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Zweimal im Monat bringen sie das «Brändi» zum Beben

Die Institution der Stiftung Brändi in Willisau hat ihr eigenes Chörli: Zusammen mit Leiterin Esther Schürmann studieren 16 Sängerinnen und Sänger Lieder ein. Nun hat sich die Truppe gar auf einer CD verewigt.
Evelyne Fischer

Eben haben sie noch Schrauben verpackt, die Gänge der Werkstätte gewischt oder als Aushilfe beim Willisauer Online-Händler Competec Pakete in Postwagen verladen. Nun stehen sie an diesem Dienstag in Reih und Glied im betriebseigenen Restaurant Aronia; die 16 Sängerinnen und Sänger des Brändi-Chörlis recken und strecken sich, aktivieren das Zwerchfell, kreisen die Hüften; trippeln und stampfen, bis der Boden bebt.

Später ertönt lauthals «Meiteli wenn dü witt go tanze». Die Begeisterung ist spürbar, den einen oder anderen schiefen Ton verzeiht man den strahlenden Gesichtern gern. Tadellos wird das Lied im Urner Dialekt wiedergegeben. Kein Wunder: Dirigiert wird das Chörli für Menschen mit einer Behinderung seit 15 Jahren von Esther Schürmann (59). Obwohl schon Jahrzehnte in Alberswil daheim, hört man der Bauernfrau die Schattdorferin noch heute an.

Ein Engagement, das viel Geduld verlangt

Alle zwei Wochen lädt Schürmann zur Probe. Ohne entsprechende Ausbildung, dafür mit viel Geduld. Zu diesem Engagement kam sie wie die Jungfrau zum Kinde: Als das Chörli mangels Leitung kurz vor der Auflösung stand, schlug Toni Schürmann – er singt und arbeitet im Brändi – dem Leiter der Willisauer Einrichtung kurzerhand vor, seine Gitarre spielende Schwägerin Esther Schürmann für diese Aufgabe anzufragen. «Der Funke ist sofort übergesprungen», sagt sie. Man glaubt es ihr aufs Wort.

Mit grosser Mimik animiert sie die Truppe zum Mitsingen, wippt im Takt und schielt zwischendurch mal aufs Textblatt. Noten? Fehlanzeige. Die Stücke – in Mundart und Hochdeutsch, auch mal mehrstimmig – müssen auswendig gelernt werden. Ein Chrampf für die Sänger? Chörli-Mitglied Sibylle Vonwil winkt ab. «Nein, das gehört dazu», sagt die 36-Jährige aus Ohmstal. Schon oft hat sie vor Publikum gesungen: Ein Kirchenauftritt hier, ein Geburtstagsfest da. Als nächstes steht am 21. Juni ein Brändi-Anlass an. Die Stücke dafür sitzen, wie der Probenbesuch zeigt. Mit gutem Grund: Kürzlich hat das Brändi-Chörli seine erste CD aufgenommen. Mit «Fröid am Senge» ist sie überschrieben. «Ich höre sie jeden Abend vor dem Einschlafen», sagt Sibylle Vonwil.

Das Chörli des «Brändi» probt im betriebseigenen Restaurant Aronia in Willisau. Bild: Dominik Wunderli (15. Mai 2018)

Das Chörli des «Brändi» probt im betriebseigenen Restaurant Aronia in Willisau. Bild: Dominik Wunderli (15. Mai 2018)

Zwölf Lieder im Tonstudio aufgenommen

Für die Aufnahme sind die Sänger im letzten Jahr mehrmals nach Entlebuch ins Tonstudio gereist. Setzten sich die Kopfhörer auf, studierten Stück um Stück ein. Zwölf Lieder haben es letztlich auf die CD geschafft, begleitet wird die Truppe von den «Schrag Buebe» aus dem Hinterland. Vier weitere Stücke von Formationen aus der Region komplettieren den Tonträger. Die Auflage: 500 Stück, ein Highlight in der Geschichte des Brändi-Chörlis.

«Die grösste Herausforderung ist es, die Konzentration aufrecht zu halten», sagt Esther Schürmann. «Das Ablenkungspotenzial ist gross.» Daher setze sie auf rassige Stücke mit viel Rhythmus. «Feilt man allzu lange an einem Lied, sind die Sänger mit ihren Gedanken schnell anderswo.» Das zeigt sich, als sich der Zeiger der Restaurant-Wanduhr halb sechs, dem Probenende, nähert und die Blicke immer öfters dorthin abschweifen. Denn «Fröid am Senge» hin oder her: Einmal ist auch bei den Chörli-Sängern Feierabend angesagt.

Die CD des Brändi-Chörlis ist für 25 Franken beim AWB Brändi Willisau erhältlich.

Brändi Willisau baut für 1,2 Millionen Franken

Die Stiftung Brändi fördert in Luzern seit 50 Jahren die Integration von Menschen mit einer Behinderung. Das AWB Brändi in Willisau – AWB steht für Ausbildung, Wohnen, Betreuung – ist eines von 15 Unternehmen an 9 Standorten. Aktuell wird dort bis Ende Jahr für 1,2 Millionen Franken ein dreigeschossiger Anbau erstellt. In der Werkstatt, wo etwa Popcorn abgefüllt wird oder Stimmzettel verpackt werden, fehlt der Platz. «Die Räume sind für 70 Personen ausgelegt. Aktuell arbeiten bei uns aber 114 Menschen mit einer Behinderung», sagt Unternehmensleiter Markus Vogel. Mit dem Ausbau lassen sich längerfristig fünf weitere Arbeitsplätze schaffen. Weil das «Brändi» zwar Betriebsbeiträge erhält, aber kein Geld für die Infrastruktur, ist die Institution auf Unterstützung angewiesen. (fi)

Infos unter www.braendi.ch/spenden.

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