LUZERN/OB-/NIDWALDEN: Passagiere überrennen Zentralbahn

Die Zentralbahn will gewaltig aufrüsten – für total rund 100 Millionen Franken. Sie erwartet in den nächsten 15 Jahren einen grossen Zuwachs an Kunden. .

Matthias Piazza
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Auch am Bahnhof Stans rechnet die Zentralbahn bis 2030 mit 40 Prozent mehr Passagieren.Bild: Corinne Glanzmann (6. Dezember 2016)

Auch am Bahnhof Stans rechnet die Zentralbahn bis 2030 mit 40 Prozent mehr Passagieren.Bild: Corinne Glanzmann (6. Dezember 2016)

Rund fünf Prozent mehr Passagiere sind zwischen Januar und Oktober des laufenden Jahres mit der Zentralbahn (ZB) nach Engelberg gefahren als in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Und das Wachstum hält an. Die Bahnverantwortlichen rechnen bis 2030 mit einer Steigerung von rund 40 Prozent auf ihrem Streckennetz, was in etwa dem Schweizer Durchschnitt entspricht. Und mit gar 70 Prozent auf dem Abschnitt Luzern–Kriens Mattenhof–Horw. «In diesem Einzugsgebiet entstehen in den nächsten Jahren viele zusätzliche Wohnungen und Arbeitsplätze», sagt Ivan Buck, Leiter Marketing und Verkauf. Übers ganze Netz gesehen würden sowohl Pendler als auch Touristen zum prognostizierten Wachstum beitragen.

Das löst bei der ZB nicht nur Freude aus, sondern stellt sie auch vor neue Herausforderungen, dereinst gegen 14 Millionen Fahrgäste zu transportieren. «Mit der bestehenden Infrastruktur können wir dieses Passagieraufkommen nicht mehr bewältigen», hält Buck fest. Damit es auch künftig genügend Sitzplätze hat und die Züge pünktlich unterwegs sind, hat die ZB konkrete Massnahmen bis 2030 geplant.

Luzern-Engelberg: Mehr Verbindungen

So soll der Interregio zwei- statt wie bis anhin nur einmal in der Stunde von Luzern nach Engelberg fahren. «Damit erschliessen wir Engelberg als boomende Tourismusregion besser und natürlich auch den stark frequentierten Nidwaldner Kantonshauptort Stans», so Buck. Geplant ist, dass der Zug einmal pro Stunde in Hergiswil hält, um einen optimalen Anschluss auf den auch künftig stündlich geführten Interregio Luzern–Sarnen–Interlaken Ost und in die Gegenrichtung zu gewährleisten. Jetzt muss man dafür in Luzern umsteigen. Jener Interregio, der in Hergiswil durchfährt, soll Stansstad bedienen, womit die Stansstader dereinst je drei Verbindungen pro Stunde nach Stans und Luzern hätten, wovon eine direkte nach Engelberg und eine nonstop nach Luzern. Zwischen Luzern und Horw soll die S 41 im Halbstundentakt die bestehenden vier S-Bahnen je Richtung verstärken. Zudem soll die S 55 von Luzern künftig bis Lungern fahren, heute ist in Sachseln Endstation.

Damit noch mehr Züge fahren können, muss die Kapazität erhöht werden, indem die Infrastruktur ausgebaut wird. «Wir halten am Ziel fest, dass in den Interregios alle Fahrgäste einen Sitzplatz haben. In den S-Bahnen kalkulieren wir eine gewisse Anzahl Stehplätze ein», erläutert Ivan Buck. Bis 2025 erweitert die Zentralbahn die Einfahrt in den Bahnhof Luzern von einem auf zwei Gleise. Der Betrag im Umfang von 68,7 Millionen, finanziert aus dem Bahninfrastrukturfonds, wurde bereits gesprochen.

Zusätzliches Gleis in Horw ab 2021

Bis 2030 sind die weiteren Ausbauschritte geplant. So wird nicht nur der Abschnitt zwischen Schlüssel und Hergiswil Matt auf Doppelspur ausgebaut, sondern es sind auch kurze Doppelspurabschnitte bei Dallenwil, Alpnach und zwischen Sarnen und Kerns geplant. Im Bahnhof Horw ist bis 2021 ein weiteres Gleis geplant, Baubeginn 2018 oder 2019.

Spätestens bis 2030 werden auch die angejahrten Wagen ausrangiert, die zurzeit noch im Interregio zwischen Luzern und Engelberg eingesetzt werden. Sie werden durch moderne Adler-Kompositionen ersetzt. Diese kennt man seit einigen Jahren vom Luzern-Interlaken-Express. Für den Ausbauschritt rechnet man mit Infrastrukturkosten von 27,7 Millionen Franken. Diese sollen aus dem Bahninfrastrukturfonds gespiesen werden, welcher seinerseits unter anderem aus der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe sowie Geldern aus Bund und Kantonen finanziert wird.

Die ZB ist bei weitem nicht die einzige Bahn, welche aus diesem Topf Geld für den Ausbau will. «Gesamthaft haben die verschiedenen Bahnen über 100 Angebotsmodule eingereicht», erzählt Buck. «Nach einer ersten Bewertung durch das Bundesamt für Verkehr stehen die Chancen sehr gut, dass wir die Gelder zugesprochen bekommen.»

Das letzte Wort dazu ist noch nicht gesprochen. Voraussichtlich im Jahr 2018 sprechen National- und Ständerat die Gelder. Zur Debatte stehen schweizweit 7 oder 12 Milliarden Franken.

Matthias Piazza