Zwei Musical-Stars geben Entlebucher Jungtalenten den letzten Schliff für ihren grossen Auftritt

Schüler der Kanti Schüpfheim bringen «Das Phantom der Oper» auf die Bühne. Nun haben zwei internationale Profis ihr Erfolgsrezept verraten.

Hannes Bucher
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Musical-Darsteller Florian Schneider (links) und Berufskollegin Beverley Worboys im Gespräch mit Gesamtleiter Silvio Wey.

Musical-Darsteller Florian Schneider (links) und Berufskollegin Beverley Worboys im Gespräch mit Gesamtleiter Silvio Wey. 

Bild: Hannes Bucher
(Schüpfheim, 15. Februar 2020)

Sie kennen das Musical-Metier mit all seinen Facetten und wissen, wovon sie sprechen: Die beiden internationalen Musical-Stars Beverly Worboys und der Baselbieter Florian Schneider. Letzterer verkörperte zwischen 1995 bis 1997 rund 500 Mal die Titelrolle des «Phantom of the Opera» im Musical Theater Basel. Beverley Worboys, Musical Star aus London und heute ebenfalls in Basel wohnhaft, spielte in der «weltweit als beste» gehandelte Phantom-Inszenierung die Christine.

Die beiden Stars weilten am Samstagabend im «Entlebucher Haus» in Schüpfheim. In der dortigen Sporthalle Moosmättli wird derzeit die Kulissenwelt für das Musical von Andrew Lloyd Webber «Das Phantom der Oper» aufgebaut. Am 5. März ist die Premiere. Der regionale Trägerverein Musical Plus hat die Aufführungsrechte für die erste Laienproduktion dieses Werks in der Schweiz erworben. 26 junge Darsteller, mehrheitlich von der Kantonsschule Schüpfheim / Gymnasium Plus bringen das grosse Werk auf die Bretter, begleitet von einem 40-köpfigen Orchester.

Darsteller müsse seiner Rolle «Fleisch an den Knochen» geben

Silvio Wey, Regisseur auch dieser fünften Musicalinszenierung, war es gelungen, die beiden Stars nach Schüpfheim zu holen, für ein Podiumsgespräch. Wey agierte am Abend als versierter Talkmaster.

Eine farbige, vielschichtige und äusserst spannende Theaterwelt breiteten die beiden Musical-Stars in der Talkrunde auf. Florian Schneider erklärte zu Beginn, wie das Musical ab den 1980er-Jahren nach Amerika und England schliesslich auch die grossen Schweizer Theaterbühnen eroberte und dabei vermehrt die Operette ablöste, weil Letzterer die Zuschauer «wegstarben».

Locker, witzig und hintergründig erzählten Schneider und Worboys von ihren Erlebnissen im Musical Theater Basel, tischten Reminiszenzen auf, liessen schmunzeln und lachen. Sie erwähnten etwa die strengen Inszenierungsvorgaben der Musikagentur, welche «das Skelett» des Musicals verbindlich definierten. Schliesslich liege es aber am Schauspieler, «das Fleisch an dieses Skelett» zu hängen und der Rolle so die eigene Interpretation, Individualität zu verleihen.

Rolle der Christine: Fast 50 Minuten Bühnen-Zeit

Beverley Worboys schilderte die überaus anspruchsvolle, mannigfaltige Figur der Christine – verletzlich, sensibel, sehr kompliziert komme diese daher, voller unterschiedlichster Emotionen. An die 50 Minuten agiere die Christine auf der Bühne. Gerade deshalb sei es ihre eigentliche Traumrolle.

Auch von den «Stimmfarben» im Musical sprachen die beiden, da dürfe auch mal «sprechend gesungen werden», genauso wie extrem tief, bewusst «gepflegt unschön» oder «menschlich-dreckig». «Semi-belcanto», nannte Florian Schneider diesen Gesangsstil. Sie redeten auch vom «Darstellungswillen» eines Akteurs, vom Spiel mit der Körperlichkeit, den Attitüden eines Schauspielers: «Er steht dort, weil er dort stehen will.»

Doch wie schafft man es, eine Rolle mehrere hundert Male zu geben? «Ich stehe seit 38 Jahren auf der Bühne. Man muss es immer wieder neu denken, was man macht. Wenn man selber Freude hat, dann springt der Funke, dann kommt es an», sagte Schneider. So werde jede einzelne Aufführung einzigartig.

Profis warnen vor dem Theaterberuf

Nicolas Koch (rechts im Bild, das «Phantom») und Emma Davis («Christine») bei der Probe.

Nicolas Koch (rechts im Bild, das «Phantom») und Emma Davis («Christine») bei der Probe.

Bild: Hannes Bucher

Dann kamen die jungen Entlebucher Darsteller auf die Bühne, welche kurz vor ihrer Premiere stehen, und gaben gesangliche Kostproben. Nicolas Koch etwa glänzte mit dem einnehmenden Song «Music of the Night». Applaus aus dem vollen Saal und der beiden Gäste war den jungen Sängerinnen und Sängern sicher.

Im Gespräch ging es dann um die Disziplin und die Arbeit bei der professionellen Schauspielerei. «Arbeiten, arbeiten und nochmals arbeiten», heisse das Erfolgsrezept – obwohl der Erfolg selbst dann noch nicht garantiert sei, sagten die beiden Profis.  «Der eitle Wille, dies zu tun, weil es geil ist, auf der Bühne zu stehen», lange nirgends hin. Das sei Sport, es brauche immer wieder «den Hunger, den Erfolg erreichen zu wollen». Und dazu noch viel Glück. «Wir hatten dieses Glück, dass wir davon leben können und nicht verhungert sind – ich warne aber jeden, professionell in dieses Leben einzusteigen», sagte Florian Schneider. Denn es sei «ein hartes Leben».

70 Prozent der Tickets schon ausverkauft

Und da gab es auch noch Vorbereitungstipps für die kommende Premiere: Nein, kein Handy in der Hand vorher, eigentlich sei der ganze Tag hindurch schon Vorbereitung, ein konzentriertes Warm-Up, in dem man seinen Part durchgehen und gar in eine «repetitive Trance» verfallen kann. «Wir sind auf gutem Weg für die letzte Teilstrecke vor der Premiere», konnte Produktionsleiter Benjamin Bucher am Schluss mitteilen. Gegen 70 Prozent der Plätze seien reserviert. Und: «Das Phantom der Oper schaut man ja sowieso mehr als einmal...» Auch die verbleibenden Plätze dürften nach den Grosserfolgen der letzten vier Musicalproduktionen weggehen.

Hinweis: Premiere von «Das Phantom der Oper» am 5. März. Vorführungen bis am 15. März. Tickets und weitere Informationen finden Sie hier.