Zweite Rigi-Petition erreicht mehr Unterschriften als die erste – Forderungen bleiben gleich

3453 Personen haben die Petition «Rigi: 800'000 sind genug!» mittlerweile unterschrieben. Die Petitionäre fordern nach wie vor mehr Qualität statt Quantität bei der Unternehmensstrategie der Rigibahnen. Diese kontern die Vorwürfe.

Sandro Renggli
Drucken
Teilen
Die Rigi solle vom Massentourismus abkehren, fordert eine Petition.

Die Rigi solle vom Massentourismus abkehren, fordert eine Petition.

Bild: Manuela Jans-Koch (7. November 2020)

Die Petitionäre von «Rigi: 800‘000 sind genug!» wehren sich auch gut ein Jahr nach der Lancierung gegen die Ausbaupläne der Rigi Bahnen AG. Das Begehren haben mittlerweile 3453 Personen unterschrieben. Das sind 126 mehr als noch bei der ersten Rigi-Petition «Nein! zu Rigi-Disney-World», wie die Petitionäre am Freitag mitteilten.

Initiiert wurden beide vom Aktionär René Stettler. Der Kulturwissenschafter, der auf der Rigi wohnt, wirft den Rigibahnen seit 2017 vor, auf Quantität statt Qualität zu setzen: «Die Rigibahnen haben bis zur Coronakrise eine Volumenstrategie verfolgt, die schlicht nicht ressourcenschonend sein kann.» Anstatt «sich vom globalen Pauschaltourismus abhängig zu machen», verlangt die zweite Rigi-Petition ein Tourismuskonzept, das sich prioritär an den Natur- und Landschaftswerten der Rigi orientiert und den wiederkehrenden Individualgast bewirbt. Ideal wäre für die Rigi gemäss Stettler ein Tourismuskonzept für Rigi-Gäste mit längerer Aufenthaltsdauer, mit dem Fokus auf Naturerlebnis, Kulinarik, Gesundheit und ökologischem Bewusstsein.

«Wöschhänki»-Gondelbahn zerstöre Landschaftsbild

Symbolisch für die Wachstumsstrategie der Rigibahnen steht für Stettler und seine Mitstreiter die geplante Gondelbahn mit elf Masten von Weggis nach Rigi Kaltbad. Eine «Wöschhänki», welche laut Stettler das Landschaftsbild zudem «verschandle» und die Biodiversität an der geschützten Rigi-Südflanke (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler) zerstöre. Ihre Kosten, gemäss Geschäftsbericht der Rigi Bahnen AG rund 25 Millionen Franken, seien «zum Fenster hinausgeworfenes Geld». Laut Stettler drohen zudem «Ersatzmassnahmen» mit Kosten in der Höhe von fünf bis sechs Millionen Franken. Die beste Lösung wäre gemäss Stettler der Ersatz der heutigen Pendelbahn mit einer zeitgemässen Pendelbahn mit wieder drei Masten. Dies wäre «eine sinnvolle Alternative, die für die Hälfte des Preises zu haben ist.»

Stettlers Kritik trifft auch das neue Dienstleistungszentrum der Rigibahnen in Vitznau. Dieses habe einen Souvenirshop – nicht aber einen Warteraum für Individualtouristen. Für Stettler ein weiteres Indiz, dass dem internationalen «Billig- und Gruppentourismus» bei den Rigibahnen mehr Beachtung geschenkt wird «als dem mehr zahlenden Einzelgast». Der fehlende Warteraum zeuge von «mangelnder Kompetenz» des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung, was «minimale touristische Standards» wie den von den Rigibahnen vielgepriesenen Gästekomfort betrifft, den Rigi-Gäste bei der Ankunft in Vitznau erwarten dürfen.

Die Intention hinter dem Namen der zweiten Rigi-Petition ist für Stettler zunächst eine Aufforderung. «800'000» stehe primär nicht für eine Obergrenze der Besucher pro Jahr. Der Petitionstitel sei als Aufforderung an den Verwaltungsrat und die in der Geschäftsleitung sitzenden Manager der Rigibahnen zu verstehen, «sich mit den Grenzen der Tragfähigkeit ihres Geschäftsmodells auseinanderzusetzen». Es gehe in jedem Fall aber darum, ein «glaubwürdiges Marketing zu konzipieren, das den Preis für den Besuch der Königin der Berge nicht im globalen Billigtourismus verhökere».

Rigibahnen zeigen sich irritiert

Die Kommunikation zwischen den Initianten und der Rigi Bahnen AG ist derweil zum Stillstand gekommen. Stettler habe die Kommunikation laut Frédéric Füssenich, CEO der Rigibahnen, trotz mehrfacher Versuche verweigert. Füssenich zeigt sich verärgert über die medialen Vorwürfe: «Der Inlandstourismus war und ist unser Hauptmarkt. Schon vor Corona waren 60% unserer Besucher Schweizer.» Lokale Touristen würden in keiner Weise vernachlässigt. Zudem gelte es zu betonen, dass der Schweizer Tourismus schon immer auch auf internationale Kundschaft gesetzt habe. «Die Rigi ist da keine Ausnahme», so Füssenich. Der Auswirkungen der Coronakrise sei man sich durchaus bewusst: «Wir rechnen momentan 2021 nicht mit internationaler Kundschaft.»

Die Rigi Bahnen bezeichnen die Kritik am Dienstleistungszentrum in Vitznau weiter als «schlicht falsch». «Das Dienstleitungszentrum verfügt über einen Warteraum für Reisende.» Dieser sei 24 Stunden am Tag geöffnet und bietet den Gästen in den kalten Monaten eine Aufwärmmöglichkeit.

Auch Vorwürfe zu fehlendem Naturschutz kann der Geschäftsführer nicht nachvollziehen: «Wir bauen kein Atomkraftwerk, sondern sind attraktives touristisches Ziel. Unsere Bauvorhaben entsprechen den Vorschriften.» Die 50-jährige Seilbahn sei einfach am Ende ihrer Lebenszeit und müsse ersetzt werden. Füssenich betont zu dem: «Stettlers Aussagen beeinflussen unsere Strategie in keiner Weise. Er widerspiegelt auch nicht die Meinung der Anwohner der Rigi.»