Kriminalgericht – zwei Müttern drohen hohe Strafen für Einbrüche

Die Frauen aus Italien wollten in der Schweiz «nur Ferien machen». Nun bestimmen die Luzerner Richter deren Aufenthaltsdauer.

Roger Rüegger
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Die Beschuldigten der Verhandlung am Luzerner Kriminalgericht unterhielten sich mehrmals leise – manchmal lächelten sie. Den zwei Frauen aus Italien (22 und 27) wird unter anderem bandenmässiger Diebstahl und Sachbeschädigung vorgeworfen. Das Lächeln könnte ihnen bald vergehen.

Der Staatsanwalt beantragte für die Jüngere – sie hat drei Kinder zwischen 3 und 5 Jahren – eine Freiheitsstrafe von 55 Monaten. Für die 27-Jährige, die im November im Frauengefängnis Hindelbank einen Buben zur Welt brachte, will er 54 Monate. Zudem sollen sie zehn Jahre des Landes verwiesen werden. Ein Verteidiger sagte am Mittwoch: «Das Strafmass ist unverhältnismässig.» Dabei ist anzumerken, dass beide Frauen im Ausland wegen ähnlicher Delikte, wie sie ihnen hier zur Last gelegt werden, verurteilt wurden. In einem Fall war eine Waffe im Spiel.

Die Frauen sind in Italien geboren und gehören der Volksgruppe der Roma an. Sie sind Cousinen. Am 29. September 2018 wurden sie in Luzern festgenommen, nachdem ein Mann sie bei einem Einbruch beobachtete und die Polizei alarmierte. Bei den Befragungen der Untersuchungsbehörden und am Gericht gaben beide zu, an dieser Tat beteiligt gewesen zu sein. Die Jüngere bestritt aber alle anderen Einbruchdiebstähle, die ihr vorgeworfen wurden. Sie erinnere sich nicht. Insgesamt sollen die Beiden sieben Einbruchdiebstähle in den Kantonen Zug und Luzern begangen haben.

Zweimal als Touristen in die Schweiz eingereist

Dabei sollen laut Anklage mindestens zwei Männer beteiligt gewesen sein, mit denen die Frauen im Juli und im September in die Schweiz einreisten. Es handelte sich um die Kindsväter. Die Ältere sagte, sie habe sich von ihrem Mann getrennt, weil sie sich durch ihn im Gefängnis befinde. Die Männer konnten sich der Festnahme entziehen.

Der Verteidiger der Jüngeren gab an, seine Mandantin sei ferienhalber eingereist. Sie habe die Vorzüge der Schweiz geniessen wollen. Er baute seine Rede auf ihrer Herkunft auf: «In der Kultur der Roma haben Männer das Sagen. Meine Mandantin ist beeinflussbar. Sie handelte auf Befehl.» Eine Freiheitsstrafe von 12 Monaten, unter Anrechnung der bereits verbüssten Zeit in Unfreiheit, sei angebracht.

Beide Frauen befinden sich seit der Festnahme in Untersuchungshaft und im vorzeitigen Strafvollzug. Die Verteidigung wirft dem Staatsanwalt vor, die Anklage zu sehr auf die Aussage der älteren Beschuldigten und auf Indizien zu stützen. Auch die Ältere behauptet, als Touristin eingereist zu sein. Die Einbruchdiebstähle – fünf gibt sie zu – habe sie nicht geplant. Der Vater ihres Kindes habe die Wohnungen ausgesucht. Ihr Verteidiger hält 18 Monate für angemessen.

Die Ältere bat das Gericht, man möge ihrem Kind ersparen, im Gefängnis aufwachsen zu müssen.