ZUSAMMENSCHLUSS: Fusion: Unverständnis bei Parteien

Der zweite Fusionsanlauf der beiden Gemeinden Wauwil und Egolzwil ist vom Tisch. Die Suche nach Gründen läuft.

Ernesto Piazza
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Wauwil und Egolzwil werden auch nach zwei Anläufen nicht fusionieren. (Symbolbild Neue LZ)

Wauwil und Egolzwil werden auch nach zwei Anläufen nicht fusionieren. (Symbolbild Neue LZ)

Wauwil hat mit Egolzwil die «Fusionsprüfung abgeschlossen». So übertitelte der Gemeinderat am Dienstag kurz und knapp eine Medienmitteilung. Das heisst: Die geplante Fusion ist abgeblasen. Doch viele Fragen bleiben offen und bieten Nährboden für Spekulationen.

«Volkswillen ignoriert»

Dass die wahren zum Abbruch der Fusionsverhandlungen führenden Gründe weiterhin im Dunkeln bleiben, beschäftigt unter anderem die Egolzwiler CVP-Präsidentin ad interim Inge Lichtsteiner. Sie sagt: «Wir kennen sie nicht. Das macht die Situation für uns so schwierig.»

Für die Kantonsrätin könnte der zur Diskussion gestandene Doppelname ein wichtiger Punkt beim Scheitern gewesen sein. Diesbezüglich ist sie jedoch überzeugt, «dass eine tragfähige Lösung möglich war – und zwar mit einem Doppelnamen». Es handle sich hier nicht um eine Übernahme, sondern um ein Zusammengehen in Form einer Partnerschaft. Unverständlich ist für Lichtsteiner auch, «dass der Wauwiler Gemeinderat den Volkswillen ignorierte». 84 Prozent der Stimmbevölkerung beider Gemeinden hatten sich – nachdem der erste Versuch 2006 an der Urne an Egolzwil scheiterte – für ein neues Projekt ausgesprochen.

Alle Gründe auf den Tisch

Ihr Wauwiler CVP-Amtskollege René Schönauer rätselt ebenfalls über die Hintergründe, welche die Hochzeit letztlich platzen liessen. Er erklärt: «Wir waren weder vorinformiert noch beim Entscheid mit einbezogen worden.» Dementsprechend überraschend war für ihn der Abbruch gekommen. «Obwohl man wusste: nicht alle Signale standen auf Grün», so Schönauer. Stossend empfindet er aber vor allem, «dass der Wauwiler Gemeinderat in einer so wichtigen Angelegenheit alleine entschied». Auf diesen Sachverhalt angesprochen, sagt Wauwils Vizepräsidentin Annelies Gassmann: «Mit dem Entscheid übernimmt der Gemeinderat die Verantwortung und spielt den Ball nicht einfach den Stimmberechtigten zu.»

Entscheidend für Schönauer ist jetzt, «dass – im Gegensatz zum ersten Versuch von 2006 – alle Gründe vorbehaltlos auf den Tisch kommen und tatsächlich aufgearbeitet werden». Im Moment sei jedoch viel Hoffnung und Vertrauen in beiden Gemeinden zerstört. Deshalb sieht er auch keine Möglichkeit, dieses Team bei einer eventuellen Wiederaufnahme von Fusionsgesprächen in derselben Funktion wieder arbeiten zu lassen.

Er sei vom Entscheid persönlich enttäuscht, sagt der Wauwiler FDP-Parteipräsident Beni Wirz. Und der im Dorf tätige Handwerker wurde auch bereits verschiedentlich auf den Fusionsabbruch angesprochen. Heute Morgen hatte die Wauwiler Bevölkerung nämlich die vom Gemeinderat verfasste Medienmitteilung ebenfalls im Briefkasten liegen.

Es habe zwar bei den Echoraum-Veranstaltungen kritische Stimmen gegeben, weiss Wirz. Diese seien von der Allgemeinheit möglicherweise unterschätzt worden. Was den FDP-Präsidenten aber speziell stört, ist die fehlende Information des Gemeinderates. «Wir wissen nicht, was für ihn ausschlaggebend für das Nein zu weiteren Fusionsverhandlungen mit Egolzwil war.»

Aussprache ignoriert

Der Egolzwiler FDP-Präsident Ivo Jeggli sagt zu möglichen Gründen für den Abbruch: «Die Äusserungen von gewissen Exponenten haben zu einer Verunsicherung geführt.» Die Partei stehe aber nach wie vor zu einer Fusion mit Wauwil. Auch wenn die Situation sicher schwieriger geworden sei.

Die SVP von Wauwil steht ebenfalls voll und ganz hinter einer Fusion mit Egolzwil. Der Zeitpunkt sei aber anscheinend noch nicht gekommen, sagt Präsident Gerhard Klein. Zudem bemängelt er die «suboptimale Kommunikation seitens der Projektgruppe». Auf eine Forderung der Parteipräsidenten für eine Aussprache mit der Projektleitung zu gewissen Themen bis Ende August sei nichts geschehen.

Schulen bleiben eigenständig

Judith Lauber vom Amt für Gemeinden spricht davon, dass von Seite Kanton den beiden Gemeinden Support im Rahmen ihrer Möglichkeiten gegeben wurde. «Doch Kompetenzen und Verantwortung liegen bei den Gemeinderäten.» Deshalb gelte es, diesen Entscheid zu akzeptieren.

Und was passiert jetzt mit dem ebenfalls geplanten Zusammenschluss der Schule? Annelies Gassmann sagt: «Die Schulfusion war Teil des Gesamtprojekts, und es war von Beginn weg klar: Falls die Fusion nicht zu Stande kommt, wird das Paket nicht aufgeschnürt. Die beiden Schulen bleiben also eigenständig.»

Ernesto Piazza