ZWEIRAD: Mechaniker und Händler rüsten sich für die Zukunft

Während zweier Tage liessen sich am «Infotech» in Luzern Velohändler aus der ganzen Schweiz weiterbilden. Sie sind trotz Konkurrenzdruck und Onlinehandel positiv gestimmt – nicht nur wegen des E-Bike-Booms.

Gabriela Jordan
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Wolfgang Wölke (rechts) zeigt an der «Infotech», wie sich ein E-Bike-Motor ein- und ausbauen lässt. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 5. Januar 2017))

Wolfgang Wölke (rechts) zeigt an der «Infotech», wie sich ein E-Bike-Motor ein- und ausbauen lässt. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 5. Januar 2017))

Rund 680 Velohändler, Hersteller und Importeure aus der ganzen Schweiz, strömten nach Luzern. Im Armee- und Ausbildungszentrum Luzern (AAL) fand gestern und vorgestern der zweitägige Anlass Infotech von Velosuisse statt. Der Anlass ist eine jährlich stattfindende Schulungsplattform für Velofach­händler, seit 15 Jahren wird er im AAL durchgeführt.

Dieses Jahr nahm etwa jeder zweite Schweizer Velohändler am Anlass teil. Sie liessen sich von Herstellern zum Beispiel über die neusten technischen Raffinessen der E-Bike-Antriebe schulen oder bildeten sich in Verkaufsgesprächen und Digitalisierungsmöglichkeiten weiter.

Im Laden testen und dann online kaufen

«Dank solchem Fachwissen können Velofachgeschäfte heute und in Zukunft überleben», sagt Roland Fuchs, Pressesprecher des Dachverbands Velosuisse und Mitorganisator der Veranstaltung. Er führt uns durch das Gebäude und erklärt – zwischen ausgestellten High-tech-Velos, Helmmodellen und lernbegierigen Lehrlingen – die Situation der Branche. Problematisch sei die Konkurrenz aus dem Ausland sowie von Onlineshops: «Es kommt nach wie vor häufig vor, dass Kunden im Laden Velos testen und sie danach einfach online kaufen. Einige Fachhändler haben darum inzwischen begonnen, in solchen Fällen einen Betrag für die Beratung zu verlangen.» Fuchs empfiehlt, dies den Kunden klar zu kommunizieren. Noch hält sich der Anteil verkaufter Velos im Internet aber in Grenzen: Laut Fuchs sind es derzeit zwischen 3 und 5 Prozent.

Allzu schlecht stehe es um die Branche deshalb nicht: Über Fachgeschäfte wurden im vergangenen Jahr schweizweit 330000 Velos verkauft, 66000 davon Elektrovelos – den Löwenanteil würden jedoch Mountainbikes ausmachen.

«Der Boom der E-Bikes wird anhalten», sagt Fuchs. «Die Zeit, in der E-Bike-Fahrer als faul belächelt wurden, ist definitiv vorbei.» Dank diesem neueren Verkaufsbereich sowie den Chancen der Digitalisierung sieht Fuchs die Zukunft der Velofachhändler grundsätzlich positiv. «Es gibt sicher solche, die unter dem Konkurrenzdruck leiden, aber auch solche, die sich an die neuen Bedingungen anpassen und mit innovativen Ideen Kunden ansprechen – ob mit Velomode, Tourangeboten oder anderen Sachen.»

Am «Infotech» teilgenommen haben auch Mechaniker und Fachhändler aus der Region Luzern – zum Beispiel Richard Wigger, Co-Geschäftsleiter des Velociped in Kriens. Er blickt ebenfalls positiv in die Zukunft. «Velos sind zum Glück Produkte, die der Kunde anfassen und testen muss, bevor er sich entscheidet. Die Beratung bleibt deshalb wichtig.» ­Zudem sei die Velobranche momentan im Aufschwung, fügt er hinzu. «Wegen des E-Bike-Booms ist der Druck von Onlineshops weniger spürbar.»

Guter Service und Reparaturen sind zentral

Gleich sieht dies Paul Grätzer, Inhaber des Veloflick in Luzern: «Der hohe Verkauf von E-Bikes kaschiert den Druck auf unsere Branche ein bisschen.» Wichtig fürs Überleben sei deshalb noch etwas anderes. «Mit gutem Service und Reparaturen können wir uns weiterhin behaupten – der Druck wird aber hoch bleiben.» Dass der Service das A und O ist, findet auch Walter Scheidegger von Velo Scheidegger in Ebikon. Seinen Laden führt er seit nunmehr 25 Jahren. «Man muss sich definitiv mehr anstrengen als früher», weiss er aus Erfahrung.

Gabriela Jordan