LZ-WEIHNACHTSAKTION: Ein Vater zieht seine Kinder allein auf

Letztes Jahr trennten sich seine Frau und er. Seither führt Thomas Hoffmann (34, Name von Redaktion geändert) ein schwieriges Leben als Alleinerziehender von zwei kleinen Kindern und Vollzeitarbeiter. Und dies mit seelischen und finanziellen Altlasten. Jetzt hat er auch noch seinen Job verloren. Die LZ-Weihnachts­aktion konnte ihm eine Sorge abnehmen.

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Thomas Hoffmann (Name geändert) mit seinen beiden Söhnen Neo (4, links) und Jeroen (3). (Bild Boris Bürgisser)

Thomas Hoffmann (Name geändert) mit seinen beiden Söhnen Neo (4, links) und Jeroen (3). (Bild Boris Bürgisser)

Kein einziges schlechtes Wort verliert Thomas Hoffmann über seine Exfrau. Wohl auch, weil er trotz allem ein Stück weit verstehen kann, warum sie von einem Tag auf den anderen die Familie verlassen hat. Denn der Schweizer, dessen Eltern holländische Wurzeln haben, wusste schon vor der Heirat, dass seine Partnerin psychische Probleme hatte. Aber er hoffte, dass ihre Liebe einen Weg finden, dass die Stabilität einer Familie auch dem Leben seiner Frau Halt geben würde.

Eine Welt brach zusammen

Leider kam es anders. «Vermutlich war die Mutterrolle zu viel für sie», sagt Thomas Hoffmann rückblickend. Eine stationäre Behandlung brachte nicht den gewünschten Erfolg. «Eines Tages rief sie an und teilte mir mit, sie fahre jetzt nach Deutschland und komme nicht wieder.» Dann hörte er wochenlang nichts mehr von ihr.

Die beiden Kinder, zu diesem Zeitpunkt 2- und 3-jährig, bekamen natürlich noch nicht mit, was vor sich ging. «Natürlich wollten sie wissen, wo die Mama ist», erzählt der Neuenkircher, für den selber eine Welt zusammenbrach. «Es war ein Schock.»

Zum Glück kann er auf seine Eltern zählen. Die beiden, obwohl selber immer noch berufstätig, übernehmen einen Teil der Kinderbetreuung, denn auch Thomas Hoffmann arbeitet weiter Vollzeit. Wobei er die Stelle wechseln musste, um öfter am Abend arbeiten und seine Kinder tagsüber betreuen zu können. Der neue Job ist schlechter bezahlt, das Familienbudget, durch die Behandlung der Kindsmutter und andere Kosten ohnehin unter Druck, geriet aus dem Lot.

«Fühlt sich wie ein Rückschritt an»

Auch jetzt kann seitens seiner Exfrau keine finanzielle Unterstützung kommen, woran sich kaum etwas ändern wird. Immerhin nimmt sie, inzwischen bei ihren Eltern wohnhaft, die Kinder jeden Monat für ein Wochenende zu sich. Die Eltern sind jeweils dabei und helfen mit: «Sie machen das gut», sagt Thomas Hoffmann, dem es wichtig ist, dass die Kinder den Kontakt zur Mutter behalten.

Die finanzielle Not hat dazu geführt, dass er seine Wohnung aufgeben musste und ins Altbauhäuschen seiner Eltern zog. «Es war schon nicht einfach, als 34-Jähriger wieder bei den Eltern einzuziehen», gibt er zu. «Es fühlte sich wie ein Rückschritt an, obwohl ich zu meinen Eltern ein gutes Verhältnis habe.»

Soziale Kontakte schwer zu halten

Auch sonst ist er weit entfernt vom selbstbestimmten Leben, das etwa viele seiner Altersgenossen noch haben. «Die Kinder kommen immer zuerst», stellt er klar. Freie Zeit hat er kaum mehr, auch nicht für sein grosses Hobby, das Bauen von Elektromodellautos. Auch ist es schwierig, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten, der Freundeskreis ist geschrumpft, mit den Kollegen, die ihm geblieben sind, versucht er vor allem telefonisch in Verbindung zu bleiben. Wenn diese was unternehmen, kann er selten mitgehen. Und neue Leute kennen lernen? Fast unmöglich. An eine neue Beziehung gar wagt er nicht zu denken. «Ich kann es mir derzeit nicht vorstellen, auch weil ich das Vertrauen verloren habe. Und für einen Alleinerziehenden mit Kindern ist es schwierig. Aber es wäre ohnehin noch zu früh.»

Zumal er akutere Sorgen hat. Seine Stelle als Lagerist bei einem Grossunternehmen wurde ihm gekündigt. Er sei zeitlich nicht mehr flexibel genug, hiess es. Ein Schicksal, das er mit anderen alleinerziehenden berufstätigen Vätern und Müttern teilt, die bei Arbeitgebern nicht immer auf Verständnis stossen.

Schwierige Jobsuche

Die belastende Gesamtsituation hat nun auch bei Thomas Hoffmann zu gesundheitlichen Problemen geführt, er musste sich zwischenzeitlich krankschreiben lassen, kann aber nun den Rest seiner Kündigungsfrist wieder arbeiten. Und sucht eine neue Stelle für die Zeit ab Ende Januar, wenn seine bisherige Anstellung ausläuft. Er hat Respekt davor, weiss er doch, dass seine Situation als Alleinerziehender auch die Stellensuche nicht gerade begünstigt.

Die LZ-Weihnachtsaktion konnte ihm eine seiner Sorgen abnehmen, indem sie einen noch ausstehenden Betrag für die externe Kinderbetreuung beglichen hat. Der Luzerner ist zuversichtlich, dass er nun insgesamt aus den Schulden herauskommt und mit seiner Familie einen Neuanfang schafft. «Es schmerzt immer noch, was passiert ist», sagt er. «Aber ich bin sehr gerne für meine Kinder da. Und dank ihnen weiss ich auch immer, wofür ich mich einsetze.»

Via Postkonto, online oder per SMS

Spenden red. Letzte Woche ist die diesjährige LZ-Weihnachtsaktion offiziell gestartet worden. Vor einer Woche lag unserer Zeitung der Flyer mit dem Einzahlungsschein bei. Wir freuen uns über jede Spende, damit wir möglichst vielen Menschen in unserer Region helfen können.

Spenden kann man auch via Postkonto 60-33377-5 und oder www.luzernerzeitung.ch/weihnachtsaktion.
Neu sind auch SMS-Spenden möglich: Wählen Sie die Nummer 488, und schreiben Sie LZWA plus den Frankenbetrag (nur Zahl), der dann Ihrer Telefonrechnung belastet wird.

Auch für 2014 haben wir bereits wieder rund 1300 Hilfsgesuche erhalten. Diese können nur von Gemeinden oder sozialen Institutionen eingereicht werden. Jedes wird vom Beirat sorgfältig geprüft. Dieser besteht aus zwölf ehrenamtlich tätigen Sozialfachleuten aus Zentralschweizer Kantonen. Auch deshalb halten wir die Verwaltungskosten auf dem absoluten Minimum.

Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Sammlung, die erneut vielen Menschen neue Hoffnung schenken wird.

Geschäftsstelle der LZ-Weihnachtsaktion: Elisabeth Portmann, Geschäftsleiterin. Kontakt: lzweihnachtsaktion@lzmedien.ch, 041 429 54 04.

Not von Menschen, die sich für andere einsetzen

Nächstenliebe are. Nicht immer entstehen Notsituation durch unerwartete Ereignisse oder gar Schicksalsschläge. Oft nehmen Menschen ganz bewusst das Risiko in Kauf, weil sie sich für andere einsetzen.

Beat Meyer* (71) zum Beispiel betreut seit vielen Jahren seine an zunehmender Demenz leidende Frau. Und dies, obschon sie ihn im Zuge ihrer Krankheit immer öfter nicht einmal mehr erkennt und auch ihr Charakter immer schwieriger wird. Trotzdem steht Beat Meyer zu ihr, doch sein Engagement bringt ihn an die Grenzen seiner Belastbarkeit. Mit einem Beitrag kann die Weihnachtsaktion ihm ein wenig Erholung ermöglichen. Und ihm mit diesem Zeichen der Solidarität neuen Mut geben.

Behindertes Kind aufgenommen

Ein Beispiel von bedingungsloser Nächstenliebe schilderte Hans Lustenberger, Beirat der LZ-Weihnachtsaktion: Ein Ehepaar hat ein schwerbehindertes Kleinkind, dessen Eltern sich einfach ins Ausland abgesetzt haben, zu sich genommen und pflegt es. Eine gigantische Aufgabe, die ihre Möglichkeiten oft übersteigt. Auch hier helfen wir und unterstützen damit dieses stille Heldentum. Wir stehen in Kontakt mit mancher Familie, die eines oder mehrere Kinder aus schwierigsten Verhältnissen bei sich aufgenommen hat.

Auch junge Menschen können über sich hinauswachsen. Fabio* (15) etwa lebt bei seiner drogensüchtigen Mutter, der Vater hat den Kontakt abgebrochen. Laut der zuständigen Sozialarbeiterin ist Fabio ein zuvorkommender und selbstständiger Knabe, hilft tatkräftig im Haushalt mit und kümmert sich um die Mutter. Die LZ-Weihnachtsaktion übernahm den Jahresbeitrag für den Fussballklub, in dem Fabio spielt.

* Namen von der Redaktion geändert.