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Guetzli Hug und St. Anna Klinik sparen Tausende Franken mit japanischem Konzept

Um Abläufe zu optimieren, setzen die Klinik St. Anna und der Guetzlihersteller Hug auf das Kaizen-Konzept. Die Vorschläge stammen von Mitarbeitern - manche von ihnen waren anfangs skeptisch.
Chiara Zgraggen
Rolf Kunz erklärt, wie die Mitarbeiter ihre Anliegen auf dem Brett festhalten sollen. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 19. Oktober 2018)

Rolf Kunz erklärt, wie die Mitarbeiter ihre Anliegen auf dem Brett festhalten sollen. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 19. Oktober 2018)

Das Werkzeug, das einem die Arbeit erleichtern und auch beschleunigen würde. Oder ein Container nur für Karton, damit dieser nicht im normalen Abfall landet und somit mehr gebührenpflichtige Abfallsäcke benötigt werden. Mit kleinen Änderungen kann der Arbeitsalltag oft erleichtert werden und die Firma zusätzlich Geld einsparen.

Die ständige Veränderung solch kleiner Dinge nennt man Kaizen (Beschreibung dazu siehe Box unten). Praktiziert wird diese aus Japan stammende Unternehmungsphilosophie von den beiden Luzerner Unternehmen Hug AG und Hirslanden Klinik St. Anna. Letztere hat kürzlich ein Treffen organisiert. Ziel dieser Zusammenkunft war der Austausch aus bisherigen Erfahrungen, denn: Die Klinik St. Anna betreibt seit zehn Jahren die Philosophie des Kaizens, der Guetzlihersteller Hug seit nunmehr vier Jahren.

«In Mitarbeiterumfragen stellten wir fest, dass Jahr für Jahr ähnliche Anliegen geäussert wurden.»


Sandra Keiser, Kaizen-Beauftragte St. Anna

«Vor rund zehn Jahren haben wir uns mit der Frage auseinandergesetzt, wie wir die Verbesserungsvorschläge der Mitarbeitenden schneller und effizienter umsetzen können», sagt Sandra Keiser, Kaizen-Beauftragte in der St. Anna Klinik. «In Mitarbeiterumfragen stellten wir fest, dass Jahr für Jahr ähnliche Anliegen geäussert wurden.»

Zusammen mit einer externen Beratungsagentur erarbeiteten die Verantwortlichen Strategien, um die internen Abläufe so zu optimieren, dass sie für die Mitarbeitenden und letztlich für die Patienten den grösstmöglichen Nutzen entfalten. Ein Lösungsvorschlag: Kaizen.

«Als ich zum ersten Mal davon hörte, dachte ich: So ein Sch...önes Thema.»


Rolf Kunz, Leiter Technik und Unterhalt

Dieser Vorschlag wurde denn auch in die Tat umgesetzt. Doch das gefiel nicht allen. Rolf Kunz, der sein technisches Wissen als Leiter Technik und Unterhalt bereits seit 20 Jahren der Klinik zur Verfügung stellt, sah erst keinen Sinn in der Einführung des Kaizens. «Als ich zum ersten Mal davon hörte, dachte ich: So ein Sch...önes Thema.»

Aber nachdem sie das Kaizen einige Zeit praktiziert hätte, habe er positive Veränderungen erkannt. Dank Kaizen wurden in der Klinik etwa die am Bett befestigten Infusionsständer ausgetauscht. «Die senkrecht am Bettgestell angebrachten Infusionsständer holten immer wieder den Putz von den Wänden, weshalb wir von der Haustechnik oft zum Streichen und Reparieren aufgeboten wurden», so Kunz.

Am zweiwöchentlichen Kaizen-Meeting nahm sich ein Mitarbeiter dieses wiederkehrenden Problems an – und fand heraus, dass es angewinkelte Infusionsständer gibt. Diese wurden dann von der Klinik angeschafft. «Von da an hatten wir noch deutlich seltener Wände zu streichen», so Kunz. «Obwohl die Anschaffung einige tausend Franken kostete, sparten wir langfristig Zeit, Geld und vor allem Nerven!»

Mittels diesen Infusionsständern spart die Klinik St. Anna mehrere Tausend Franken an Unterhaltskosten. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 19. Oktober 2018)

Mittels diesen Infusionsständern spart die Klinik St. Anna mehrere Tausend Franken an Unterhaltskosten. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 19. Oktober 2018)

Erich Regli, Leiter Produktion bei der Firma Hug, kann nicht viel mit Infusionsständern anfangen. Doch auch seine Mitarbeiter praktizieren Kaizen. «Bei uns stehen Prozess- und Produktionsverbesserungen statt dem Patientenwohl im Vordergrund», sagt er. Und fügt an: «Ausserdem fokussieren wir uns auf das Eliminieren von Verschwendungen.» Mit dem früheren System der Unternehmensverbesserung – dem so genannten innerbetrieblichen Vorschlagswesen – sei niemand zufrieden gewesen. Seit sie vor vier Jahren Kaizen eingeführt hätten, seien die meisten Mitarbeiter zufriedener, «denn ihre Ideen und Gedanken werden gehört und sie können ihren Arbeitsplatz mitgestalten».

Allerdings gebe es auch Mitarbeiter, welche Kaizen nichts abgewinnen können. «Es gibt ungefähr zwanzig Prozent, die dieses System nicht mögen.» Wie Erich Regli sagt, hätten einige Mitarbeiter Mühe mit den ständigen Veränderungen. «Auch haben einige das Gefühl, dass es nicht immer mehr neue Ideen gibt», so Erich Regli. Zu diesen Änderungen gehören laut dem Produktionsleiter einfache Neuerungen. «Manchmal geht es nur darum, dass ein Werkzeug näher am Arbeitsplatz liegt oder kleinere Schrauben besser sortiert werden.»

Wie funktioniert Kaizen?

Kaizen ist Japanisch und bedeutet Change (Kai) und Good (Zen). Also auf Deutsch «gute Änderung». Es ist ein Konzept der kontinuierlichen Verbesserung und kann verschieden praktiziert werden. Die Teams der Hirslanden Klinik St. Anna arbeiten grösstenteils mit einem Brett. An dieses können Zettel mit Anmerkungen, was im Betrieb verbessert werden könnte, angebracht werden.

In periodischen Abständen (meist alle zwei Wochen) trifft sich das Team, um die Punkte zusammenzutragen und zu besprechen. Die Erfahrung in der Klinik St. Anna und der Firma Hug zeigt: Durch diese Strategie können jährlich mehrere Tausend Franken und Arbeitsstunden gespart werden. (zgc)

Cécile Kesseli, Pflegefachfrau HF, erläutert am Brett die Strategie hinter Kaizen. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 19. Oktober 2018).

Cécile Kesseli, Pflegefachfrau HF, erläutert am Brett die Strategie hinter Kaizen. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 19. Oktober 2018).

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