LZ-WEIHNACHTSAKTION: «Er hat immer geglaubt, dass er es schafft»

Vor einem Monat starb ihr Ehemann und der zweifache Familienvater an Krebs. Jetzt kämpft Ursula Bossert-Hunkeler nicht nur gegen eine tiefe Trauer und Depression. Sie muss und will ihren tapferen beiden Buben auch weiterhin eine gute Mutter sein. Die LZ-Weihnachtsaktion hilft mit, die schlimmste Zeit durchzustehen.

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Ursula Bossert-Hunkeler schaut mit ihren Söhnen im Wohnzimmer ein Bild ihres verstorbenen Mannes an. Auf Wunsch der Familie sind sie auf dem Foto nicht erkennbar. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Ursula Bossert-Hunkeler schaut mit ihren Söhnen im Wohnzimmer ein Bild ihres verstorbenen Mannes an. Auf Wunsch der Familie sind sie auf dem Foto nicht erkennbar. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Sie wirkt eigentlich sehr gefasst. Doch der Eindruck täuscht. Weil es ihr so schlecht geht, muss Ursula Bossert-Hunkeler (42) Antidepressiva nehmen, die höchste Dosis, die ärztlich überhaupt vertretbar ist.
Wir sitzen in ihrem Wohnzimmer in Aesch im Luzerner Seetal. In diesem Raum hat sie ihren Mann Markus beim Sterben begleitet. «Ich gehe jetzt», habe er irgendwann gesagt. Sie antwortete: «Ja, du darfst gehen.» Nach einer Weile sagte er nochmals: «Ich gehe jetzt» und ist dann für immer eingeschlafen.

Immer wieder zerstörte Hoffnung

Seinem Tod ging eine lange Leidenszeit voraus. 2010 wurde nach starken Halsschmerzen ein Zungengrundkrebs diagnostiziert. Die Halsbestrahlung war erfolgreich, doch ein Jahr später wurde ein Krebs auf der rechten Lungenseite festgestellt; ein Teil des Lappens musste entfernt werden, später der gesamte Lungenflügel.

Weiterhin blieb Markus Bossert zuversichtlich. «Er hat immer gesagt: ‹Ich schaffe das, ich werde wieder ganz gesund.›» Doch letztes Jahr wurde es richtig brutal. Der Lungenkrebs hatte zu Metastasen im Gehirn geführt.

Der wuchernde Hirntumor machte sich unter anderem in epileptischen Anfällen bemerkbar. Dieses Jahr kam die weitere Hiobsbotschaft, dass auch der linke Lungenflügel vom Krebs befallen war. All dies konnte den Lebensmut von Markus nicht brechen, aber spätestens, als Ursula Bossert ihren Mann an der mit maximaler Kapazität arbeitenden Sauerstoffmaschine sah, ahnte die gelernte Familienhelferin und Pflegerin: Es kommt wohl nicht mehr gut.

Im letzten Oktober wurde eine Hirnoperation durchgeführt, sie verlief gut, wieder keimte Hoffnung auf. Doch dann kam es zu schweren Komplikationen, am Ende war es wohl das Herz, das nicht mehr konnte.

Schock für die Buben

Nicht nur für Ursula Bossert ist es ein schrecklicher Schlag, auch für die beiden Söhne. Zwar hatten sie in den letzten Jahren gewusst, dass er ihrem Papi schlecht ging. «Wir haben es ihnen nicht verheimlichen wollen», sagt Ursula Bossert. Sein Tod war auch für die beiden ein Schock. Als sie von der Schule nach Hause kamen, lebte der Vater noch. Sie konnten mit ihm sprechen, ihn umarmen. Ursula Bossert, im Wissen, dass es zu Ende ging, schickte sie zur Nachbarin. Der Jüngere kam später von sich aus retour und sah den Vater leblos auf dem Sofa liegen. Er lief weinend zur Nachbarin und rief seine Lehrerin an.

In der Folge waren die beiden Buben extrem tapfer. «Der Jüngere ging täglich zum Leichenhüsli, wo sein Papi noch aufgebahrt war, sprach zu ihm, streichelte ihn», erzählt Ursula Bossert. Und nach dem Wochenende, an dem sie viel miteinander geredet hatten, gingen sie bereits wieder in die Schule.

«Die beiden sind der Grund, weshalb ich es am Morgen überhaupt schaffe, aufzustehen. Ohne sie wäre es unmöglich. Aber ich will ihnen ja ein gutes Mami bleiben. Die Buben sind sehr rücksichtsvoll. Der Kleinere sagt immer: ‹Hebsch der Sorg, Mami, gell?›»

«Vermisse ihn wahnsinnig»

Den Tod ihres geliebten Mannes wird sie noch lange nicht überwinden können. «Wir waren 23 Jahre zusammen, und es hat einfach alles zwischen uns gestimmt. Ich vermisse ihn wahnsinnig.» Zugleich sei sie auch froh, dass er friedlich und ohne grosse Schmerzen habe sterben können. «Er ging ruhig und voller Vertrauen, dass es nach dem Tod in irgendeiner Form weitergeht.»

Trotzdem Guetzli backen

Weitergehen muss es auch für Ursula Bossert. Ihre Depression wird noch viel Zeit brauchen, um zu heilen. Sie versucht, nach vorne zu schauen. «Im Januar möchte ich beginnen, wieder einzelne Tage im Pflegeheim zu arbeiten. Die Unterstützung, die ich von meinem Arbeitsumfeld erfahre, tut mir gut.» Und in kleinen Schritten will sie ins Leben zurückfinden. So ist es eine Tradition, dass sie in der Adventzeit alle Kinder, die im gleichen Block wohnen, an einem Nachmittag zum Guetzlibacken einlädt. «Das soll auch dieses Jahr stattfinden.»
Die LZ-Weihnachtsaktion hilft ihr, zumindest die finanzielle Not, die durch die Krankheit ihres Mannes und seinen Tod entstanden ist, zu lindern. «Ich bin sehr froh darüber», sagt Ursula Bossert. In wenigen Wochen wird Weihnachten gefeiert. Ohne Ehemann und Vater. Freunde und Verwandte werden der Familie beistehen. «Ich weiss noch nicht, wie Weihnachten dieses Jahr sein wird.»

Am Mittwoch liegt der Flyer bei

Die diesjährige LZ-Weihnachtsaktion läuft seit Mitte November sehr erfolgreich. Bereits sind über eine Million Franken an Spenden eingegangen. Am Mittwoch wird unserer Zeitung noch einmal der Flyer mit dem Einzahlungsschein beiliegen.

Spenden kann man auch via Postkonto 60-33377-5 und oder www.luzernerzeitung.ch/weihnachtsaktion
Neu sind auch SMS-Spenden möglich: Wählen Sie die Nummer 488, und schreiben Sie LZWA plus den Frankenbetrag (nur Zahl), der dann Ihrer Telefonrechnung belastet wird.

Auch für 2014 haben wir bereits wieder rund 1800 Hilfsgesuche erhalten. Diese können nur von Gemeinden oder sozialen Institutionen eingereicht werden. Jedes wird vom Beirat sorgfältig geprüft. Dieser besteht aus zwölf ehrenamtlich tätigen Sozialfachleuten aus Zentralschweizer Kantonen. Auch deshalb halten wir die Verwaltungskosten auf dem absoluten Minimum.

Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Sammlung, die erneut vielen Menschen neue Hoffnung schenken wird.
Geschäftsstelle der LZ-Weihnachtsaktion: Elisabeth Portmann, Geschäftsleiterin. Kontakt: lzweihnachtsaktion@lzmedien.ch, 041 429 54 04.

Menschen verdienen eine zweite Chance

Die allermeisten Menschen, die von der LZ-Weihnachtsaktion unterstützt werden, sind ohne eigenes Verschulden in Not geraten. Oft steckt ein unvorsehbares Ereignis, etwa ein schwerer Schicksalsschlag dahinter. Aber es gibt auch Fälle, in denen die Betroffenen einen fatalen Fehler gemacht und dafür gebüsst haben. Ist jemand dann auf gutem Weg, wieder in die Gesellschaft zurückzufinden, können wir ihn unterstützen.

Neustart nach Gefängnis

Ein Beispiel dafür ist Guido W. (Name geändert). Wegen einer schweren Straftat war er vier Jahre lang im Gefängnis. Dass er damals Drogen konsumiert hat, soll nicht als Entschuldigung gelten. Während der Zeit im Gefängnis verliess ihn seine Frau, der Kontakt mit seinen zwei Kindern brach praktisch ab. Nun ist er wieder in Freiheit, sucht einen Job, was nicht leicht ist. Aber er bemüht sich, hat die Drogen längst hinter sich gelassen und sieht seine Kinder wieder regelmässig. Er hat eine bescheidene Wohnung gefunden, doch er ist völlig mittellos. Die LZ-Weihnachtsaktion hilft mit einem kleinen Beitrag, dass er möglichst rasch wieder auf eigenen Füssen steht.

Auch Walter Z. (Name geändert) hat einen schweren Fehler begangen und einen Autounfall verursacht, bei dem jemand bleibend geschädigt wurde. Neben der Strafe geriet er deswegen auch in den finanziellen Ruin. Die LZ-Weihnachtsaktion hilft ihm und seiner Familie mit einem Beitrag bei einer zweiten Chance.
Susanne S. (Name geändert) wurde Opfer einer Betrügers, sie war zugegebenermassen sehr leichtsinnig. Jetzt sind sie und ihre Familie in eine schwere Notlage geraten. Auch sie hat aus ihrem Fehler gelernt. Wir unterstützen sie und ihre Familie beim Neustart.

Arno Renggli