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ZUNFTMEISTER MARCO WICKI: «In jedem von uns steckt ein Original»

Marco Wicki (38) ist der neue Güüggali-Zunftmeister. Er beklagt die zunehmende Anonymität in der Stadt und will wieder vermehrt junge Leute für die soziale Tätigkeit der Zunft gewinnen.
Güüggali-Zunftmeister Marco Wicki auf dem Männliturm. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 11. Januar 2017))

Güüggali-Zunftmeister Marco Wicki auf dem Männliturm. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 11. Januar 2017))

Mit 38 Jahren ist er ein junger Zunftmeister. Dennoch geht Marco Wicki bereits selbst als Stadtoriginal durch. Er hat zahlreiche Vereine ins Leben gerufen, war Gründungsmitglied des städtischen Jugendparlaments, sass für die FDP ein halbes Jahr im Stadtparlament und ist heute noch Mitglied in Organisationen wie dem Tambourenverein, den Stadtschützen, dem Hornschlittenclub, dem Quartierverein Altstadt, den Herrgottskanonieren oder der Schmiedezunft, die dem alten Restaurant Schmiede nachtrauert. «Bekannte meinen, mit diesem Lebenswandel werde ich nicht alt», sagt Wicki mit einem Augenzwinkern. «Doch sonst würde es mir zu langweilig.»

Gewählt wurde «Lego», wie Marco Wicki seit seiner Pfadizeit genannt wird, Ende 2016 (wir berichteten). Nun leitet er ein Jahr lang die Geschicke der Güüggali-Zunft, die sich um die Luzerner Originale kümmert. Das heisst, er organisiert vor allem Anlässe wie eine Bootsfahrt, einen Luga-Besuch oder zusammen mit dem Präsidenten die traditionelle Weihnachtsfeier.

Vier völlig verschiedene Berufe

Anders als bei den grossen Fasnachtszünften muss der Güüggali-Zunftmeister für die Anlässe jedoch nicht tief in die eigene Tasche greifen. «Das ginge auch gar nicht, da ich an verschiedenen Orten Teilzeit arbeite», sagt Wicki, «und zwar als Schulzahnpfleger, Wärter im Hirschpark Luzern, Turmuhren-Assistent im Rathaus und im Zytturm sowie als Hauswart im Korporationsgebäude an der Reuss».

Die Anlässe werden daher teils aus der Zunftkasse finanziert, also durch Mitgliederbeiträge und das Zunftvermögen. «Das reicht aber noch nicht weit. Wir erhalten viel Unterstützung von Gönnern oder Betrieben und Restaurants, die uns etwas spendieren», sagt Wicki. Er nennt ein Beispiel: «An der letzten Weihnachtsfeier mussten wir aus Spargründen auf Kafi Schnaps verzichten.» Dies wurde auch in unserer Zeitung erwähnt (Aus­gabe vom 14. Dezember 2016). «In der Folge erhielten wir zahlreiche Schnapsflaschen geschenkt, an der nächsten Feier gibt es nun wieder Kafi Schnaps.»

Sein Ziel für dieses Jahr ist, die Bevölkerung auf die Zunft aufmerksam zu machen «und so den einen oder anderen Batzen reinzuholen». Mittelfristig soll das Archiv, in dem Gegenstände verstorbener Originale aufbewahrt werden, vom Reusszopf wieder ins Stadtzentrum ziehen. 2014 musste die Zunft ihre Räumlichkeiten in der Altstadt wegen einer Sanierung verlassen. «Im Reusszopf kommen weniger Leute, im Zentrum sind die Mieten jedoch zu hoch.»

«Die Originale sind weniger bekannt als früher»

Auch die Suche nach neuen Originalen ist schwieriger geworden. 27 sind es heute, zuletzt sind Gratulationskartenverkäufer André Wittlin, «Kripochef» Eduard Linder oder Losverkäufer Rolf Buff gestorben. «Auch wenn ab und zu neue Originale dazukommen, nimmt die Zahl tendenziell ab», sagt Wicki. «Vor allem aber sind die Originale in der Bevölkerung weniger bekannt als früher.» Welches sind die Gründe? «Die Stadt ist anonymer geworden», sagt Wicki. «Man gibt sich weniger mit seinen Mitmenschen ab und geht nicht mit offenen Augen durch die Stadt.» Auf der anderen Seite seien die Leute heute weniger mutig. «In jedem von uns steckt ein Original», meint er. «Doch die Leute haben Angst, das Gesicht zu verlieren. Man will beruflich erfolgreich sein und nirgends anecken.» Wicki geht selbst mit gutem Beispiel voran. «Eine nette Geste oder ein Lob kann schon viel bewirken», sagt Marco Wicki.

So wird man ein Original

Vorschläge für neue Luzerner Originale kommen aus der Bevölkerung oder teils auch aus den Medien. «So kann eine in der Zeitung porträtierte Person für uns spannend sein», sagt Marco Wicki. Genaue Kriterien gebe es keine. «Die Zünftler und die bisherigen Originale entscheiden gemeinsam, ob jemand in die Gemeinschaft passt oder nicht.» Ein Original muss nicht zwingend in der Stadt Luzern wohnen. «Wir verstehen die Agglomeration als Einheit.» Was die Originale verbinde, sei, dass sie auffallen oder die Leute «zum Schmunzeln, Staunen oder Nachdenken» bringen. Sonst seien sie sehr unterschiedlich. «Einige haben einen normalen Beruf, andere leben am Existenzminimum», sagt Wicki. Um Letztere in Notsituationen zu unterstützen, hat die Zunft eine Stiftung gegründet. (std)

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Weitere Infos unter: www.gzlu.ch

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