LZ-Weihnachtsaktion

Ein Vater verliert seine Traumfrau – ein Sohn seine Mutter

Vor wenigen Wochen ist die Frau von Andreas S. gestorben. Zurück bleibt er mit seinem Sohn, der ADHS hat und Autist ist.

Arno Renggli
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Lange darf er nur ein guter Kollege sein, weil seine Traumfrau mit einem anderen Mann zusammen ist. Doch dann endet diese Beziehung, und Andreas S. packt seine Chance. 19 Jahre lang führt er in der Folge eine glückliche Beziehung. Vor wenigen Wochen ist seine Frau gestorben – an Lungenkrebs. «Meine Welt ist zusammengebrochen.»

Andreas S. und sein Sohn Fabian in ihrem Zuhause im Kanton Zug.

Andreas S. und sein Sohn Fabian in ihrem Zuhause im Kanton Zug.

Bild: Nadia Schärli (28.11. 2020)

Als die Diagnose gestellt wird, kommt sie bereits einem Todesurteil gleich. Die ersten Symptome haben sich erst gezeigt, als die Ableger des Krebses schon im ganzen Körper sind. Doch seine Frau, Nichtraucherin, leidenschaftliche Langläuferin und auch sonst sehr sportlich, denkt nicht ans Aufgeben, nimmt Chemotherapien auf sich, kämpft bis zum Schluss unter grausamen Schmerzen. Es hilft nichts.

Eine besonders kompexe Kombination von Handicaps

Andreas S. bleibt zurück. Mit seinem 14-jährigen Sohn. Fabian hat einee Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, bekannt unter der Abkürzung ADHS. Und ist Autist. In dieser Kombination ist es ein besonders komplexes und schwieriges Handicap. Denn Fabian ist kaum zu bändigen, kann keine Anweisungen befolgen, kaum nach aussen kommunizieren.

«Jahrelang sind wir mit ihm von Pontius zu Pilatus gelaufen», erzählt Andreas S., «bis endlich ADHS und später auch Autismus diagnostiziert wurde.» Davor sei es oft ein Spiessrutenlauf gewesen, weil Fabians unberechenbares und teils gefährliches Verhalten etwa in der Schule von anderen Eltern als erzieherisches Versagen betrachtet worden sei. «Wir wurden schief angeschaut oder gar mit Vorwürfen überschüttet.»

Der Morgen ist die schwierigste Tageszeit

Aber immerhin hat Andreas S. in all den zermürbenden Jahren seine Frau zur Seite. «Sie war eine starke und charmante Persönlichkeit, die Menschen fühlten sich von ihr angezogen.» Zusammen wollen sie es schaffen. Zumal Fabian auch erstaunliche Fähigkeiten zeigt: Er ist intelligent, hat ein starkes Flair für Technik und ein fotografisches Gedächtnis. «Wenn ich mit ihm im Verkehrshaus gewesen bin», erzählt Andreas S., «kann er noch Wochen später unzählige Details genau wiedergeben.»

Jetzt ist er alleine mit Fabian. Inzwischen kann dieser unter der Woche eine Schule mit betreutem Wohnen besuchen. Sonst würde es gar nicht gehen: Andreas S. arbeitet Vollzeit als Logistiker und ist auf jeden Franken angewiesen. Was ihm finanziell grosse Sorgen bereitet, sind die Kosten für Fabians Betreuung in den vielen Schulferien, die der Berufsmann natürlich nicht mit den eigenen fünf Wochen Ferien leisten kann. Hier hilft ihm die LZ-Weihnachtsaktion mit einem Beitrag.

Wie empfindet er Trauer?

An den Wochenenden, von Freitagabend bis Montagmorgen, ist Fabian jeweils zu Hause bei seinem Vater. «Wir kommen gut miteinander aus», erzählt dieser. Die schwierigste Tageszeit ist der Morgen, wenn Fabian gleich nach dem Aufstehen seine Medikamente nehmen muss, diese aber erst nach einer Stunde wirken. «Oft unternehmen wir etwas zusammen», sagt Andreas S. Weiterhin ein grosses Problem ist die Kommunikation. So ist auch schwer zu sagen, was Fabian beim Tod seiner Mutter empfunden hat und wie er heute damit klarkommt. «Er kann Trauer nicht ausdrücken», sagt Andreas S. «Es ist schon viel, wenn er mal feststellt: ‹Gell, Papi, es ist schade, dass Mami nicht mehr da ist.›» Andererseits sei er sehr sensibel, wenn es um die Gefühle anderer Menschen geht.

«Er merkt genau, wenn es mir nicht gut geht, und versucht dann, mich zu trösten.»

Wie es in den nächsten Jahren mit ihm weitergeht, ist schwer zu sagen: Zu individuell sind Entwicklungen in solchen Fällen. Andreas S. hofft, dass sein Sohn dank immer besserer Medikamente sowie der Betreuung in der Schule und zu Hause irgendwann ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen und vielleicht sogar berufstätig sein kann. Klar ist, dass er noch lange für ihn da sein wird. «Ich habe mir angewöhnt, Menschen so zu nehmen, wie sie sind. Und Fabian natürlich ganz besonders.»

So können Sie spenden

Die LZ-Weihnachtsaktion feiert ein Jubiläum: Zum 25. Mal helfen wir mit Spenden unserer Leserinnen und Leser Menschen in der Zentralschweiz, die in Not geraten sind. Spenden können Sie via Postkonto 60-33377-5 (IBAN-­Nr: CH 89 0900 0000 6003 3377 5) und online via www.luzernerzeitung.ch/spenden. Wir vermelden seit dieser Woche die Namen der Spenderinnen und Spender in unserer Zeitung, sofern von ihnen nicht anders erwünscht.

Die LZ-Weihnachtsaktion ist in unserer Region fest verankert. Letztes Jahr erzielten wir ein Spendenergebnis von über 4,5 Millionen Franken, total 16159 Spenderinnen und Spender haben dabei mitgeholfen. Seit der Gründung im Jahr 1996 wurden total über 58 Millionen Franken gesammelt. Jedes Gesuch wird sorgfältig geprüft Wie willkommen diese Hilfe ist, zeigt die Zahl der Gesuche, die sich letztes Jahr auf 3884 belief – ein neuer Höchstwert. Dieses Jahr haben wir bis zum jetzigen Zeitpunkt bereits wieder rund 2500 Anfragen erhalten.

Gesuche können ausschliesslich von Gemeinden oder sozialen Institutionen zu Gunsten von Einzelpersonen und Familien eingereicht werden, nicht aber von Betroffenen selber. Jedes Gesuch wird vom Beirat sorgfältig geprüft. Er besteht aus 13 ehrenamtlich tätigen Sozialfachleuten aus der ganzen Zentralschweiz. Beiratspräsident ist Urs W. Studer, alt Stadtpräsident von Luzern.