Zwei Geparde fauchen im Tierpark Goldau - zumindest vorübergehend

In der Auffangstation des Tierparks sind auch exotische Tiere zu Gast. Zwei südafrikanische Gepardenmännchen befinden sich dort über drei Monate in der Quarantäne. Nun geht es bald eine Station weiter.

Erhard Gick
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Die beiden Gepardmännchen sind derzeit in Goldau in Quarantäne. (Bild: Erhard Gick, Goldau, 6. Juni 2019)

Die beiden Gepardmännchen sind derzeit in Goldau in Quarantäne. (Bild: Erhard Gick, Goldau, 6. Juni 2019)

Es ist ein warnendes Knurren, ein Fauchen, mit welchem die beiden Geparden im Tierpark Goldau sofort reagieren, wenn man die Schutzdecke an der Eingangstüre zur Quarantänestation öffnet. Keine Sekunde vergeht, und die beiden Katzen stehen vor der Tür und beobachten die möglichen Eindringlinge mit Argusaugen.

«Die Katzen sind auffallend aufmerksam, sie nehmen jede Bewegung wahr, und sie reagieren auf jede Bewegung des Betrachters hinter der sicheren Stahltür», sagt Martin Wehrle, Tierarzt des Tierparks Goldau. Zum Glück ist ein starkes Stahlgitter zwischen Betrachter und den eleganten Katzen. Mit ihrem fletschenden Gebiss möchte man keinen Kontakt haben – eine tödliche Waffe. Die in ihrem Jagdverhalten hoch spezialisierten Geparde gelten als schnellste Landtiere der Welt.

Nächste Woche geht es weiter in den Kinderzoo

Jetzt fragt man sich natürlich zu Recht, was zwei ausgewachsene, männliche Geparde im Tierpark Goldau verloren haben. «Die zwei Tiere stammen aus einer Zuchtfarm Südafrikas, und sie werden ab nächster Woche in Knies Kinderzoo in Rapperswil zu bewundern sein», so Martin Wehrle. Südafrika gilt als Tollwut-Krisenland. Die vom Kinderzoo legal importierten Tiere müssen daher, bevor sie im Zoo bestaunt werden können, in Quarantäne. «Die beiden Tiere waren jetzt etwas mehr als drei Monate bei uns zu Gast», so der Tierarzt.

Knies Kinderzoo in Rapperswil hat bereits eine etwas ältere Geparddame im Gehege. Sie soll jetzt gemäss Auskunft von Martin Wehrle Gesellschaft von den zwei Katern erhalten. «Am Dienstag kommender Woche werden sie übergesiedelt, und man wird beobachten, ob die drei Tiere in einem Gehege zusammenleben können», so Wehrle. Für die im Tierpark in Quarantäne befindenden Tiere war alles etwas speziell. Sie stammen aus einer Zuchtfarm, sind aber Wildtiere. In die Schweiz wurden sie in einem speziellen Holz-Metall-Käfig transportiert. Das Holz musste dann aus Sicherheitsgründen verbrannt, das Metall desinfiziert und ebenfalls entsorgt werden. So verlangt es das eidgenössische Veterinäramt.

Die Raubtiere haben im Tierpark gar ein Kino

Die Katzen verspeisen pro Tag rund vier Kilogramm Fleisch. Damit sich die Tiere nicht langweilen, werden sie auf natürliche Art im Tierpark Goldau beschäftigt, etwa auch bei der Nahrungssuche. Sogar Kino haben die beiden Katzen in ihrer Quarantänestation:

«Wir beschäftigen sie mehrfach mit Filmszenen aus Afrikas Busch. Sie reagieren äusserst positiv auf ihr Kino.»

Die beiden Geparde sind aber nicht die einzigen Gäste in der Quarantänestation des Tierparks. Derzeit sind es zwei ganz junge Rehkitze, deren Mutter vom Zug überfahren wurde. Jagdaufseher retteten die Tiere und brachten sie in den Tierpark. Auch zwei Dachse hat ein Landwirt vorbeigebracht, nachdem auch deren Mutter umkam. «Nach Möglichkeit werden wir Tiere wieder auswildern», sagt der Tierarzt.

Eine ganze Hausrotschwanz-Familie (Vögel) wird derzeit von den Tierpflegern mehrfach täglich gefüttert. Das Nest befand sich auf einer Baustelle. Die nicht überlebensfähigen Tiere wurden nach Goldau gebracht. «Sie werden im Tierpark aufgezogen», sagt Martin Wehrle. Die Auffangstation, welche der Tierpark betreibt, ist aufwendig. «Wir können sie nur dank grosszügiger Spenden betreiben, wir erhalten dafür keine öffentlichen Mittel», erklärt Tierarzt Martin Wehrle. So erbt der Tierpark ständig ausgesetzte Katzen, illegal importierte Hunde und gar wertvolle Schildkröten: eine Landschildkröte und eine verboten eingeführte und ausgesetzte Wasserschildkröte.