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Zusammenschluss der Rettungsdienste sorgt im Kanton Luzern für Skepsis

Der Rettungsdienst der Zentralschweizer Kantone wird zentralisiert. Ziel: Noch schneller am Einsatzort sein. Mit dem Projekt könnte sich die Versorgung auf dem Land allerdings verschlechtern, befürchtet der CVP-Politiker Carlo Piani.
Yasmin Kunz
Rettungskräfte des Luzerner Kantonsspitals in der Ambulanz. (Symbolbild: Corinne Glanzmann (Luzern, 14. Dezember 2015))

Rettungskräfte des Luzerner Kantonsspitals in der Ambulanz. (Symbolbild: Corinne Glanzmann (Luzern, 14. Dezember 2015))

In einem Pilotprojekt koordinieren die Rettungsdienste der Kantonsspitäler Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden ihre Einsätze. Ziel: Die Dauer von der Alarmierung bis zum Eintreffen der Rettungskräfte am Einsatzort – verkürzen. Neu ist der sogenannte Fahrzeugpool. Fahrzeuge aus diesem interkantonalen Pool werden die Rettungsdienststandorte Luzern und Stans verstärken. Am Feuerwehrstützpunkt in Emmenbrücke wird ein zusätzlicher Rettungsdienststandort geschaffen. Die übrigen Rettungsdienststandorte werden weiterhin vollständig abgedeckt.

Heute erreicht der Rettungsdienst des Luzerner Kantonsspitals ab Standort Luzern in rund 90 Prozent der Notfälle den Einsatzort innerhalb der Hilfsfrist von 15 Minuten. Am Standort Sursee wird diese Frist in 81 Prozent der Notfälle erreicht.

Wolhusen: In zwei von fünf Fällen dauert es länger

Ganz anders sieht es hingegen in Wolhusen aus. Aktuell ist die Frist von einer Viertelstunde nur in 60 Prozent der Notfälle gewährleistet. Heisst anders ausgedrückt: In zwei von fünf Notfällen braucht ein Rettungsfahrzeug ab Standort Wolhusen mehr als 15 Minuten zum Einsatzort. Simona Benovici, Sprecherin des Luzerner Kantonsspitals, weist allerdings darauf hin, dass diese Zahl nur gilt, wenn in jedem Fall die Ambulanz ab Wolhusen ausrückt. «Bereits heute werden aber sämtliche verfügbaren Rettungsfahrzeuge, unabhängig vom Standort, dynamisch durch die Sanitätsnotrufzentrale 144 Zentralschweiz eingesetzt.» Konkret: Ist ein Fahrzeug schon im Einsatz, disponiert die Zentrale bei lebensbedrohlichen Situationen das nächstbeste Rettungsmittel. Das sei in der angegebenen Hilfsfrist nicht berücksichtigt.

«Auch die Regionen rund um Sursee und Willisau wachsen stetig.»

Nichtsdestotrotz: Mit dem Start des Pilotprojekts dürfte sich die Situation in den ländlichen Gebieten noch verschlechtern. Das zumindest befürchtet die Bevölkerung vor Ort. Aufgrund dieser Unsicherheiten hat CVP-Kantonsrat Carlo Piani eine parlamentarische Anfrage eingereicht. Der aus Sursee stammende Politiker versteht die Sorgen der Bevölkerung: Auch er könne sich nicht vorstellen, dass durch den Abzug eines Rettungswagens die Notfallversorgung gleich bleibt.

Die Abdeckung des neuen Rettungsdienststandorts Emmenbrücke erfolgt mit Fahrzeugen des Rettungsdienstes des Kantonsspitals Luzern. Im Turnus kommt dabei auch ein Fahrzeug, welches bisher an den Standorten Sursee und Wolhusen alternierend stationiert war, zum Einsatz. Ergo fehlt es dann in Sursee und Wolhusen. Piani: «Dass in der Stadt Luzern und den Agglomerationsgemeinden die Bevölkerungsdichte höher ist und es folglich zu mehr Einsätzen kommt, liegt auf der Hand. Doch auch die Regionen rund um Sursee und Willisau wachsen stetig.» Etwas unbefriedigend findet er auch die Informationspolitik des Luzerner Kantonsspitals. «Wir wurden über die Neuerungen nicht vorab ins Bild gesetzt, sondern haben das letztlich aus den Medien erfahren.»

Charly Freitag, FDP-Kantonsrat und Gemeindepräsident von Beromünster, gehört auch zu den Mitunterzeichnern der Anfrage. Er sagt: «Mittlerweile haben wir weitere Informationen erhalten und ich finde, diesem Projekt soll man eine Chance geben.» Die Politik verlange schliesslich immerfort Optimierungspotenzial, dann könne man dieses Pilotprojekt jetzt nicht verwehren. Die Auswertungen würden dann darlegen, ob ein Zusammenschluss die Dienstleistung im Rettungswesen verbessere, sagt er.

Topografie auf dem Land erschwert die Rettung

Das Luzerner Kantonsspital hat Verständnis, dass die Nachricht einer Neuanordnung der Rettungsfahrzeuge Unsicherheiten auslösen kann. Die Behauptung, die Versorgung würde sich auf dem Land durch die Zusammenarbeit verschlechtern, weist das Unternehmen aber entschieden zurück. Unter Berufung auf eine Simulationsanalyse der Fachhochschule St. Gallen sagt Simona Benovici: «Mit dem Start des Pilotprojekts kommt es zu keiner Verschlechterung der Versorgungslage auf dem Land.»

Ein Notfall werde auch künftig mit der gleichen Priorität behandelt, unabhängig davon, ob er sich im städtischen oder ländlichen Gebiet ereignen würde. Die Neuanordnung würde die Versorgung in keiner Weise schmälern. Im Gegenteil, sagt Benovici: «Mit der Neuerung soll die Versorgungssituation mit den bestehenden Mitteln weiter optimiert werden.» Dass der Einsatz in ländlichen Gegenden teils länger dauern würde, läge unter anderem an der Topografie. «Teils sind die Gebiete, anders als in der stadtnahen Region, wenig oder schlecht erschlossen.» Dieser Umstand sei in der Diskussion «zwingend mit zu berücksichtigen». Was müsste sich ändern, dass das ländliche Einsatzgebiet des Rettungsdienststandortes Wolhusen im Notfall schneller erreicht werden kann? Benovici: «Eine drastische Steigerung der Fristerreichung würde eine erhebliche Aufstockung der bisherigen Ressourcen bedeuten; namentlich zusätzliche Rettungsdienststandorte ausserhalb der Spitalstandorte. Dies ist mit Mehrkosten für die Finanzierer und einem politischen Konsens verbunden.»

Rettungsdienst Seetal vorerst ausgeschlossen

Der Rettungsdienst Seetal, ein privates Unternehmen mit Sitz in Hochdorf, ist nicht in das Projekt involviert. Man wäre gerne dabei gewesen, heisst es seitens der Geschäftsleitung. Spital-Sprecherin Benovici sagt: «Das Pilotprojekt beschränkt sich auf die Beteiligung der spitalbasierten Rettungsdienste, da die Kantonsspitäler respektive die zugehörigen Rettungsdienste bereits heute eng zusammenarbeiten.»

Ob das Projekt weitergeführt wird und allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt sogar in einer erweiterten Kooperation mit nicht-spitalbasierten Rettungsdiensten aufgeht, ist abhängig von den Erfahrungswerten und der Evaluation. Diese wird ab Sommer 2019 erwartet.

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