Zunftmeister darf nun bei Rot über die Ampel

Tanzen, intrigieren und anstossen: Der Lozärner Fasnachtsball sorgte für rüüdig schöne Stimmung im Hotel Schweizerhof.

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Wey-Zunftmeister Hans Steimann wird von den kostümierten Polizisten am Ball «gebüsst» (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Wey-Zunftmeister Hans Steimann wird von den kostümierten Polizisten am Ball «gebüsst» (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Das Publikum unterhalten, sich selbst nicht zu erkennen geben, die schönste Zeit des Jahres geniessen – genau dafür steht der alle zwei Jahre stattfindende Lozärner Fasnachtsball. Die Guuggenmusig Nölli Grötze liess am Samstagabend im Hotel Schweizerhof den Zeugherrsaal zum Auftakt musikalisch erzittern. Verschiedene Formationen heizten den tanzfreudigen Gästen bis in die Morgenstunden mächtig ein. Auch der diesjährige Wey-Zunftmeister Heinz Steimann beehrt den Ball, der heuer zum fünften Mal über die Bühne ging, mit seiner Anwesenheit. Auf die Querelen zwischen den «Tatort»-Machern und den Zünften angesprochen, winkt der 66-Jährige schmunzelnd ab: «Dabei handelt es sich um einen grossen PR-Gag des Schweizer Fernsehens.»

Die neu uniformierte "Stattpolitzei."
13 Bilder
Die Guugenmusig Födlitätscher
Andreas Heer und Ursula Bühlmann werden in Szene gesetzt.
Ursula und Kurt Bühlmann werden in Szene gesetzt.
LFK Ersatzfotograf bei der Arbeit.
Mitglieder der neu uniformierten "Stattpolitzei."
Die neu uniformierte «Stattpolitzei» begrüsst den Wey- Zunftmeister Heinz Steinmann.
Man schwingt vergnügt das Tanzbein.
Sandra Blättler.
Sandra Blättler hat sichtlich Spass am Tanzen mit Mano Herren.
Die original Samstigmusig.
Bild: Leserbilder Rita Räber/Robert Habijan

Die neu uniformierte "Stattpolitzei."

«Stattpolitz-Ei» rückt an

Kaum sind diese Worte ausgesprochen, wird Steimann von der «Stattpolitz-Ei» in die Mangel genommen. Aber statt Bussen gibt es aus dem Departement «Stemmer-ei» (in Anspielung auf Stadträtin Ursula Stämmer) für einmal «Ordnungsgutscheine»: So darf Steimann einmalig bei Rotlicht grün sehen und erhält von den Beamten auch einen Freipass für eine Nachtruhestörung in die Hand gedrückt. Die neue Uniform der «Stattpolitz-Ei» zeichnet sich übrigens durch ein tolles Extra aus: Das Blaulicht ist standardmässig auf dem Kopf der Einsatzkräfte montiert. Mit ihren (erflunkerten) 100 Jahren gehört Lina Haas aus Luzern sicher zu den «ältesten» Fasnachtsverrückten am Ball. «Wir hatten einen tollen Auftritt», sagt die sichtlich stolze «Miss Schweiz 1932», die mit ihrer Freundin gekommen ist. Wenn auch in die Jahre gekommen; mit der heutigen Technologie kennt sie sich aus. Davon zeugte ihr selbst gebasteltes «Fon» der Marke «Ei-Pel». Einen witzigen und lebhaften Auftritt hatte auch City-Vereinigung-Präsident Franz Stalder, der vollmaskiert erschienen war: «Das Spiel mit dem ahnungslosen Publikum ist wunderbar.» Peter Krummenacher vom Organisationskomitee sagt: «Es ist eine der wenigen Chancen, einen traditionellen Fasnachtsball in Luzern zu erleben.» Wehmütig ergänzt der begeisterte Fasnächtler: «Mit unserem Ball bewegen wir uns in einer Randzone – das Interesse am traditionellen Intrigieren nimmt leider ab.» Ob der Ball in zwei Jahren wieder stattfindet, sei noch offen.

Yves Portmann