LZ-WEIHNACHTSAKTION: Der achtjährige Linus will den Krebs besiegen

Vor zwei Monaten erhielten Linus und seine Familie eine schlimme Diagnose: Der Achtjährige hat Lymphdrüsenkrebs. Jetzt steckt er mitten in der Chemotherapie, mit gravierenden Folgen. Doch die Familie hält umso mehr zusammen, der Krebs soll überwunden werden. Wir helfen mit.

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Die Familie Arnold: Linus (8), Regula (10), Heidi (12), Vreni (46), Monika (14) und Michael (55). Auf dem Bild fehlen Anna (15) und Michael (17), die in der Lehre sind. (Bild Eveline Beerkircher)

Die Familie Arnold: Linus (8), Regula (10), Heidi (12), Vreni (46), Monika (14) und Michael (55). Auf dem Bild fehlen Anna (15) und Michael (17), die in der Lehre sind. (Bild Eveline Beerkircher)

Arno Renggli

Die Sonne scheint, als wir die Familie Arnold besuchen. Weit oberhalb von Spiringen bewirtschaftet sie einen kleinen Bauernbetrieb. Bescheiden lebt sie, aber an diesem Prachttag lässt die überwältigende Aussicht erahnen, dass Lebensqualität hier wenig von Materiellem abhängt.

Doch nun ist eine tödliche Gefahr in das Leben der Familie eingedrungen: Das jüngste der sechs Kinder, Linus, hat Lymphdrüsenkrebs. Still und etwas blass sitzt er mit seinen Eltern und drei seiner Geschwister am Tisch. Eine Mütze bedeckt den Kopf, immer wieder blutet seine Nase, eine Folge der durch die Chemotherapie angegriffenen Schleimhäute. In die Schule kann er derzeit nicht, dafür fehlt ihm die Kraft. Stattdessen muss er, begleitet von seiner Mutter, immer wieder mehrere Tage in Kantonsspital Luzern verbringen, wo ihm die Medikamente verabreicht werden.

Der Tag, an dem sich alles änderte

Am 17. September dieses Jahres hat er die Diagnose erhalten. Ihr vorangegangen war ein grosses Rätseln, warum der Knabe zunehmend Schwierigkeiten beim Atmen hatte. «Man vermutete ein Problem mit der Nasenwand, zu grosse Mandeln, logopädische Schwierigkeiten, am Ende gar einen Grippenvirus», berichtet Mutter Vreni Arnold.

Als Linus eines Nachts kaum mehr atmen kann, handelt sie entschlossen, bringt Linus erneut zum Arzt, der eine sofortige Weiterleitung ins Kinderspital in Luzern anordnet. Dort taucht erstmals der Krebsverdacht auf. Vreni Arnold erinnert sich: «Plötzlich bewegte sich das ganze Personal nur noch still um uns herum. Da ahnte ich, dass es um etwas Gravierendes geht. Und umso mehr, als sich dann zur Information gleich mehrere Ärzte einfanden.»

Es ist ein Schock. Aber Vreni Arnold versucht, Ruhe zu bewahren. «Ganz wichtig war für mich, dass der Chefarzt mir schon vor der Diagnose gesagt hatte: ‹Egal, was es ist: Ihr Sohn wird wieder gesund.›» Diese Zuversicht behält die ganze Familie. Vor allem Linus auch, der sich als grosser Kämpfer erweist.

Kampf zwischen Gut und Böse

Er kennt nicht alle Details. Aber er versteht, dass die Chemotherapie, in einer Spitalbroschüre für Kinder als «Chemo-Kasper» dargestellt, in seinem Körper einen Kampf zwischen Gut und Böse führt. Wichtig ist für ihn, dass er bei den Aufenthalten im Spital seine Mutter bei sich weiss. Dann ist es okay für ihn. Auch dass er oft und schnell müde wird. Auch dass er seine Haare verloren hat. Er nimmt es sportlich. Einmal, berichtet Vater Michael Arnold, habe Linus in den Spiegel geschaut und lakonisch festgestellt: «Ich habe schon nicht mehr so viele Haare.» Dann habe er den Kopf geschüttelt und die Haare in alle Richtungen wegfliegen lassen.

Inzwischen ist auch klar, woher die Atemnot kommt: Der Tumor von der Grösse eines Pingpongballes drückt auf die Rachenmandeln, diese wiederum direkt auf die Luftröhre.

Geschwister helfen mit

Zum Glück hat die Chemotherapie erste positive Resultate gezeigt, etwa punkto Atemnot. Für die ganze Familie ist das eine Erleichterung, auch für die älteren Geschwister. Sie konnten es kaum glauben, dass ausgerechnet der Jüngste, davor ein vor Energie und Lebensfreude strotzender Knabe, nun so schwer krank ist. Neben der Sorge um ihren Bruder müssen sie akzeptieren, dass sich die Eltern derzeit stark auf Linus ausrichten. «Sie machen das ausgezeichnet», loben Vreni und Michael Arnold. «Sie sind selbstständig, kochen sich auch mal selber etwas, und sie helfen im Betrieb mit, wo es nur geht.»

Ressourcen aus dem Lot

Ja, der Betrieb. Der ist an sich schon eine Herausforderung, selbst wenn alle gesund sind. Ein kleiner Betrieb auf einer Höhe von rund 1600 Metern, Bergzone 4. Das bedeutet viel Arbeit, wobei Michael Arnold auch noch Zusatzjobs als Baggerführer annimmt, weil sonst das Einkommen nicht reicht. Jetzt, mit der Krankheit von Linus und der zeitintensiven Betreuung und Behandlung, sind die Ressourcen aus dem Lot.

Aber die Familie lässt sich nicht unterkriegen. «Es gibt zeitliche Engpässe», gibt Vreni Arnold zu, «aber man setzt eben Prioritäten.» Zum Glück wohnt ihre Mutter im gleichen Haus, ihre Hilfe im Haushalt ist sehr wertvoll. Auch die Solidarität in der Nachbarschaft und in der Gemeinde sei gross, berichtet Vater Michael. «Viele Leute haben Hilfe angeboten oder gesagt, dass sie für uns beten.» Vreni Arnold ergänzt: «Wir sind katholisch, auch der Glaube hilft uns.»

Einstellung der Eltern überträgt sich

Es ist eine starke Familie, und der Schicksalsschlag hat sie noch stärker gemacht. Dies ist wichtig auch für die Genesung von Linus. Die LZ-Weihnachtsaktion leistet einen Beitrag zur Entlastung besonders der Eltern. Diese sind laut Experten bei einer schweren Erkrankung des Kindes oft das grösste Problem, weil sich ihre Angst und Überlastung auf das Kind übertragen.

Hier ist das Gegenteil der Fall. «Linus weiss, dass es nun langsam besser wird», sagt Vreni Arnold. Und Michael Arnold ergänzt: «Wir sind überzeugt, er wird wieder gesund.» Am heutigen Samstag ist auf dem Hof der Familie Arnold wohl bereits der erste Schnee gefallen. Die Kraft der Sonne aber trägt sie im Herzen.