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Interview

Wolf-Ausstellung in Luzern: Zwischen Furcht und Faszination

Kaum ein Tier löst hierzulande kontroversere Reaktionen aus als der Wolf. Das Natur-Museum Luzern greift das Thema mit einer Ausstellung auf. Direktorin Britta Allgöwer nimmt Stellung zur emotionalen Debatte.
Ines Häfliger
Britta Allgöwer, Direktorin des Naturmuseums Luzern, zeigt die neue Wolf-Ausstellung. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 28. Juni 2018))

Britta Allgöwer, Direktorin des Naturmuseums Luzern, zeigt die neue Wolf-Ausstellung. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 28. Juni 2018))

Im Natur-Museum gibt es seit Samstag eine neue Sonderausstellung zum Thema Wolf. Im Interview spricht Museumsdirektorin Britta Allgöwer über Chancen und Gefahren der Rückkehr des Grossraubtieres.

Britta Allgöwer, man liebt oder hasst den Wolf. Zu welchem Lager gehören Sie?

In keines. Ich finde den Wolf ein faszinierendes Tier. Er hat es verdient, dass man über ihn informiert und viel weiss.

Was fasziniert Sie am Wolf?

Sein Verhaltensrepertoire ist unglaublich interessant. Normalerweise lebt er nach bestimmten Regeln in einem Rudel, in dem jedes Tier seine Aufgaben hat. Im Laufe der Evolution hat sich der Wolf an die Umweltbedingungen angepasst, sodass er trotz jahrhundertelanger Verfolgung überleben konnte, wenn auch manchmal am Rande der Ausrottung.

Viele fürchten sich vor dem Wolf. Zu Recht?

Hinter der Furcht steckt eine gesellschaftliche Prägung verbunden mit Geschichten aus der Vergangenheit. In den letzten Jahrhunderten gab es viele Kriege. Die Kriegsopfer zogen Wölfe an, die sich an deren Leichen zu schaffen machten. Man verknüpfte den Wolf mit dem Bösen schlechthin. Mythen entstanden, wie etwa die Werwolf-Erzählung. Einen realen Grund zur Furcht gibt es aber kaum. Der Wolf ist ein Wildtier: Er weicht dem Menschen generell aus, auch wenn es vorkommt, dass er in dessen Nähe lebt. Nur unerfahrene Jungtiere sind manchmal weniger scheu.

Angenommen, ich begegne einem Jungwolf. Wie verhalte ich mich korrekt?

Die Wahrscheinlichkeit für eine solche Begegnung ist äusserst gering. Falls es dennoch zu einer kommen sollte, kann man zum Beispiel laut sprechen oder in die Hände klatschen. Immer gut ist, sich langsam zurückzuziehen. Auf keinen Fall sollte man auf die Idee kommen, den Wolf anzulocken.

Für den Menschen besteht also quasi keine Gefahr. Dafür reissen Wölfe regelmässig Schafe.

Ich kann den Unmut der Bauern verstehen. Anderseits müssen Nutztiere so gehalten werden, dass sie sicher vor dem Wolf sind. Über 150 Jahre lang hatten wir einen grossraubtierfreien Zustand. Der ist nun vorbei. Heute kann man die Tiere nicht mehr unbeaufsichtigt auf der Alp lassen.

Eine Massnahme sind Schutzhunde. Doch auch diese können für Mensch und Tier gefährlich werden. Sind sie nur eine Scheinlösung?

Nein. Doch ihr richtiger Einsatz ist anspruchsvoll. Der Hundebesitzer benötigt eine entsprechende Ausbildung und muss bereit sein, sich intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen. Zudem muss der Schutzhund die Veranlagung zum Herdebewacher haben. Und auch Wanderer und Touristen sind in der Verantwortung. Sie dürfen den Hund nicht bei seiner Arbeit stören.

Der Ständerat will den Wolfsschutz lockern. Die Bestände sollen einfacher reguliert werden können – auch ohne konkreten Schadensnachweis. Was halten sie davon?

Eine klare Regulierung dient dem Wolf. Ein schadenstiftendes Tier kann aus dem Bestand entfernt werden, was sich positiv auf die langfristige Bestandesentwicklung auswirkt. Indem man das «schwarze Schaf» aus der Population entfernt, bringt man die unauffälligen Tiere nicht in Verruf. Wichtig ist, dass ausschliesslich Wildhüter regulierend eingreifen darf. Nur so kann Transparenz gewährleistet werden.

Die Schweiz ist immer dichter besiedelt. Wie hält man den Wolf von Städten fern?

Die Frage ist, ob man das muss. Der Wolf geht dorthin, wo er Nahrung findet. Er jagt lieber einen Hirsch, als dass er einen Abfallcontainer plündert. Es liegt an uns Menschen, ihm diese Art Nahrung nicht zu bieten. Zudem brauchen Wölfe ein grosses Revier. Ein Rudel beansprucht etwa 300 Quadratkilometer für sich.

Ein Wolfsrudel im Kanton Luzern – bald Realität oder bloss ein Hirngespenst?

Das ist Kaffeesatzlesen. Wildtiere scheren sich nicht um geografische Grenzen. Der Wolf folgt seinem Beutetier. Doch die Entwicklung des Hirschbestands kann kaum vorhergesagt werden. Dünner besiedelte Gebiete haben aber sicherlich eine grössere Wahrscheinlichkeit, Wolfsterritorium zu werden.

Birgt die Rückkehr der Wölfe auch Chancen?

Der Wald profitiert langfristig gesehen vom Wolf, ebenso steigt die Fitness seiner Beutetiere: Sie sind vorsichtiger sowie aufmerksamer – und vor allem besser verteilt. Der Wolf wirkt somit der räumlichen Konzentration des Wildes entgegen, was den Jungwuchs des Waldes schützt.

Welche Botschaft soll die Ausstellung vermitteln?

Wir sind heute nicht mehr mit dem nackten Überleben beschäftigt, sondern können selbst entscheiden, wie viel Natur wir wollen – ein unglaubliches Privileg.

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