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Glamouröses Camping auf dem Bauernhof: Jungbauern feiern Crowdfunding-Hit

Wie sehen die Lebensentwürfe junger Landwirte heute aus? Was wollen sie vom Leben auf dem Hof? Für die Gebrüder Peter aus dem Luzerner Hinterland ist klar: Man muss bereit sein, neue Wege zu gehen – ihre letzte Idee traf mitten ins Schwarze.
Ismail Osman
Ein eingespieltes Team mit neuen Ideen: die Brüder Michael (links) und Gabriel Peter mit Hundedame Cara auf dem Biohof Wellberg. (Bild: Nadia Schärli, Wellberg bei Willisau, 27. März 2019)

Ein eingespieltes Team mit neuen Ideen: die Brüder Michael (links) und Gabriel Peter mit Hundedame Cara auf dem Biohof Wellberg. (Bild: Nadia Schärli, Wellberg bei Willisau, 27. März 2019)

Schlägt man im Lexikon den Begriff «Sanfte Hügellandschaft» auf, so müsste dort zu Illustrationszwecken eigentlich ein Bild vom Wellberg abgedruckt sein. Dermassen pittoresk ist die Idylle dort oben, zwischen Willisau, Grosswangen und Ettiswil. Der Landstrich ist das Zuhause der Familie Peter – und der Hundedame Cara (aber zu ihr später mehr).

Hier, auf dem Biohof Wellberg, treffen wir die Brüder Gabriel (33) und Michael (28) Peter. Vor drei Jahren übernahmen die beiden den Hof mit seinen knapp 24 Hektaren Land von den Eltern Wendy und Alois, die seither in Pension sind. «Es standen zunächst alle Möglichkeiten – von einer Verpachtung bis zum Verkauf – zur Diskussion», erinnert sich Gabriel.

Zwei eingefleischte Quereinsteiger

Dass einer der Söhne den Hof übernehmen würde, war keine Selbstverständlichkeit: Gabriel studierte Geografie und arbeitete danach in Bern, Michael studierte derweil in Rapperswil Energie- und Umwelttechnik. «Natürlich ist die jetzige Lösung die schönste für unsere Familie», sagt Michael. Immerhin bewirtschaftet die Familie Peter schon seit Generationen den Wellberg.

In diesen Gesprächen kristallisierten sich letztlich zwei Dinge heraus: Erstens, dass die beiden Brüder sich vorstellen konnten, als «Quereinsteiger» einen solchen Hof zu bewirtschaften. Und dass sie eine neue Vision für den Hof umsetzen wollen.

Erster Punkt: Umstellung des Hofes von der Milchwirtschaft und hin zur Mutterkuhhaltung. «Wir beide hatten kein Interesse an der Milchwirtschaft», sagt Gabriel Peter klar. «Uns war klar, dass wir nebst dem Betrieb ein soziales Leben wollen – Zeit für Freunde, Vereine, Ferien. Bei der Milchwirtschaft ist dies zwar auch möglich. Durch die Fixzeiten beim Melken ist die Flexibilität aber kleiner.» Ihr Hof mag idyllisch abseits gelegen sein, die beiden Jungbauern führen ihren Hof aber so, dass durchaus Zeit für ein Leben jenseits der eigenen Äcker, Wälder und Teiche bleibt.

Ihre Weise, den Hof zu führen bedeutet in erster Linie aber auch, Neues auszuprobieren. Nebst den Mutterkühen mit den Rindern auf der Weide setzen sie etwa auch auf Engadiner Schafe, Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäume oder pflanzen Ur-Dinkel an. «Früher wurde vor allem Futtergerste angebaut, Ur-Dinkel ist momentan aber sehr gefragt», erklärt Gabriel beim Vorbeigehen. Die Lust am Neuen ist Familientradition: Der Baumgarten mit rund 100 Obstbäumen war beispielsweise eine Innovation der Eltern.

Nicht jedes ihrer «Experimente» ist auf Anhieb ein Erfolg, gestehen die Brüder mit einem Schmunzeln. Da wäre etwa der letztjährige Versuch Senf anzupflanzen zu erwähnen. «Das isch gar nüüt gsi», sagt Michael kopfschüttelnd. Der Hitzesommer machte diesen Plänen einen ordentlichen Strich durch die Rechnung. Die Idee, den alten Holzwagen, der direkt neben jenem Feld steht, mit Bienenpopulationen zu bevölkern, haute hingegen wieder bestens hin. Gabriel Peter fasst ihren Antrieb so zusammen:

«Wir haben einfach Lust, Projekte anzugehen, die im einzelnen vielleicht klein sind, aber im grossen Ganzen den Hof weiterbringen.»

Aus diesem Antrieb heraus ist auch ihre aktuellste Idee entstanden: das Glamping. Die Brüder Peter sind nicht die Erfinder des «glamourösen Campings». Sie erkannten jedoch das Potenzial, das Konzept direkt auf ihren Hof zu übertragen. Konkret soll ein luxuriöses, mit Bett und Holzveranda ausgestattetes Safari-Zelt direkt unter den Obstbäumen zu stehen kommen. «Es soll kein Massentourismus sein, aber wir finden, dass sich ein Besuch hier durchaus lohnt», sagt Michael. Dem kann man, während man in der Ferne das Alpenpanorama erblickt, nur schwer widersprechen. Um das Projekt umzusetzen, lancierten die Peters eine Crowdfunding-Kampagne, um die für das Projekt budgetierten 11 000 Franken zusammenzubringen.

Ein witziges Video später und das Projekt hob ab: «Innert einer Woche war das Geld beisammen – und es wurde laufend mehr», erzählt Gabriel Peter. «Wir haben da wohl einen Nerv getroffen.» Mittlerweile ist die Kampagne abgeschlossen und die Brüder stehen mit beinahe dem doppelten Betrag da. Heisst: Statt eines Zeltes sollen während der Sommermonate nun zwei Glamping-Zelte unter den Bäumen stehen. Für Michael ist klar: «Dieser Erfolg geht auf Caras Kappe.» Womit wir bei der eingangs erwähnten Hundedame wären. Cara hat das, was man landläufig als «einnehmenden Charakter» bezeichnet. Sie ist der unbestrittene Star des Erfolgs-Videos und führt darin rund um den Hof.

Nun geht es darum, die nötigen Bewilligungen einzuholen – erste Vorabklärungen seien positiv verlaufen. Der Plan ist, dass bereits im Sommer die ersten Glamper zwischen den wellbergischen Obstbäumen den Sternenhimmel geniessen können.

Mehr Infos zum Biohof-Wellberg: www.biohof-wellberg.ch

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