Das Pflegezentrum Adligenswil braucht eine zusätzliche Finanzspritze – sonst droht der Konkurs

Mit zusätzlichen 8,9 Millionen Franken will der Gemeinderat die Schulden und Altlasten des Zentrums Riedbach nun definitiv abtragen. Ein erhöhter Pflegebedarf führte zu zusätzlichen Mehrkosten.

Hugo Bischof
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Das Pflegezentrum Riedbach in Adligenswil kurz vor seiner Eröffnung Anfang Februar 2019.

Das Pflegezentrum Riedbach in Adligenswil kurz vor seiner Eröffnung Anfang Februar 2019.

Bild: Manuela Jans-Koch (Adligenswil, 2. Februar 2019)

Um das strukturelle Defizit des Pflegezentrums Riedbach in Adligenswil abzutragen und dessen Liquidität zu sichern, braucht es eine weitere Finanzspritze der Gemeinde im Umfang von 8,9 Millionen Franken. Das teilte der Adligenswiler Gemeinderat am Mittwoch mit. Bereits unmittelbar nach der Eröffnung des Pflegezentrums, im Frühling 2019, war die Gemeinde mit einer Finanzhilfe von 4,4 Millionen Franken eingesprungen.

«Damals war aber das ganze Ausmass der strukturellen Defizite noch nicht erkennbar», sagt Markus Gabriel, seit Anfang September neuer Gemeindepräsident von Adligenswil.

«Heute zeigt sich, dass eine ausgeglichene Finanzrechnung des Pflegezentrums unter den gegebenen Umständen nicht möglich ist.»

Grund dafür seien einerseits die veränderte Nachfrage, andererseits auch Fehlannahmen in der Planungs- und Aufbauphase.

Viel mehr Demenzerkrankte

«Ursprünglich wurde keine Demenzabteilung geplant, dann eine kleine Abteilung mit fünf bis sechs Bewohnern», erläutert Gabriel. «Heute sind es bereits 17 Bewohner, künftig wird mit rund 20 Demenzerkrankten und Personen mit erhöhtem Betreuungsbedarf gerechnet.» Das führe auch zu höheren Personalkosten, die so anfänglich nicht vorhersehbar gewesen seien. Die Coronakrise habe die Situation zusätzlich verschärft: «Viele ältere Personen haben ihren Eintritt in das Pflegezentrum deshalb auf später verschoben. Diese Erträge fehlen uns nun.» 83 Prozent betrug die Auslastung des Pflegezentrums Riedbach Ende August. «Wir rechnen mit derselben Auslastung Ende September», sagt Gabriel. Längerfristiges Ziel seien 95 Prozent. Das Pflegezentrum Riedbach verfügt über 56 Betten.

Zusammenschluss schafft Mehrwert

Die gemeindeeigene Pflegezentrum Riedbach AG (PZR AG) als Betreiberin des Pflegezentrums sowie die Genossenschaft «Wohnen und Leben am Riedbach» als Eigentümerin der Liegenschaften sollen zusammengelegt werden. In der Planungs- und Aufbauphase des AGZ sei die Parallelkonstruktion notwendig gewesen, schreibt die Gemeinde: «Dank der starken Verankerung der Genossenschaft in Adligenswil war es möglich, das Grossprojekt zu finanzieren.» Heute, in der Betriebsphase, habe sich die Situation verändert. Dank der Zusammenlegung werde die neue Alters- und Gesundheitszentrum Adligenswil AG künftig in den Genuss von Vorzugszinsen für Unternehmen der öffentlichen Hand kommen. «Bei einem Refinanzierungsvolumen von 26,4 Millionen Franken ist allein deshalb mit Einsparungen von 234'000 Franken pro Jahr zu rechnen.» Pius Bernet, Verwaltungsratspräsident der PZR AG, betont: «Der Zusammenschluss ermöglicht eine effiziente Alters- und Gesundheitsversorgung aus einer Hand.»

Für den Zusammenschluss ist die Zustimmung der Genossenschafter an einer ausserordentlichen Generalversammlung am 26. November notwendig. «Wir sind überzeugt, dass damit unser Generationenwerk nachhaltig gesichert wird», bekräftigt Roland Sigrist, Präsident der Genossenschaft. Für die Bewohner sowohl der Seniorenwohnungen als auch des Pflegezentrums werde sich aufgrund des Zusammenschlusses nichts ändern. Auch die Genossenschafter und Darlehensgeber der Genossenschaft können ihre Privilegien behalten.

Die Adligenswiler Bevölkerung wird am 29. November über den Zusatzkredit abstimmen. Konkret ist Folgendes vorgeschlagen:

  • Beitrag in der Höhe von 2,8 Millionen Franken zur Deckung der kumulierten Verluste der Jahre 2018 und 2019.
  • Beitrag in der Höhe von 2,6 Millionen Franken zur Deckung des prognostizierten Verlustes des Jahres 2020 (inklusive sämtlicher Restrukturierungskosten).
  • Beitrag in der Höhe von 3,5 Millionen Franken zur Sofortabschreibung von Anlagevermögen, um künftige Belastungen der Betriebsrechnung zu eliminieren.

Zusammen ergibt dies einen Betriebsbeitrag von 8,9 Millionen Franken, der zu Lasten der Erfolgsrechnung geht.

Dazu kommt die Umwandlung des bestehenden Darlehens von 3,9 Millionen Franken in Aktienkapital; dies wird über die Investitionsrechnung abgewickelt und belastet die Liquidität der Gemeinde nicht. Auf der anderen Seite gelangen die Kapitalwerte für das Land und die Gebäude in das Eigentum der gemeindeeigenen Alters- und Gesundheitszentrum Adligenswil AG und somit indirekt in den Besitz der Gemeinde zurück. Sie belaufen sich auf 48,3 Millionen Franken. Gemeindepräsident Gabriel betont:

«Aufgrund der guten Finanzlage der Gemeinde Adligenswil müssen wir wegen der Zusatzfinanzierung die Steuern nicht erhöhen.»

Die politischen Parteien seien am Dienstagabend informiert worden, sagt Gabriel: «Natürlich haben sie keine Freude an den Zusatzkosten.» Er gehe aber davon aus, dass sie das geplante Vorhaben unterstützen werden. Was aber, wenn die Bevölkerung zum Zusatzkredit Nein sagt? «Dann wird es die Gründung einer Auffanggesellschaft brauchen», sagt Gabriel. Konkret würde dies einen Konkurs der Alters- und Gesundheitszentrum Adligenswil AG bedeuten.