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Spitex-Eklat in Kriens: Blick nach Zürich wirft weitere Fragen auf

Den Angehörigen eines Schwerkranken wurde von der Spitex Kriens der Vertrag gekündigt. Die Art und Weise dieses Vorgangs bleibt fragwürdig. Ein Beispiel der Stadt Zürich zeigt, wie man es besser machen kann.
Thomas Heer
Ein Krienser Ehepaar betreut den Bruder der Frau seit Wochen ohne Spitex-Betreuung. (Symbolbild: Gaetan Bally/Keystone)

Ein Krienser Ehepaar betreut den Bruder der Frau seit Wochen ohne Spitex-Betreuung. (Symbolbild: Gaetan Bally/Keystone)

Barbara Schoch und Gilles Morf pflegen seit rund 20 Jahren ihren Bruder respektive seinen Schwager. Der mittlerweile 60-jährige Patient ist aufgrund eines Hirntumors schwer handicapiert. Er kann weder laufen noch sprechen. Umso härter traf es das Krienser Ehepaar, als ihnen Ende letzten Jahres die Kündigung der Spitex Kriens ins Haus flatterte.

Über den Fall Schoch/Morf berichtete die «Zentralschweiz am Sonntag» bereits vor einer Woche. Die Spitex Kriens hat die Kündigung denn auch begründet – es wurden fachliche und me­dizinische Gründe aufgeführt. Fakt ist: Diese wurden in einem Schreiben von Hausarzt Peter Mattmann Ende Dezember – adressiert unter anderem an den Spitex-CEO Hannes Koch und den Stadtkrienser Sozialvorsteher Lothar Sidler – Punkt für Punkt widerlegt. Peter Mattmann betreut den Patienten seit zirka zwei Jahrzehnten. Dass es in Bezug auf die medizinische Betreuung des Patienten nichts Gravierendes zu beanstanden gibt, zeigt auch der Bericht der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde von Mitte Januar 2019.

In Zürich entscheidet nicht der Spitex-Verein

In der Kündigungsbegründung der Spitex findet sich auch ein Kapitel «Vertrauensverlust». Es ist darin aber keine Rede davon, dass zwischen der Spitex Kriens und dem Ehepaar etwas Heftiges vorgefallen wäre.

So deutet also nichts auf das Vorhandensein von Gründen hin, wie sie zum Beispiel in Zürich vorliegen müssen, damit eine Spitex eine Leistungsvereinbarung mit einer Gemeinde kündigen darf. Das zeigt die Nachfrage beim Leiter Finanzen, Controlling, Spitex bei den städtischen Gesundheitsdiensten der Stadt Zürich, Thomas Büchler. Er schreibt:

«In ganz schwerwiegenden Fällen, was
drei bis viermal im Jahr vorkommt, können
die Spitex-Vereine von der Leistungspflicht entbunden werden.»

Unter schwerwiegenden Fällen versteht Büchler unter anderem, wenn beispielsweise Pflegepersonal «bedroht» wird. In der Angelegenheit Schoch/Morf versus Spitex Kriens ist in den umfangreichen Dokumenten, die der Redaktion vorliegen, wie bereits erwähnt, in keiner Art und Weise herauszulesen, dass es sich um einen «schwerwiegenden» Fall im Sinne dieser Definition handelt.

Im Übrigen wird in der Stadt Zürich der definitive Kündigungsentscheid von Thomas Büchler gefällt: Dies nach «sorgfältiger Abwägung der Situation». Es dürfe, so Büchler, keine Fremd- oder Selbstgefährdung vorliegen. Wenn nötig werde auch ein Psychiater oder sogar der Bezirksarzt in den Prozess mit einbezogen In Kriens wurde die Kündigung ohne Support eines amtlichen Arztes vollzogen. Nicht einmal der Hauarzt, Peter Mattmann, war daran beteiligt.

Lothar Sidler bezeichnet den Vergleich mit den Regeln in der Stadt Zürich als «irrelevant.» Er schreibt:

«Im Kanton Luzern gelten
die Regeln des Kantons Luzern.»

Und mit dem Verweis auf Zürich sei «nicht erwiesen, dass Spitex Kriens mit der Kündigung gegen die im Kanton Luzern geltenden Regeln verstossen hat».

Nun geht es darum, dass die Familie Schoch/Morf, die den Patienten seit Wochen ohne Spitex-Unterstützung pflegt, wieder von der Spitex-Kriens unterstützt wird. Die Bereitschaft dazu signalisieren sowohl Spitex-Präsidentin Helene Meyer-Jenni wie auch der Krienser Sozialvor­steher Lothar Sidler, in einem Schreiben an die Redaktion.

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