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LUZERN/INGENBOHL: Briefe fördern Neues über Ingenbohler Schwestern zu Tage

Ein Buch beleuchtet die Geschichte der Barmherzigen Schwestern. Es zeigt: Die Gründerin schreckte auch vor unkonventionellen Mitteln nicht zurück.
Frontgebilde des Uhrengehäuses im Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern in Ingenbohl: Es zeigt die Gründerpersönlichkeiten Maria Theresia Scherer und Theodosius Florentini sowie das Mutterhaus. (Bild: PD)

Frontgebilde des Uhrengehäuses im Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern in Ingenbohl: Es zeigt die Gründerpersönlichkeiten Maria Theresia Scherer und Theodosius Florentini sowie das Mutterhaus. (Bild: PD)

Der Seelsorge und dem Dienst an den Menschen verpflichtet, sind sich Ordens­schwestern in aller Regel gewohnt, stille Schaffer im Hintergrund zu sein. In dieser Hinsicht kam den Schwestern des Klosters Ingenbohl in Brunnen in den letzten Jahren eine ungewohnt hohe Aufmerksamkeit zu. Die Missbrauchsfälle in Luzerner Kinderheimen, welche die Ingenbohler Schwestern bis in die 1970er-Jahre geleitet haben, lösten vor einigen Jahren ein grosses Medienecho aus (siehe Kasten).

Nun lenkt das Produkt einer langjährigen Projektarbeit erneut die Aufmerksamkeit nach Brunnen. Am Montag präsentiert die Generalleitung der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz Ingenbohl das Buch «Von der Not der Zeit getrieben». Es behandelt die frühen Anfänge der heutigen weltumspannenden Ordensgemeinschaft und entstand in Zusammenarbeit mit dem Kapuzinerordnen und der Theologischen Fakultät der Universität Luzern unter Professor Dr. Markus Ries. Es enthält eine Sammlung der Briefe und Schriften der Gründerpersönlichkeiten der Barmherzigen Schwestern: Maria Theresia Scherer (1825–1888) aus Meggen sowie Theodosius Florentini (1808–1865) aus Müstair im Graubünden. Die Briefe in deutscher Sprache werden in den kommenden Jahren in sechs Sprachen übersetzt.

Geld, Missstände und Widerstand

Im über 600-seitigen Werk geben die Briefe einen Einblick in den damaligen Alltag und zeigen, mit welchen Problemen die Schwestern zu kämpfen hatten. «Es ist kein frommes Buch», erklärt Christian Schweizer, Provinzarchivar der Schweizer Kapuziner in Luzern und Mitglied der sechsköpfigen Arbeits­gruppe. «In den Schriftstücken geht es häufig um die Beschaffung von Geld, um Missstände und den Widerstand, gegen den die Schwestern zu kämpfen hatten.» Sechs Jahre lang hat die Arbeitsgruppe akribisch die Schriften transkribiert. Laut Schweizer kam es manchmal vor, dass sie für ein einziges Wort Stunden brauchten, bis sie es entziffern konnten. «Die Leute waren früher oft in Eile und schrieben deshalb schludrig», sagt Schweizer. Das Aufarbeiten der rund tausend Texte hat auch Überraschendes zu Tage gebracht: «Bisher wussten wir nicht, mit welchem gesunden Selbstvertrauen die Schwestern mit der kirchlichen Hierarchie umgegangen sind.» Maria Theresia habe zum Beispiel keine Hemmungen gehabt, Papst Leo um Geld zu bitten. Barmherzigkeit sei eben auch damals nicht kostenlos gewesen, so Schweizer. Das Wirken der Schwestern hätten die Behörden nur geduldet, nicht aber finanziert.

Zudem fand die Arbeitsgruppe heraus, dass Maria Theresia den liberalen Basler Ständerat und reformierten Theologen aus dem Baselland, Martin Birmann, um Hilfe bat – und nicht davor scheute, konfessionelle und politische Grenzen zu überschreiten.

Hinweis

Das Buch kann für 30 Franken beim Provinzarchiv Schweizer Kapuziner bezogen werden.

Unrühmliches Kapitel

Heime gjo. Erst vor wenigen Jahren wurde bekannt, dass die Ingenbohler Ordensschwestern zwischen 1920 und 1970 systematisch Kinder quälten und missbrauchten. Im Kanton Luzern betraf dies etwa die Kinderheime in Rathausen und Hohenrain. Insgesamt drei Untersuchungen nahmen sich seit 2012 der Missbrauchsfälle an, zuletzt eine unabhängige Expertenkommission im Auftrag der Ingenbohler Schwestern. Dass die Schwestern sadistische Erziehungsmethoden an den Tag legten, steht heute ausser Zweifel. Ebenso ist es laut der Experten plausibel, dass Ordensschwestern sexuelle Übergriffe an Kindern begangen haben. Der Verdacht, dass sie für den Tod von zwei Kindern im Jahr 1928 verantwortlich waren, liess sich aber nicht bestätigen.

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