LZ-WEIHNACHTSAKTION: «Es tut weh, das eigene Kind leiden zu sehen»

Thomas Ming (17) gehört schweizweit zu den Menschen mit den massivsten körperlichen Behinderungen, die dennoch zu Hause von ihren Eltern betreut werden. In diesem Fall tun dies die Eltern gar zusätzlich zu ihrem kargen und harten Leben als Bergbauern. Dank Spenden unserer Leserinnen und Leser konnte der Familie gezielt geholfen werden.

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Familie Ming auf der Alp oberhalb von Lungern. Von links: Marc (16), Lara (5), Peter (40), Simon (15), Thomas (17, im Rollstuhl) und Andrea (40). (Bild Nadia Schärli)

Familie Ming auf der Alp oberhalb von Lungern. Von links: Marc (16), Lara (5), Peter (40), Simon (15), Thomas (17, im Rollstuhl) und Andrea (40). (Bild Nadia Schärli)

Man könnte meinen, dass erfahrene Sozialfachleute schon so viel erlebt und gesehen haben, dass sie ihre Emotionen unter Kontrolle haben. Aber auch für die ehrenamtlichen Beiräte der LZ-Weihnachtsaktion ist das für einmal schwierig, als sie wie jedes Jahr eine unterstützte Familie besuchen.

«Wir lieben dich, Thomas»

Andrea Ming, Bergbäuerin aus Lungern OW, schildert gerade, wie ihr schwerbehinderter Sohn Thomas (17) oft vor Schmerzen nur noch weinen kann, etwa wenn er lange sitzen muss oder bei holprigen Autofahrten. «Es tut weh, das eigene Kind so leiden zu sehen.» Thomas ist dabei, und als seine Mutter das sagt, bricht er in Tränen aus. Die Beirätinnen und Beiräte sind erschüttert, die eine oder andere Träne fliesst auch bei ihnen. «Wir lieben dich, Thomas», sagt Mutter Andrea, «wir sind so froh, dass du bei uns bist.»

Laut Fachleuten ist Thomas das einzige Kind in der ganzen Schweiz, das mit einer so schweren Behinderung immer zu Hause betreut worden ist. Er kam zwar als Frühgeburt zur Welt, doch die Ärzte sagten zunächst, er sei gesund. Nach etwa einem halben Jahr war klar, dass er unter starken spastischen Störungen litt, eine cerebrale Lähmung wurde diagnostiziert. Er war viel krank, der Pflegeaufwand nahm rasch zu, wurde zur Aufgabe rund um die Uhr. Andrea Mings Mutter half tatkräftig mit, starb dann aber mit nur 49 Jahren an Krebs.

Zahllose Operationen

Mit den Jahren wurde die Belastung immer grösser. Thomas braucht Hilfe bei allem, beim Essen, Waschen, Anziehen. Wöchentlich mehrere Auswärtstermine für Arztbesuche oder Therapien sind jedes Mal verbunden mit mühseligen und schmerzvollen Transporten. Hinzu kommen die Operationen im Spital. All das muss das Ehepaar Ming bewältigen neben der Betreuung von drei weiteren, zum Glück gesunden Kindern und der harten Arbeit auf dem Betrieb und ihrer steilen Alp Schinberg ob Lungern.

Ihr unermüdliches Engagement führte zu grossen Erfolgen: So konnte Thomas, der geistig bis auf eine gewisse Langsamkeit normal ist, die ganze Schulzeit in der Regelschule verbringen. Dies auch dank der Hilfe von Behörden, Schulleitern, Lehrpersonen und von Thomas’ Schulkameraden, die ihn akzeptierten und ihn so oft wie möglich auch mitnahmen bei ihren Freizeitaktivitäten.

Ein junger Mann mit Humor

Denn Thomas ist trotz seines schweren Handicaps ein offener und positiver Mensch. Und er hat Humor, wie er auch bei unserem Besuch beweist. Als er auf der obersten Alphütte mit dem Rollstuhl kaum über die holprige Türschwelle kommt, grinst er nur: «Diesen Hauseingang liebe ich besonders.» Ungezwungen unterhält er sich danach mit den Beirätinnen und Beiräten, lässt sich Kuchen, den Andrea Ming gebacken hat, und Getränke eingeben, gewinnt mit seinem Charme alle Herzen.

Dabei hat er gerade eine besonders schwere Zeit hinter sich. Wegen der Fehlstellung der Beine mussten beide Oberschenkel durchtrennt und ein Gelenk in die Hüfte operiert werden, damit der Winkel verändert werden konnte. Dies bedeutete wochenlange Spital- und Therapieaufenthalte in Basel, Luzern und Zürich. Vor allem Andrea Ming war in dieser Zeit ständig unterwegs für ihren Sohn, während ihr Mann die Arbeit auf dem Hof bewältigte. «Ich war sechs Wochen lang täglich bei Thomas, es ist ihm schlecht gegangen nach der Operation, er wog nur noch 31 Kilo, musste gegen die Schmerzen viel Valium nehmen, was danach auch zu starken Entzugserscheinungen führte. So konnte er nächtelang nicht mehr schlafen.»

Auch diese Zeit hat die Familie Ming überstanden, «aber wir alle waren viele Male physisch und psychisch am Anschlag», sagt Mutter Andrea. Und es ist nicht zu Ende; nächstes Jahr folgt eine weitere grosse Operation. Seine Rückenverkrümmung ist derart stark, dass es ihm die Organe zusammendrückt und er dreimal beinahe einen Darmverschluss gehabt hätte. Deshalb muss der Rücken operativ versteift werden.

Dank der LZ-Weihnachtsaktion konnte für Thomas ein ganz spezielles Trainingsgerät beschafft werden. Mit diesem können gewisse Therapien zu Hause erfolgen, und manch leidvoller Transportweg entfällt. Ein wunderbares Beispiel dafür, wie die LZ-Weihnachtsaktion spürbar und nachhaltig helfen kann. Andrea Ming: «Diese Hilfe hat unsere Sorgen gemildert, uns einen Lichtblick geschenkt und wieder Mut gemacht.»

Die LZ-Weihnachtsaktion 2014 startet

In einer Woche, am Freitag, 21. November, wird der Einzahlungsschein zur diesjährigen LZ-Weihnachtsaktion beiliegen. Bereits zum 19. Mal sammelt unsere Zeitung, gemeinsam mit ihren Regionalausgaben, für Menschen in der Zentralschweiz, die in Not geraten sind.

Postkonto, online oder SMS

Spenden kann man ab sofort via Postkonto 60-33377-5 und online auf www.luzernerzeitung.ch/weihnachtsaktion. Neu sind auch SMS-Spenden möglich: Wählen Sie die Nummer 488 und schreiben Sie LZWA plus den Frankenbetrag (nur Zahl). Wir danken herzlich für jeden Beitrag!

Die LZ-Weihnachtsaktion ist in unserer Region fest verankert. Letztes Jahr wurde mit 3,4 Millionen Franken der Spendenrekord egalisiert. Die Zahl der Spenderinnen und Spender wuchs dabei auf 13 615, was ebenfalls Rekord ist. Seit der Gründung im Jahr 1996 wurden über 31,5 Millionen Franken gesammelt.

Hunderte von Anfragen

Wie willkommen diese Hilfe ist, zeigt die Zahl der Hilfsgesuche, die sich letztes Jahr auf über 2700 belief. Dieses Jahr, schon vor dem Start der Aktion, haben wir bereits wieder rund 900 Anfragen für Menschen in Not erhalten. Gesuche können nur von Gemeinden oder sozialen Institutionen eingereicht werden.
Jedes Hilfsgesuch wird vom Beirat einzeln sorgfältig geprüft. Dieser besteht aus zwölf ehrenamtlich tätigen Sozialfachleuten aus der ganzen Zentralschweiz. Beiratspräsident ist Urs W. Studer, alt Stadtpräsident von Luzern.

Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Sammlung, die erneut vielen Menschen neue Hoffnung verleihen wird.

Geschäftsstelle der LZ-Weihnachtsaktion: Elisabeth Portmann, Geschäftsleiterin. Kontakt: lzweihnachtsaktion@lzmedien.ch, 041 429 54 04.

Melden Sie uns Ihre Sammlung

Mithelfen are. Wir freuen uns über Vereine, Schulklassen, Musikformationen oder Pfarreien, die Sammelaktionen zu Gunsten der LZ-Weihnachtsaktion durchführen. Gerne bieten wir Ihnen Gelegenheit, diese in unserer Zeitung und online anzukündigen. Bitte melden Sie sich unter:

www.luzernerzeitung.ch/weihnachtsaktion
Oder: Telefon 041 429 54 04,
lzweihnachtsaktion@lzmedien.ch

Ebenso können Sie Fotos Ihrer Aktion bei uns online veröffentlichen. Diese können Sie auch an die obige E-Mail-Adresse senden.

Ein Beispiel waren die Konzerte von Der Chor Luzern im Dezember 2013. Auch von Schulklassen, die Sammelaktionen durchführen, haben wir begeisterte Rückmeldungen erhalten.

Bereits bekannt ist, dass Les Tubas de Noël am Samstag, 13. Dezember, 12.30 Uhr am Weihnachtsmarkt auf dem Franziskanerplatz Luzern spielen und für die Weihnachtsaktion sammeln wird. Wer mitspielen möchte, ist herzlich eingeladen. Die Probe ist am Morgen des Auftrittstages.
Für Infos: Mail an capra.music@hispeed.ch