (links), seiner Frau Heike und Tochter Céline (rechts). Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 18. Januar 2017)

«Diese Wertschätzung, diese Warmherzigkeit, die ich vom ersten Moment an als Zunftmeister erfahren durfte, ist gewaltig und unbeschreiblich!» Diese Bilanz zieht Rolf Willimann (56), Zunftmeister der Zunft zu Safran und Fritschivater 2017, kurz vor dem Schmutzigen Donnerstag.

Dabei verpasste er den allerersten Moment, denn er fehlte ausgerechnet dieses Jahr am Bot der Zunft am Neujahrsabend. «Ich war entschuldigt, weil wir die Verwandten meiner Ehefrau Heike in ihrer Heimat Deutschland besuchen wollten.» Doch in der Verwandtschaft grassierte die Grippe, sodass Familie Willimann den 1. Januar zu Hause im Schädrüti-Quartier verbrachte.

Feste Grösse in der Fasnachtsszene

So kam es, dass sein Name am Bot ausgerufen wurde, während Willimann gemütlich zu Hause bei einem Glas Wein sass. Die Tradition will es, dass der amtierende Zunftmeister den neuen Zunftmeister anruft, falls dieser am Bot fehlt. «Mein Vorgänger Seppi Kreyenbühl war am Apparat und sagte, ich sei der Erst­genannte beim verbindlichen Dreiervorschlag. Er stehe draussen, und es sei sehr kalt, ich solle also gerne entsprechend wohlwollend antworten.»

Er habe dann schnell Ja gesagt, obwohl er aus allen Wolken gefallen sei. «Ich bin seit 2001 Geschäftsführer des Luzerner Fasnachtskomitees (LFK) und dachte, solange ich dieses Amt ausführe, zähle ich nicht zu den Wählbaren.» Nachher habe ihm seine Frau berichtet, seine Gesichtsfarbe habe sich während des Anrufs einige Male verändert. Auf ihre Unterstützung habe er sich übrigens ohne Rückfrage verlassen: «Ich wusste sofort, dass sie mitziehen wird.» Rolf und Heike (53) sind seit 28 Jahren verheiratet und haben zwei Töchter, Nadine (24) und Céline (21), die beide noch zu Hause leben.

Seit 26 Jahren ist Rolf Willimann Mitglied der Zunft zu Sa­fran. «Markus Ehrenberg, mein früherer Nachbar, ist ein Zünftler und klärte mich über das Zunftleben auf. Sein Plädoyer motivierte mich zur Aufnahmebewerbung. Er war auch mein Zunftgötti.» Seither ist Willimann eine feste Grösse in der Luzerner Fasnachtsszene. Er war Mitglied des Umzugskomitees und ist wie erwähnt seit 2001 Geschäftsführer des LFK. Die private Fasnacht wurde zurückgestuft: «Mit meinen ganzen offiziellen Tätigkeiten wie Us­güüglete, Fasnachtsmäärt, Tagwach und so weiter gibt es nicht mehr viele private Momente. Anfang der Achtzigerjahre war ich ein, zwei Jahre Mitglied bei der Chachelermusig. Ich wählte die Pauke, weil ich mich in den Pausen drauf setzen konnte.»

800 Päckli wurden verteilt

So eine Pauke hätte der selbstständige Treuhänder und Immobilienverwalter mit eidgenössischem Fachausweis in der Vorfasnachtszeit das eine oder andere Mal gebrauchen können. «Meine Agenda ist übervoll. Ich schaffe es derzeit nur zwei- oder dreimal einen halben Tag pro Woche ins Büro.» Grosse Unterstützung erfährt er von seiner Ehefrau und von seinem Weibel Pascal Piffa­retti. «Er ist das vierte Jahr Weibel und zum Glück sehr routiniert. So bekomme ich rechtzeitig ein SMS mit der Terminerinnerung und der Kleidervorschrift, die es einzuhalten gilt.» Zudem sei sein Büroteam grossartig. «Es hat mich stark berührt, dass mein Team mir am Bärteli­essen eine Produktion geschenkt und mir so Anerkennung erwiesen hat, obwohl jetzt alle viel mehr Arbeit haben.»

Die letzten Wochen waren gefüllt mit Terminen, ein Grossteil sind Bescherungsfahrten in Altersheime, in ein Jugendheim und eine Schule. Gemäss dem Credo der Zunft «Freude der Jugend, Liebe dem Alter, Hilfe den Armen» hat sich Rolf Willimann auf die Heim- und Schulbesuche gefreut, die bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Allein für die Altersheimbesuche wurden rund 800 Päckli zusammengestellt, wie der Fritschivater erzählt. Und was kam rein? «Unter anderem Wein, Orangen, Notizblöcke, Schreibzeug, Taschentücher und natürlich viele Naschereien.» Hat der leidenschaftliche Zünftler noch andere Hobbys? «Da ich Traditionen sehr schätze, bin ich Mitglied bei den Herrgottskanonieren Luzern. Zudem bin ich oft und gerne im KKL anzutreffen, weil ich klassische Musik liebe.» Und wie ist es mit Sport? «Meine Unsportlichkeit ist fast schon legendär», gesteht Willimann. «Immerhin spiele ich Golf – wenn auch nur mit mässigem Erfolg», schmunzelt er unter seinem Schnauz, der ein bisschen sein Markenzeichen ist. Eine weitere Eigenschaft sei seine Gewissenhaftigkeit, und er sei ein emotionaler Mensch.

Apropos Emotionen: Was ist für ihn typisch Fasnacht, und was würde er der nächsten Generation weitergeben? «Die Fasnacht ist eine gute Gelegenheit, Toleranz zu leben, Zusammengehörigkeit zu feiern und ohne Aggressionen zu festen, die verschiedensten Facetten der verkehrten Welt zu geniessen, um anschliessend gestärkt in den Alltag zurückzukehren.»

Yvonne Imbach

stadt@luzernerzeitung.ch

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