ZWIST: Flühli kämpft um Parkplatz

Der Bund will den Schiessplatz Wagliseichnubel zurückbauen, womit auch rund 70 Parkmöglichkeiten verloren gingen. Diese braucht die Gemeinde dringend.

Martina Odermattmartina.odermatt@luzernerzeitung.ch
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Der Bund will den Schiessplatz Wagliseichnubel aufheben. (Bild: Google Maps)

Der Bund will den Schiessplatz Wagliseichnubel aufheben. (Bild: Google Maps)

Martinda Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Die Gemeinde Flühli ist mit dem Bund im Clinch. Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) will den Schiessplatz Wagliseichnubel in Flühli sanieren und zurückbauen. So will das VBS Landflächen wieder dem Moorschutz zurückgeben.

Unter anderem muss der Zielhang saniert werden. Wegen der Schiessübungen dürfte es besonders bei den Trefferanzeigeanlagen grosse Bleimengen geben. Dies stelle eine Gefährdung für das Vieh dar. Geplant ist, die Erde auszuheben und zu waschen beziehungsweise zu entsorgen. Nach der Rekultivierung kann das Gebiet beispielsweise als Sömmerungsweide genutzt werden. Vorgesehen ist auch, den Parkplatz zurückzubauen.

Einsprecher fürchten Wildparkierer

Gegen die Pläne des Bundes hat sich allerdings Widerstand formiert. Der Gemeinderat hat Einsprache gegen das Projekt erhoben. Unterstützt wird diese auch von Privaten, den Strassengenossenschaften und Tourismusorganisationen wie Sörenberg Tourismus. Der Gemeindeammann von Flühli, Hans Lipp, befürchtet, dass die Leute durch den fehlenden Parkplatz ihr Auto ungeordnet und wild neben der Strasse parkieren. Dies habe das Gegenteil des Moorschutzes zur Folge, sagt Gemeindeammann Lipp auf Anfrage unserer Zeitung.

«Man hat das Moor bereits vor Jahren geschädigt, als der Schiessplatz gebaut wurde. Aber es ist besser, wenn man den bereits bestehenden Platz nutzt, um weitere Schäden der Natur durch wildes Parkieren zu verhindern», sagt auch Carolina Rüegg, Direktorin von Sörenberg Tourismus. Gemeindeammann Lipp befürchtet unübersichtliche Zustände: «Wahrscheinlich würden die Leute alle Ausbuchtungen der Strasse entlang benutzen oder beim nahe gelegenen Berggasthaus Salwideli parkieren», sagt er. Aber auch dort seien die Möglichkeiten beschränkt. «Touristen wie Einheimische sollten doch die Möglichkeit haben, unsere schöne Gegend zu erkunden», so Lipp.

Gebiet ist bei Winter­sportlern beliebt

Ähnlich argumentiert auch ­Rüegg: «Das Gebiet, auf dem sich der Schiessplatz befindet, ist für uns sehr wichtig. Er befindet sich in der Kernzone der Biosphäre.» Im Winter sei es bereits jetzt knapp mit den Parkplätzen, da das Gebiet bei Langläufern und Tourenskifahrern beliebt ist. «Streicht man noch die bestehenden Parkmöglichkeiten, dann haben wir ein grosses Problem.» Gemeindeammann Lipp führt aus: «Gegen die Sanierungsarbeiten am Hang und gegen den Rückbau der Schützengräben ­haben wir nichts einzuwenden.» Er finde es sogar gut, wenn man der Natur die Flächen zurückgebe. «Wir möchten allerdings, dass diese wichtigen Parkplätze erhalten bleiben und nicht zurückgebaut werden», sagt er. Die Plätze befänden sich an einem idealen Standort, um von dort aus auf die Schrattenfluh zu gelangen – und das seit über 50 Jahren. Hans Lipp fügt zudem an, dass es für das VBS auch kostengünstiger wäre, wenn sie die Parkplätze stehen lassen würden.

Es fehlt an Alternativen

Eine Alternative zu den Parkplätzen am Schiessplatz gebe es schlichtweg nicht. Eine Bewilligung für den Bau von neuen Parkplätzen zu bekommen, ist laut Tourismusdirektorin Rüegg zudem unwahrscheinlich, da das ganze Gebiet zum Moor gehört. Für sie ist es deshalb umso wichtiger, dass man die bereits bestehenden Möglichkeiten nutzt – auch im Sinne der Natur.

Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS)konnte gestern auf Anfrage keine Stellung nehmen.